Italien: Heftige Waldbrände setzen Urlauberregionen zu

Vor allem im Süden des Landes sind riesige Flächen Land abgebrannt. In der italienischen Hauptstadt, Rom, wird das Wasser knapp.

Rome Fountain closure of Nasoni Tourists at the Nasone fountain In the face of drought the possib
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Rome Fountain closure of Nasoni Tourists at the Nasone fountain In the face of drought the possib
Wasser wird knapp in Rom – (c) imago/Pacific Press Agency (Andrea Ronchini)

Rom. Auf ihre Nasen sind die Römer besonders stolz. An fast jeder Straßenkreuzung oder Piazza sind sie zu finden. 2800 sogenannte Nasoni nennen die Römer ihr Eigen. Aus den etwas mehr als einen Meter hohen Brunnen sprudelt seit fast 150 Jahren unaufhörlich Trinkwasser für die Hauptstädter. Die wegen ihrer Form große Nasen genannten Brunnen waren ein Geschenk des damaligen Bürgermeisters an seine Mitbürger.

In diesen Tagen bilden sich immer längere Schlangen vor den Nasoni, denn seit Anfang Juli werden täglich 30 von ihnen trockengelegt. Nur 85 sollen in diesem Sommer noch Wasser führen. Eine Maßnahme, die Bürgermeisterin Virginia Raggi ergriffen hat, um dem Wassermangel zu begegnen.

Auch in der italienischen Hauptstadt ist die anhaltende Hitze der vergangenen Wochen zu spüren. Seit Wochen herrscht in Rom bereits das Verbot, mit Leitungswasser das Auto zu waschen oder den Garten zu bewässern. Das Wasser, das die Hauptstadt aus dem nördlich gelegenen Bracciano-See bezieht, wird langsam knapp – der See hat zwei Drittel weniger Wasser als normalerweise um diese Zeit des Jahres.

 

Der Vesuv brennt

Seit Wochen ächzt Italien unter einer Hitzewelle. Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Fläche sind von Dürre bedroht. Im ganzen Land sind teils riesige Waldbrände ausgebrochen. In vier Wochen ist so viel Fläche verbrannt wie im gesamten vergangenen Jahr. Erstmals seit 2009 hat Italien Löschhilfe über die Europäische Union angefordert. Frankreich schickte daraufhin drei Löschflugzeuge.

Die Feuer wüten in ganz Mittel- und Süditalien. Auch große Flächen am Vesuv, dem Vulkan südöstlich von Neapel, stehen in Flammen. Hier ist auch das Militär vor Ort, um die Lage in den Griff zu bekommen. Dunkle Rauchschwaden umhüllen den Berg, „es ist wie ein Vulkanausbruch“, sagt ein Anwohner italienischen Medien. Schuld an den Feuern sollen hier nicht nur die Hitze und die Trockenheit sein. Anwohner äußern den Verdacht, dass dort illegale Müllhalden angezündet worden seien. Auch Umweltverbände sprechen von Brandstiftung.

 

Strafen für Brandstiftung

In der Region Kalabrien sollen zwei ältere Menschen bei dem Versuch, ein Feuer selbst zu löschen, ums Leben gekommen sein. Auf Sizilien ist die Lage am dramatischsten. Auf der ganzen Insel herrscht höchste Alarmbereitschaft. Aus dem Ferienort Calampiso östlich von Palermo wurden Touristen und Anrainer mit Booten vom Strand gerettet und in nahegelegenen Städten in Turnhallen untergebracht. Der Brand konnte derweil unter Kontrolle gebracht werden. Auch in der süditalienischen Region Basilikata wurden Campingplätze rund um den Badeort Metaponto di Bernalda geräumt.

Wer in den kommenden Tagen nach Sizilien oder in eine andere betroffene Region reisen möchte, sollte sich vor Reiseantritt über die Lage vor Ort informieren. Im Falle einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter der Ansprechpartner. Wer seine Reise individuell gebucht hat, sollte direkt mit dem Hotel Kontakt aufnehmen.

Jedes Jahr werden rund 600 Brandstifter in Italien erwischt. Obwohl es strenge Strafen gibt, landet nur eine geringe Zahl von ihnen tatsächlich hinter Gittern. „Es ist wie ein Krieg, so schlimm war es noch nie“, klagten die Koordinatoren in der Einsatzzentrale des Zivilschutzes in Rom. Das Innenministerium fürchtet, dass bis Ende 2017 ein neuer Höchststand an Bränden erreicht wird.

Obwohl die Strafen für das Vergehen Waldbrandstiftung in Italien streng sind und es mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet wird, kündigte die Regierung in Rom an, die Strafen weiter erhöhen zu wollen. „Brandstiftung ist ein schweres Verbrechen gegen die Umwelt und muss strengstens bestraft werden. Die Strafen sind bereits sehr streng, wir wollen sie noch mehr verschärfen“, betonte Vize-Justizminister Cosimo Maria Ferri. Derzeit sitzen in ganz Italien 17 Personen wegen Waldbrandstiftung hinter Gittern.

 

Rom hat Forstwache aufgelöst

Immer lauter wird die Kritik am Staat: Am 1. Jänner wurde das Staatsforstkorps aufgelöst, eine Art Forstwache, das dem Landwirtschaftsministerium in Rom untergeordnet war. 7000 Mitglieder wurden den Carabinieri unterstellt; die Zuständigkeiten im Kampf gegen Waldbrände von der Feuerwehr übernommen. Die Auflösung des Forstkorps bezeichnen jetzt aber viele in Rom als Fehler. (als, ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2017)

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