Ahmadinejad: Weihnachtsgrüße aus Teheran

In seiner "Weihnachts-Ansprache" sagte Mahmoud Ahmadinejad, dass Jesus heute gegen vorherrschende politische Systeme kämpfen würde. Politiker, Menschenrechtler und Israelis reagierten entsetzt und beleidigt.

(c) EPA

LONDON/TEHERAN (ag., red).Eigentlich sprach er von Liebe, Frieden, Brüderlichkeit – ausgelöst hat er aber einen Riesenwirbel: Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad richtete Donnerstagabend im britischen Privatsender „Channel 4“ allen Christen seine „herzlichsten Weihnachtsgrüße“ aus. Der Sender strahlte die Botschaft statt der Weihnachtsrede der Queen aus.

Die britische Regierung, Parlamentsabgeordnete, Vertreter Israels sowie Menschenrechtler reagierten empört: Die Rede, die von einem Holocaust-Leugner und auch sonst umstrittenen Person stamme, sei „geschmacklos“ und eine „Beleidigung“.

Ahmadinejad wünschte den Christen unter anderem ein friedliches neues Jahr und allen Regierungen eine stärkere Besinnung auf religiöse Werte. Würde Jesus heute leben, so Ahmadinejad weiter, würde er „gegen Kriegstreiber, Besatzer, Terroristen und Tyrannen kämpfen“ – für Beobachter ist klar, dass Ahmadinejad damit vor allem die USA und Israel meinte.

Die Aktion werde im Ausland für „Irritationen“ sorgen, sagte eine Sprecherin des Foreign Office. Israels Botschafter in London, Ron Prosor, hieß die Rede „geschmacklos und eine pervertierte Ironie“. Der Menschenrechtler Peter Tatchell sagte, Ahmadinejad sei „einer der blutrünstigsten Politiker der Welt“. Kritik kam auch von Homosexuellen-Gruppen, die die im Iran herrschende Verfolgung Homosexueller aufs Tapet brachten.

Bei „Channel 4“ verteidigte man sich: Es gehe nur darum, „alternative Weltsichten“ zu zeigen; zudem sei Ahmadinejad als Oberhaupt eines der mächtigsten Länder des Nahen Ostens eine wichtige Person, seine Ansichten hätten also „großen Einfluss“.

 

Vom Komiker zum Kriegsinvaliden

Der Sender sorgt seit 1993 mit „alternativen Weihnachtsbotschaften“ für Aufsehen. Sie stammten u. a. von Major Andrew Stockton (einem britischen Soldaten, der in Afghanistan einen Arm verlor), einer zum Islam konvertierten Britin namens Khadija Ravat (sie trat verschleiert auf), dem TV-Koch Jamie Oliver, dem Komiker Ali G. („Borat“) und der Comicfigur Marge Simpson (Homer Simpsons Frau). „Wer wird es nächstes Jahr sein?“, meinte die Labour-Abgeordnete Louise Ellman bitter, „Der Holocaust-Leugner David Irving oder Simbabwes Präsident Mugabe?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2008)

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