Papst: Islam und Christentum teilen gleiches "Eroberungskonzept"

Franziskus kritisiert in einem Interview, die "christlichen Wurzeln" Europas überzubetonen. Er spricht sich gegen ein Kopftuchverbot aus.

Papst: Friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen möglich.
Papst: Friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen möglich.
Papst: Friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen möglich. – APA/AFP/GABRIEL BOUYS

Der Islam und das Christentum teilten das gleiche Konzept von Eroberung, sagt Papst Franzsikus in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "La Croix". Er glaubt nicht, dass die Angst vor Flüchtlingen mit einer generellen Furcht vor dem Islam zu tun habe. Es sei vielmehr die Angst vor dem sogenannten Islamischen Staat und seines Eroberungskriegs.

"Es ist wahr, dass das Konzept der Eroberung der Seele des Islam innewohnt", sagte Franziskus. "Aber man könnte das Ziel des Matthäus-Evangeliums, in dem Jesus seine Jünger in alle Nationen aussendet, als gleichen Eroberungs-Begriff interpretieren." Zudem betonte der Papst, dass Europa nicht nur christliche Wurzeln habe.

Wenn die Rede vom christlichen Europa sei, fürchte er, dass der Ton, "triumphalistisch oder rachsüchtig" sein könne. Europa habe zweifellos christliche Wurzeln und das Christentum habe die Pflicht sie zu bewässern. Dies dürfe jedoch nicht in kolonialistischer Manier erfolgen. Nötig sei ein Geist des Dienens, wie er in einer Fußwaschung zum Ausdruck komme: "Die Pflicht des Christentums gegenüber Europa ist der Dienst."

Papst ruft zur Integration auf

Jeder müsse die Freiheit haben, seinen Glauben zum Ausdruck bringen zu können, sagte der Papst mit Blick auf das Kopftuchverbot in Frankreich. Dies müsse auch im kulturellen Zentrum erlaubt sein und nicht nur am Rand der Gesellschaft. Er sprach sich gegen ein Kopftuchverbot aus. "Wenn eine muslimische Frau ein Kopftuch tragen will, muss sie das tun können, ebenso wie ein Katholik, der ein Kreuz tragen will", sagte er.

Zugleich bekräftigte der Papst, dass ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen grundsätzlich möglich sei. In seinem Heimatland Argentinien etwa hätten die Angehörigen beider Religionen ein "gutes familiäres" Verhältnis untereinander. Er forderte zu einer besseren Integration von Flüchtlingen auf. Der schlimmste Empfang sei eine "Ghettoisierung". Die Terroristen von Brüssel seien Kinder von Migranten gewesen, die aus einem Ghetto kamen.

Der neue Bürgermeister von London hingegen, Sadiq Khan, ein Sohn pakistanischer Einwanderer, sei in einer Kathedrale vereidigt worden und werde wahrscheinlich von der Königin empfangen, so Franziskus. Dies zeige, wie wichtig es für Europa sei, seine Fähigkeit zur Integration von Menschen wiederzufinden. Integration sei für Europa aufgrund der niedrigen Geburtenrate notwendiger denn je.

>>> Interview in "La Croix"

(APA/red.)

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