Syrien: Erdogan droht USA mit "osmanischer Ohrfeige"

Der türkische Präsident heizt die Stimmung vor dem Besuch von US-Außenminister an. Möglicherweise entsteht eine Allianz zwischen Assad und der syrisch-kurdischen YPG.

Erdogan verteidigte erneut den türkischen Einmarsch in Syrien
Erdogan verteidigte erneut den türkischen Einmarsch in Syrien
Erdogan verteidigte erneut den türkischen Einmarsch in Syrien – APA/AFP/ADEM ALTAN

Vor dem Besuch von US-Außenminister Rex Tillerson in der Türkei verschärfen sich die Spannungen zwischen Ankara und Washington. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die US-Truppen in Manbij davor, einem möglichen türkischen Angriff auf die Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Stadt im Wege zu stehen.

In einer Ansprache am Dienstag vor der Fraktion seiner Partei AKP in Ankara drohte er den amerikanischen Soldaten für diesen Fall mit einer "osmanischen Ohrfeige". Tillerson wird am Donnerstag in Ankara erwartet.

"Natürlich werden wir nicht absichtlich auf sie zielen", sagte Erdogan unter Applaus. "Aber wir verkünden jetzt schon, dass wir jeden Terroristen, den wir sehen, vernichten und ausmerzen werden - angefangen mit denen, die direkt neben ihnen stehen. Eben dann werden sie einsehen, dass es für sie besser wäre, wenn sie sich nicht neben den Terroristen aufhielten, denen sie auf die Schulter klopfen."

Erdogan fügte hinzu: "Es ist ganz klar, dass diejenigen, die sagen "Wir reagieren hart, wenn sie uns angreifen", in ihrem Leben noch keine osmanische Ohrfeige verpasst bekommen haben."

Kurden bitten Assad um Hilfe

Die türkische Armee hat am 20. Jänner eine Offensive gegen die YPG in der nordsyrischen Region Afrin begonnen. Erdogan hat mehrfach damit gedroht, danach die YPG in Manbij anzugreifen. 2016 hatte eine von der YPG geführte und von den USA unterstützte Koalition Manbij von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befreit.

Erdogan kritisiert, dass die USA die YPG unterstützen und im Kampf gegen den IS eng mit der Kurdenmiliz zusammenarbeiten. Die Türkei stuft die YPG als Terrororganisation ein. Die Kurdenmiliz unterhält enge Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die auch in den USA auf der Liste der Terrororganisationen steht.

Doch nun bahnt sich eine heikle Allianz zwischen Syriens Machthaber Bashar al-Assad und der YPG an. Die Kurdenmiliz deutete am Dienstag an, auch die Unterstützung der syrischen Regierungstruppen im Kampf gegen den türkischen Einfluss in der Region in Kauf zu nehmen. "Wir haben kein Problem mit dem Eintritt der syrischen Armee zur Verteidigung von Afrin und seiner Grenze gegen die türkische Besatzung", sagte YPG-Kommandant, Sipan Hamo, am Montag bei einer Pressekonferenz.

Die YPG hatte bereits Ende Jänner Damaskus gebeten, Truppen an die Grenze zwischen Afrin und der Türkei zu entsenden, um den Vormarsch der türkischen Armee zu stoppen. Die Regierung von Syriens Machthaber Bashar al-Assad hat bisher nicht darauf reagiert. Denn die Kurden lehnen die Bedingung der syrischen Regierung ab, wieder Truppen in der gesamten Region zu stationieren und auch die Kontrolle über die dortigen Behörden wieder zu übernehmen.

Tillerson mahnt zu Hilfe für ehemalige IS-Gebiete

Tillerson rief am Dienstag dazu auf, den Kampf gegen den IS bis zur endgültigen Niederlage der Extremisten fortzusetzen. Die Terrormiliz stelle auch nach dem Ende der großen Militäreinsätze für den Nahen Osten und andere Länder eine Gefahr dar, sagte der US-Außenminister.

Es sei jetzt wichtig, zerstörte Gebiete in Syrien und im Irak wiederaufzubauen, erklärte Tillerson. Andernfalls riskiere die internationale Koalition, dass der IS zurückkehre. Der US-Außenminister kündigte an, sein Land werde weitere 200 Millionen US-Dollar geben, um befreite Gebiete in Syrien zu unterstützen.

(APA/dpa)

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