Thailand: Mann erhält Obsorge für 13 Kinder

Ein Japaner hatte in Thailand Leihmütter engagiert, um sich den Traum einer großen Familie zu erfüllen. Nun wurde ihm das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen.

Mitsutoki Shigeta, mehrfacher Millionär und Sohn eines reichen japanischen Geschäftsmanns, hatte den Frauen umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro gezahlt.
Mitsutoki Shigeta, mehrfacher Millionär und Sohn eines reichen japanischen Geschäftsmanns, hatte den Frauen umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro gezahlt.
Mitsutoki Shigeta, mehrfacher Millionär und Sohn eines reichen japanischen Geschäftsmanns, hatte den Frauen umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro gezahlt. – (c) APA/AFP/LILLIAN SUWANRUMPHA

Bangkok/Tokyo. Ein bizarrer Sorgerechtsstreit hat die Behörden in Thailand beschäftigt: Ein Familiengericht in Bangkok hat einem 28 Jahre alten Japaner die alleinige Obsorge für 13 Kinder zugesprochen. Die Mädchen und Buben, heute im Alter von zwei bis vier Jahren, waren von verschiedenen Leihmüttern in Thailand ausgetragen worden.

Mitsutoki Shigeta, mehrfacher Millionär und Sohn eines reichen japanischen Geschäftsmanns, hatte den Frauen umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro gezahlt. Das Familiengericht entschied zugunsten des Mannes, nachdem Erbgutanalysen in allen Fällen ergeben hatten, dass er tatsächlich der Vater ist.

Im Jahr 2014 hatte Mitsutoki Shigeta einen riesigen Skandal in Thailand ausgelöst, der 2015 zu einem weitgehenden Verbot der Leihmutterschaft im südostasiatischen Land geführt hatte: Die Polizei entdeckte damals im Bangkoker Luxusapartment des Japaners neun Babys und Kleinkinder im Alter von zwei Wochen bis zwei Jahren, die rund um die Uhr von mehreren Kindermädchen betreut wurden. Shigeta stand unter Verdacht des Menschenhandels, die Polizei ermittelte. In thailändischen Medien war damals von der „Babyfabrik“ des Japaners die Rede. Der Mann durfte schließlich ausreisen und beantragte das alleinige Sorgerecht für die Kinder. Seine Kinder besuchte er regelmäßig in den Heimen, in denen sie nach der Geburt aufgrund einer Anordnung der thailändischen Behörden untergebracht worden waren.

 

„Glück und Chancen“ für die Kinder

Die jüngste Entscheidung begründete das Jugendgericht in einem Statement damit, dass sich der Mann um die Kinder kümmere, keine Vorstrafen habe und als biologischer Vater seinen Kinder „Glück und Chancen“ bieten wolle. Zudem gebe es Verträge mit den Leihmüttern, in denen sie ihre Ansprüche auf die Babys dem Vater übertragen. Für den Vorwurf des Menschenhandels gebe es keine Hinweise, so das Gericht. Die Kinder können nun die staatlichen Einrichtungen verlassen, Shigeta möchte sie vorerst noch in der gewohnten Umgebung in Thailand lassen, bevor er sie zu sich nach Japan holt.

Laut seinem Anwalt, der den 28-Jährigen in Thailand vertrat, wollte der Mann, der selbst in eine große Familie geboren wurde, immer viele Kinder. Er hat nun insgesamt das Sorgerecht für 16 Kinder: In drei anderen Fällen hatte die Justiz bereits 2015 zu seinen Gunsten entschieden, heißt es in japanischen Medien.

Der Fall sorgt für scharfe Kontroversen in den jeweiligen Ländern. Vor allem in sozialen Medien werden alle Facetten des doch sehr ungewöhnlichen Falls diskutiert: Immerhin sei der Mann erst 28 Jahre alt. Er hätte noch ausreichend Zeit, um auf natürlichem Weg Vater zu werden. Warum zeuge er bzw. lasse er so viele Kinder zur gleichen Zeit austragen. Und: Nur weil er über ausreichende finanzielle Mittel zur Versorgung der Kinder verfüge, heiße das noch lange nicht, dass der Mann auch ein guter Vater sei. Antworten auf diese Fragen kann nur Shigeta selbst liefern, der aber kein Interesse an noch größerer Publicity hat.

 

Leihmütter aus Laos

Das Geschäft mit der Leihmutterschaft hatte in Thailand jahrelang geboomt: Agenturen hatten eine rechtliche Grauzone ausgenutzt und ausländischen Paaren eine thailändische Leihmutter vermittelt. Vor drei Jahren verschärfte die Militärregierung die entsprechenden Gesetze, wenngleich Leihmutterschaft nicht generell untersagt wurde. Die Vermittlungsagenturen verlagerten ihre Geschäfte daraufhin ins benachbarte Kambodscha, bis die dortige Regierung 2016 ein völliges Verbot erließ. Nun ist das bitterarme Laos in den Fokus gerückt: Laut Experten wird der Eingriff meist in Laos vorgenommen. Die Zeit ihrer Schwangerschaft verbringen die Leihmütter in Thailand, wo die medizinische Versorgung besser ist. (red.)

HINTERGRUND

In Europa ist die Leihmutterschaft in den meisten Ländern verboten. In Staaten wie Großbritannien, den USA, Südafrika, der Ukraine, Georgien und Russland, in denen das Verfahren erlaubt ist, entstand ein regelrechtes Geschäft mit den Ersatzmüttern. Auch in Südostasien boomte das Business jahrelang: Thailand verschärfte 2014 die entsprechenden Gesetze. Kambodscha führte 2016 ein generelles Verbot ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2018)

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