Frankreich: Neuer Streit um islamisches Badegewand

Eine muslimische Frau durfte mit ihrem „Burkini“ nicht in ein Pariser Schwimmbad - der Bademeister verbat ihr das „aus hygienischen Gründen“.

(c) Dpa (A2070 Rolf Haid)

PARIS (APA/AFP). Eine muslimische Französin hat mit ihrem Ganzkörperbadeanzug, mit dem sie in ein Schwimmbecken gehen wollte, eine wilde Diskussion entfacht: Die 35-Jährige hatte in Émerainville bei Paris mit ihrem „Burkini“, einer Kombination aus langer Hose, Tunika und badehaubenartigem Schleier, schwimmen wollen; der Bademeister verbat ihr das „aus hygienischen Gründen“.

Darauf ging die Frau zur Polizei, um Anzeige wegen Diskriminierung zu erstatten; weil in Frankreich das Baden mit Kleidern in öffentlichen Bädern aber verboten ist, habe die Polizei die Annahme der Anzeige aber verweigert, so ein Behördensprecher.

Der Bürgermeister Émerainvilles, Alain Kelyor, gab den Angestellten des Schwimmbades recht: Männer dürften auch nicht mit normalen Shorts ins Becken. Im Übrigen habe die ganze Sache „nichts mit dem Islam zu tun“, sagte er: Der „Burkini“ könne kein „islamischer Badeanzug“ sein, da davon im Koran nichts stehe.

Die Muslimin meinte im Gespräch mit der Zeitung „Le Parisien“, sie habe sich nicht zu sehr entblößen wollen, weil das der Islam verbiete. Sie verstehe, dass der Anblick schockieren könne, man müsse aber daraus doch kein politisches Problem machen.

 

„Klares militantes Vorhaben“

Der kommunistische Abgeordnete André Gerin nannte den Auftritt der Frau „Provokation“: „Zur Polizei rauschen, den Staatsanwalt anrufen, das zeigt, dass dahinter ein politisches und militantes Vorhaben steht.“ Gerin hatte jüngst einen parlamentarischen U-Ausschuss gefordert, um ein Gesetz gegen Vollverschleierung zu erarbeiten. Staatschef Nicolas Sarkozy betonte, die „Burka“ sei in Frankreich nicht willkommen.

„Burqini“ ist tatsächlich eine Bademodemarke der australischen Firma „Ahiida“, die von der Libanesin Aheeda Zanetti gegründet wurde. In der Türkei ist der Ganzkörperanzug nach dem dortigen Hersteller als „Ha?ema“ bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2009)

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