"Suffering in Silence": Die zehn vergessenen Konflikte der Welt

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Während es ein Tweet von US-Präsident Donald Trump binnen Minuten in internationale Schlagzeilen schafft, über Krisen in Bürgerkriegsländern wie in Syrien und im Jemen berichtet wird, bleiben viele Krisen der Welt für die internationale Öffentlichkeit im Dunkeln. Diese Regionen sind für Touristen uninteressant, werden als irrelevant für die globale Sicherheit erachtet oder sind zu schwer zu erreichen. Dass ihnen keine Medienberichterstattung zu Teil wird, hänge vor allem mit schrumpfenden Geldmitteln für die humanitären Krisen zusammen, argumentiert die Hilfsorganisation Care. Ein Überblick über die - von Care aufgrund der Medienrezeption ausgewählten - zehn vergessenen Konflikte 2017.

(maka)

REUTERS/Ahmed Jadallah
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Nordkorea

Es ist ein Paradox: Obwohl alle Welt über die Nuklearambitionen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un - und die damit zusammenhängenden politischen Spannungen - Bescheid weiß, ist wenig über die humanitäre Situation in Nordkorea bekannt. Die UN schätzt, dass die Lebensmittelversorgung für 18 Millionen Menschen (70 Prozent der Bevölkerung) in dem stalinistischen Regime nicht gesichert ist. Zwei von fünf Nordkoreanern sind unterernährt. Die Folgen des Klimawandels und Umweltkatastrophen wie Dürren, steigende Temperaturen und Überschwemmungen verschlimmern die Lage.

REUTERS/Damir Sagolj/File Photo
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Eritrea

Wenn Eritrea es in die Nachrichten schafft, dann meist wegen seiner Bürger, die bei der Flucht über das Mittelmeer ertrinken. 400.000 Eritreer haben ihr Land im vergangenen Jahrzehnt - nicht zuletzt wegen der im Land wütenden politischen Konflikte - verlassen. Sie stellen eine der größten Flüchtlingsgruppen, die ihr Glück in Europa suchen. 700.000 Menschen in dem Land, dessen Bevölkerung zu 80 Prozent von der Landwirtschaft lebt, leiden an Dürre, Wasser- und Lebensmittelknappheit. Die Mangelernährung hat schwerwiegende Folgen für Säuglinge und Kinder: Die Hälfte der Kinder in Eritrea sind verkümmert und kann ihr volles geistiges und physisches Potenzial nicht erreichen.

(c) REUTERS (Tiksa Negeri)
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Burundi

Drei Jahre schon dauert die Krise in Burundi an. In dem ostafrikanischen Binnenstaat war 2015 eine Krise ausgebrochen, als sich Präsident Pierre Nkurunziza entgegen den Bestimmungen der Verfassung eine dritte Amtszeit sicherte. Burundi ist der erste Staat, der aus dem Internationalen Strafgerichtshof austrat. Seit April 2015 seien mindestens 1200 Menschen mutmaßlich getötet worden, schätzt das Gericht in Den Haag, weitere Tausende gefoltert oder entführt worden. Hinzu kommen mangelnde Lebensmittelversorgung und Hygiene. 2017 trieb eine Malaria-Epidemie mit 2875 Toten ihr Unwesen. 2,6 Millionen Menschen, knapp ein Drittel der Bevölkerung, wissen nicht, wie sie ihre Familie versorgen sollen.

(c) REUTERS (Goran Tomasevic)
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Sudan

Nach 13 Jahren Krieg, Trockenheit, Flutkatastrophen und Hunger leben in dem nordostafrikanischen Staat fünf Millionen Menschen am Existenzminimum. Ende 2017 waren mehr als zwei Millionen Kinder von Hunger betroffen. Zudem beherbergt der bitterarme Staat fast eine halbe Million Flüchtlinge aus dem Südsudan. Im Vergleich zu ihrem Heimatland ist der Nachbarstaat ein sicherer Hafen. Doch viele Menschen im Sudan sehen sich aufgrund der humanitären Lage selbst zur Flucht gezwungen: 2,3 Millionen Sudanesen sind innerhalb der Landesgrenzen geflüchtet.

APA/AFP/SIMONA FOLTYN
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Demokratische Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht seit 20 Jahren Krieg und praktisch ebenso lang eine humanitäre Krise. Viele junge Menschen kennen nichts anderes als ein Leben in Aufruhr. Ein Aufflammen der Gewalt zwang in dem zentralafrikanischen Riesenstaat im Jahr 2017 mehr als 1,7 Millionen Menschen zur Flucht. Statistisch gesehen waren das über 5500 Menschen pro Tag. An die zwei Millionen Kinder sind akut unterernährt. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, hat sich im vergangenen Jahr auf acht Millionen verdoppelt und wird vermutlich weiter steigen. Care spricht von einem "stillen humanitären Tsunami". Besonders von der Gewalt betroffen sind Frauen und Mädchen.

APA/AFP/JOHN WESSELS
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Mali

Seit der Eskalation bewaffneter Konflikte im Norden des westafrikanischen Landes sind zwar fünf Jahre vergangen. Tausende Menschen haben aber 2017 vor neuerlichen Zusammenstößen flüchten müssen. Die UNO befürchtet, dass heuer bis zu vier Millionen Menschen - fast ein Viertel der Bevölkerung - von Nahrungsmittelmangel betroffen sein werden. Hinzu kommt, dass viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit haben.

APA/AFP/MICHELE CATTANI
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Vietnam

Vietnam ist eines der Länder im asiatisch-pazifischen Raum, das Naturkatastrophen wie Taifunen, Fluten und Stürmen am meisten ausgesetzt ist. Der Taifun "Doksuri" hat in dem ostasiatischen Staat vergangenes Jahr schwerste Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft angerichtet. 14 Menschen starben.

APA/AFP/ANTHONY WALLACE
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Tschadbecken

Acht Jahre schon terrorisiert die islamistische Terrormiliz Boko Haram die Anrainer des Tschadbeckens: Elf Millionen Menschen in Kamerun, im Tschad, im Niger und in Nigeria sind von der Gewalt der Islamisten betroffen. Die Zahl der Vertriebenen hat sich binnen zweier Jahre auf 2,4 Millionen verdreifacht. Der Nahrungsmittelmangel hat ein kritisches Ausmaß erreicht. Zwar haben die kriegerischen Gräuel 2017 abgenommen, aber die Ursachen für den Konflikt - Armut, Klimawandel, Bevölkerungswachstum und mangelnde soziale Absicherung - bestehen weiter. Frauen und Mädchen sind Missbrauch ausgesetzt, Buben werden als Kindersoldaten in Milizen gezwungen.

(c) Sebastian Wells (Sebastian Wells)
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Zentralafrikanische Republik

2013 war die Zentralafrikanische Republik in einen Bürgerkrieg zwischen christlichen und muslimischen Milizen gerutscht - 2017 haben sich die bewaffneten Konflikte wieder verschärft: 70 Prozent des Landes werden von bewaffneten Gruppierungen kontrolliert. Mit Stand September waren 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht - so viele wie nie zuvor. 2,5 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes benötigt dringend Nahrungsmittelhilfe. Besonders Kinder leiden an den Kämpfen: 40 Prozent der Unter-Fünf-Jährigen ist mangelernährt. Das ist eine der höchsten Raten der Welt.

APA/AFP/CHARLES BOUESSEL
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Peru

Peru war im vergangenen März von den schlimmsten Überflutungen in zwei Jahrzehnten betroffen. Die Überschwemmungen in den Küstenregionen im Norden des südamerikanischen Landes, von denen auch die Hauptstadt Lima betroffen war, haben mehr als 150 Menschen das Leben gekostet und Schäden in der Höhe von drei Milliarden US-Dollar verursacht. 210.000 Wohnungen und Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt, 260 Brücken wurden von den Fluten mitgerissen und 3000 Kilometer Straßen zerstört.

>>> Zum Care-Bericht "Suffering in Silence".

(c) REUTERS (Guadalupe Pardo)