Welternährungs-Tag: Hunger in 33 Ländern

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Hungernden weltweit um 75 Millionen gestiegen. Durch die Finanzkrise verschärft sich die Situation weiter. Hilfsorganisationen fordern mehr Hilfe und faire Handelsbedingungen für Entwicklungsländer.

(c) REUTERS (Yves Herman)

"Durch die aktuelle Finanzkrise wird sich die Situation für die Ärmsten der Armen weiter verschärfen. Es ist zu befürchten, dass die Hilfe, die nun in die Finanzmärkte fließt, bei der Bekämpfung von Hunger und Armut fehlen wird", erklärt Ulrike Schelander, Geschäftsführerin von CARE Österreich anlässlich des Welternährungstags am morgigen Donnerstag.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Hungernden weltweit von 848 auf 923 Millionen Menschen gestiegen. Das geht aus dem Welthunger-Index hervor, den das Washingtoner Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) am Dienstag vorgestellt hat. Der Bericht des IFPRI spricht von einer "alarmierenden" oder "sehr ernsten" Hungersituation in 33 Ländern. Das bedeutet, in diesen Ländern sterben Menschen, weil sie zu wenig zu essen haben. "Damit können wir uns nicht abfinden", sagt IFPRI-Direktor Joachim von Braun.

Welthunger-Index

Mit wem Welthunger-Index lässt sich das weltweite Ausmaß der Unterernährung wissenschaftlich erfassen. Er zeigt die Hungersituation in 88 Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Index setzt sich zusammen aus der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren, dem Anteil von ntergewichtigen Kindern unter fünf Jahren und dem Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung.


Erhöhung der Hilfe, faire Handelsbedingungen

Um den Hunger zu bekämpfen, fordern die Initiatoren des Welthunger-Index eine Erhöhung der Mittel für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern von jährlich mindestens zehn Milliarden Euro und die Schaffung fairer Handelsbedingungen. Das allgemeine Umdenken über die Rolle des Staates im Zuge der Finanzkrise müsse sich auch auf die Hungerkrise erstrecken. Steigende Lebensmittelpreise seien eine ernste Bedrohung, heißt es in dem IFPRI-Bericht.

Seit 1990 gibt es in einigen Regionen der Welt durchaus Fortschritte bei der Hungerbekämpfung. In Asien, Nordafrika, Lateinamerika und im Nahen Osten hat sich die Lage zum Teil deutlich verbessert. Dennoch gebe es "auf breiter Front" keinen Fortschritt, erklärt IFPRI-Direktor von Braun. Die Zahl der Hungernden in Südasien bleibt hoch, in Afrika südlich der Sahara habe sich die Situation verschlechtert. Am schlimmsten sei die Lage in Äthiopien, Eritrea, Sierra Leone, Burundi, im Niger und in der Demokratischen Republik Kongo. Außerhalb des afrikanischen Kontinents ist der Hunger in Tadschikistan, Bangladesh und Haiti am größten.

Hunger und Armut: Ein Teufelskreis

Hunger ist die deutlichste Auswirkung von Armut. Laut einer Definition der Weltbank leben Menschen in absoluter Armut, wenn ihnen weniger als 1,25 Dollar (0,916 Euro) pro Tag zur Verfügung stehen. Weltweit sind davon 1,4 Milliarden Menschen betroffen. Doch Armut ist ihrerseits auch eine Folge des Hungers: Mangelernährung schwächt und macht Menschen weniger leistungsfähig - so erwirtschaften sie meist ein geringeres Einkommen.

Die "Millenniumsziele" der Vereinten Nationen sehen unter anderem eine Halbierung der Zahl der Armen und Hungernden bis 2015 vor. Doch die aktuellen Berichte zeigen, "dass wir von der Erreichung der Millennium-Entwicklungs-Ziele Lichtjahre entfernt sind", sagt CARE-Geschäftsführerin Schelander. Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, hat sich laut CARE sogar um 100 Millionen erhöht. Deshalb fordert die Organisation die Industriestaaten zum Welternährungstag auf, ihre Hilfszusagen trotz der Finanzkrise unbedingt einzuhalten.

(Ag./Red.)

Lesen Sie mehr zum Thema