Das unruhige Jahr des Feuerhahns

Wenn die Chinesen am Samstag den Beginn des Hahnjahres feiern, tun sie das auch mit einem mulmigen Gefühl: Die Prophezeiungen sind höchst "explosiv".

Nicht nur niedlich: Ein Jahr des Hahns könne ganz schön turbulent werden, meinen die Chinesen.
Nicht nur niedlich: Ein Jahr des Hahns könne ganz schön turbulent werden, meinen die Chinesen.
Nicht nur niedlich: Ein Jahr des Hahns könne ganz schön turbulent werden, meinen die Chinesen. – (c) APA/AFP/ISAAC LAWRENCE

Peking. Donald Trump ist derzeit in aller Munde. Auch in China. Da am Samstag nach dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Hahns beginnt, lassen es sich die meisten chinesischen Karikaturisten nicht nehmen, den neuen US-Präsidenten als Gockel darzustellen. In den sozialen Medien kursieren derzeit Hunderte Bilder davon. Mal „pickt“ er auf Mexiko herum, mal auf Immigranten.

Im Streit um das Südchinesische Meer ist Trumps Visage auf einem flatternden Hühnchen montiert, das Federn lässt. Der derzeit größte Hit vor chinesischen Einkaufszentren: ein aufblasbarer Gockel, der in seiner vollen Größe mehr als fünf Meter misst und bei leichtem Wind wild mit den Flügeln fuchtelt. Mit dem goldenen Kamm, der an Trumps Tolle erinnert, und den zusammengekniffenen Augenbrauen ist das Tier Trump wie aus dem Gesicht geschnitten.

 

Kein reguläres Hahnjahr

Wenn fast 1,5 Milliarden Chinesen in aller Welt in der Nacht auf Samstag das Jahr des Hahns einläuten, wird mit viel Raketengezisch das neue Jahr kräftig gefeiert. Zum Neujahrsfest kommt die Familie zusammen, es wird dann das Glücksspiel „Mahjong“ gespielt, viel gegessen, es werden rote Umschläge mit Geld verteilt. Es ist das wichtigste Fest der Chinesen und dauert 15 Tage. Hundertmillionen verreisen über die Feiertage, meist in ihre Heimatdörfer zu ihren Familien, zunehmend auch in alle Welt. Diese Reisewelle gilt inzwischen als die größte Völkerwanderung der Welt.

Heuer ist aber vielen Chinesen klar: Mit Trump als neuem US-Präsidenten wird 2017 keineswegs nur ein spaßiges Jahr. Nach dem traditionellen Kalender ist jedes Jahr einem von insgesamt zwölf Tieren gewidmet. Dessen Charakter ist prägend für das Jahr. Das zu Ende gehende Affenjahr etwa galt bereits – wie für einen Affen üblich – als turbulent. Doch 2017 verspricht Wahrsagern zufolge ein noch sehr viel unruhigeres Jahr zu werden. Der Hahn an sich gilt bereits als temperamentvoll, kämpferisch und ist nicht gerade kritikfähig. Für 2017 kommt jedoch hinzu, dass es kein reguläres Hahnjahr wird. Nach der chinesischen Feng-Shui-Lehre besteht die Welt zudem aus fünf Elementen: Metall, Wasser, Holz, Feuer und Erde. Das Hahnjahr 2017 ist mit dem Element des Feuers verbunden – eine Verbindung, die es nur alle 60 Jahre gibt.

Und Feuerjahre gelten als geladen, ja geradezu explosiv. „Wir gehen von einem Jahr mit politischen Spannungen aus, die Staats- und Regierungschefs zu extremen Handlungen verleiten“, sagt der in Hongkong lehrende Feng-Shui-Meister Raymond Lo. Mit Trump wird die Welt in seinem ersten Amtsjahr „eine Menge Hiebe und sogar Aufruhr“ erleben, befürchtet der ebenfalls in Hongkong praktizierende Wahrsager Thierry Chow.

Doch Feng-Shui-Meister würden nur halbe Arbeit leisten, würden sie nur schreckliche Vorhersagen machen. Wie jedes Wesen sowohl seine guten als auch seine schlechten Seiten hat, gilt das auch für das entsprechende Jahr. Politisch mögen Hahnjahre mit der Verbindung zum Feuer spannungsgeladen sein. Sie gelten aber auch als besonders innovativ. 1957 etwa schossen die Russen den Satelliten Sputnik 1 ins All – und leiteten ein Rennen ums Weltall ein.

60Jahre zuvor, im Jahr 1897, gelang es dem Bayer-Werk in Wuppertal, erstmals Aspirin herzustellen. Im selben Jahr setzt Rudolf Diesel den von ihm erfundenen Motor in Gang. Auch für die Wirtschaft könnte es im Jahr des Feuerhahns gut laufen. Feuerjahre gelten generell als Zeiten des Aufschwungs. Auch wer im Jahr des Hahns geboren ist, nimmt dem traditionellen chinesischen Aberglauben zufolge seine Charaktereigenschaften an. So neigen „Hähne“ dazu, viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen zu wollen – und sind dann oft gestresst. Hähne gelten zudem als Einzelgänger, sind misstrauisch, aufbrausend und streitlustig. Zudem sind sie spitz und picken gern auf anderen herum. Hähne sind allerdings auch stolz, selbstbewusst, zupackend und übernehmen gern die Führung.

Was Trump betrifft – im Jahr des Feuerhahns könnte er zwar für viel Unheil sorgen. Er selbst ist vom Tierkreiszeichen ein Hund. Das heißt: Vom Gemüt her ist er nicht unbedingt streitlustig. Menschen, die im Jahr des Hundes geboren sind, gelten als treu, lieb und ehrlich. 2018 folgt das Jahr des Hundes. Es gibt also Hoffnung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2017)

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