Kaiser Karls Villa auf Madeira ist abgebrannt

Das Landhaus oberhalb der Inselhauptstadt Funchal, wo die Familie des letzten Kaisers von Österreich zeitweise im Exil lebte und dieser im April 1922 starb, fiel nun einem Waldbrand zum Opfer.

Die Kaiservilla oberhalb Funchals vor dem Brand
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Die Kaiservilla oberhalb Funchals vor dem Brand
Die Kaiservilla oberhalb Funchals vor dem Brand – visitmadeira.pt

"Unten in der Stadt war es sehr hübsch", schrieb später eine Dienerin der exilierten Kaiserfamilie nach Hause. „Hier oben aber haben wir nur drei warme Tage gehabt. (. . .) Das Haus ist so feucht, dass alles nach Moder riecht. Der Nebel durchzieht alles."

Auch ihrem Herrn, Österreichs letztem Monarchen, behagte der an sich idyllisch auf einer subtropischen Insel gelegene Ort wenig: Er habe „noch nie im Leben so gefroren", notierte Karl I., ehemals Kaiser von Österreich, als IV. Károly, Karlo IV. bzw. Karel III. auch König von Ungarn, Kroatien und Böhmen, Anfang 1922. Dann ging alles schnell: Im März verkühlte er sich, es war wohl gar die bösartige Spanische Grippe, Lungenentzündung kam dazu, am 1. April schied er nur 34-jährig dahin, während der Atlantik die Insel Madeira, seinen letzten Wohnort, wie immer schäumend umspülte.

Ein ungesundes Haus

Nun ist auch das angeblich so ungesunde Haus dahin: Bei den Waldbränden auf der portugiesischen „Blumeninsel", die bis vor wenigen Tagen gewütet und mehr als 200 Gebäude zerstört hatten, brannte auch die „Kaiservilla" ab – jenes Landhaus im Ort Monte oberhalb der Hauptstadt Funchal, wo Karl, seine Frau Zita, die acht gemeinsamen Kinder und ein kleiner Hofstaat Anfang 1922 untergebracht waren, nachdem sie der leichte britische Kreuzer HMS Cardiff nach Madeira ins Exil gebracht hatte. Das berichtete jüngst als wohl erstes Medium das italienische Royals-Magazin „Viva il Re".

Kaiser Karl und seine Familie 1921 in der Schweiz
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Kaiser Karl und seine Familie 1921 in der Schweiz
Kaiser Karl und seine Familie 1921 in der Schweiz – Archiv

 

Die geräumige, aber nicht wirklich riesige, von einem Park umgebene Villa war als „Quinta Jardins do Imperador" bekannt, „Landhaus der Gärten des Kaisers". Seit 1982 im Besitz der Inselregierung, hatte man sie vor Jahren restauriert, der Park mit vielen Arten von Rosen konnte um einige Euro besichtigt werden, es gab auch ein Café.

Später ermordete Gäste

Anfang/Mitte 19. Jht. soll die Quinta (Portugiesisch für Landhaus, Weingut, Bauernhof) im maurischen Stil in Monte (600 bis 800 Meter über dem Meer) von einem Briten gebaut worden sein, sie hieß auch Quinta Gordon. Künstler lebten dort, Portugals 1908 ermordeter König Carlos war ebenso zu Gast wie Österreichs 1898 gemeuchelte Kaiserin Elisabeth. Als Karl starb, gehörte das Haus einem lokalen Bankier. Ob es wiederaufgebaut wird, ist unbekannt.

 

Der Weg Karls, der nach dem Tod seines Großonkels Franz Josef im November 1916 Kaiser geworden war, bis auf die Insel 940 Kilometer vor Lissabon war komplex. Beim Ende der k.u.k.-Monarchie hatte er Mitte November 1918 auf die Mitwirkung auf die Staatsgeschäfte verzichtet, doch nicht formell abgedankt. Er, die engste Familie und Begleiter fuhren im März 1919 im Zug über Vorarlberg in die Schweiz, lebten in Rorschach am Bodensee in Sichtweite Vorarlbergs, später am Genfersee und danach Luzern.

1921 versuchte Karl zweimal erfolglos, sich vor Ort in Ungarn wieder als König zu etablieren, ihm folgte dort sogar ein kleines Heer, aber unterlag vor Budapest gegen Truppen von Reichsverweser Admiral Miklós Horthy, übrigens letzter Chef der k.u.k.-Flotte.

Per Kreuzer ins Exil

Die Siegermächte fürchteten nun neue Umtriebe des jungen Karl, also brachte ein englisches Schiff ihn und Zita im November 1921 von Ungarn über die Donau nach Rumänien, wo die Cardiff sie aufnahm und am 19. November in Funchal absetzte; Zitas Mutter Maria Antonia war eine portugiesische Prinzessin, daher wohl die Ortswahl. Die Kinder kamen später an.

Der Kreuzer HMS Cardiff brachte Karl und Zita ins Exil nach Madeira; das 1917 in Dienst gestellte Schiff diente noch im Zweiten Weltkrieg und wurde erst 1946 verschrottet.
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Der Kreuzer HMS Cardiff brachte Karl und Zita ins Exil nach Madeira; das 1917 in Dienst gestellte Schiff diente noch im Zweiten Weltkrieg und wurde erst 1946 verschrottet.
Der Kreuzer HMS Cardiff brachte Karl und Zita ins Exil nach Madeira; das 1917 in Dienst gestellte Schiff diente noch im Zweiten Weltkrieg und wurde erst 1946 verschrottet. – Royal Navy/Imperial War Museum

 

Man lebte in einem Hotel, doch ging schnell das Geld aus, was auch daran lag, dass wertvolle Juwelen aus dem Staatsschatz, die man aus Wien mitgenommen hatte, in der Schweiz gestohlen (die offizielle Version) oder (wohl eher) versetzt worden waren - auch, um die Restaurationsversuche zu finanzieren. Der Umzug in die billigere Quinta kam durch Einladung ihrer Besitzer und Hilfe Adeliger zustande.

Letzte Ruhe auf Madeira

Karl wurde am 5. April 1922 im selben Ort in der Kirche Nossa Senhora do Monte bestattet, mehr als 30.000 Bewohner Madeiras waren dabei. Kirche und Quinta wurden später zu wahren Wallfahrtsorten, speziell nachdem Karl 2004 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen worden war. Die Umbettung seines in Uniform gewandeten Körpers in die Wiener Kaisergruft hatte sein Sohn Otto († 2011) auch nach Zitas Tod 1989 abgelehnt: Es wäre ein „Affront“ gegenüber den freundlichen Bürgern des schönen Madeiras gewesen, sagte er. (wg)

(wg)

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