Piraten verlangen Geld für angeblichen Waffen-Frachter

Der getarnte Frachter habe Waffen nach Somalia geschmuggelt, sagte ein Pirat am Telefon. Ein Geschäftsmann widerspricht diesen Angaben. Die Piraten verlangen dennoch drei Millionen Dollar Lösegeld.

Archivbild: Somalische Piraten
Archivbild: Somalische Piraten
(c) AP (Norman J Fisher)

Somalische Piraten haben nach Angaben einer Hilfsorganisation ein Frachtschiff mit Waffen an Bord gekapert. Das unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate fahrende Schiff habe Waffen nach Somalia bringen und damit ein Embargo der Vereinten Nationen verletzen wollen, sagte Andrew Mwangura vom East African Seafarers' Assistance Programme am Montag. Dem widerspricht der somalische Geschäftsmann Abdirisaq Abdulkadir: Das Schiff hätte Nahrungsmittel, Elektronik und andere Güter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Mogadischu bringen sollen. Nichtsdestotrotz verlangen die Piraten drei Millionen Dollar Lösegeld für das Schiff und die 18 Mann Besatzung.

Es sei am Sonntag gekapert worden und befinde sich nahe der nordsomalischen Stadt Garacad. Das Schiff fahre vermutlich unter falschem Namen, sagte Mwangura: "Es ist einer der regelmäßigen Waffentransporte unter Umgehung des UNO-Embargos gegen Somalia." Einer der Piraten sagte am Telefon: "Soweit wir wissen, gehören die Waffen der somalischen Regierung." Ein anderer erklärte, ihnen sei das Schiff sehr gut bekannt, da es schon seit längerer Zeit Waffen transportiere.

Piratennest Somalia

In Somalia herrscht seit 18 Jahren ein Bürgerkrieg zwischen Clans, Volksgruppen und Kriegsfürsten. Seit einigen Jahren versuchen zudem Islamisten mit Verbindungen zu al-Qaida, in dem Chaos die Macht zu übernehmen und die schwache Regierung von Präsident Sheikh Sharif Ahmed zu stürzen.

Nach Angaben der EU-Marinekräfte im indischen Ozean haben Piraten nördlich der Seychellen außerdem einen 330 Meter langen Supertanker angegriffen und beschossen. Der Zwischenfall habe sich fast 1900 Kilometer östlich von Somalias Hauptstadt Mogadischu ereignet. Bisher hätten die Piraten noch nie so weit von der Küste entfernt angegriffen.

Die Seeräuber machten mit zwei Schnellbooten Jagd auf die "BW Lion", ein unter Hongkong-Flagge fahrendes Schiff, berichtete ein Sprecher der EU-Marine-Einsatzgruppe Atalanta. Die Piraten feuerten Granaten auf den Tanker ab, der aber nach einigen Ausweichmanövern beschleunigen und entkommen konnte. Ein auf den Seychellen stationiertes luxemburgisches Aufklärungsflugzeug nahm die Suche nach den Seeräubern auf.

(Ag.)

Kommentar zu Artikel:

Piraten verlangen Geld für angeblichen Waffen-Frachter

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen