Essener Tafel will keine zusätzlichen Ausländer versorgen

Nach Kritik von Kanzlerin Merkel und anderen Tafel-Vereinen, bekommt der Essener Tafel-Chef aber auch Unterstützung aus der Politik für seine Entscheidung.

Die Essener Tafel ist herber Kritik und Vandalismus ausgesetzt.
Die Essener Tafel ist herber Kritik und Vandalismus ausgesetzt.
Die Essener Tafel ist herber Kritik und Vandalismus ausgesetzt. – APA/AFP/PATRIK STOLLARZ

Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt die Entscheidung der Essener Tafel verteidigt, kein Essen mehr an zusätzliche Ausländer auszugeben. Der Leiter der Essener Tafel vertrete eine Position, "die mir nachvollziehbar ist", sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Er habe mit ihm telefoniert und sich über die Lage informiert. "Die ganze Diskussion zeigt, dass die Integrationsfähigkeit schlicht eine Grenze hat." Andere, auch ältere Bedürftige würden sich von der Tafel zurückziehen. Sozialsysteme oder der Wohnungsmarkt dürften nicht wegen der Vielzahl an Flüchtlingen an Grenzen stoßen. Es gebe ähnliche Probleme in anderen Regionen, habe eine Debatte in der CSU-Landesgruppe im Bundestag am Montagabend ergeben, sagte Dobrindt.

Auch CDU-Politiker Werner Bosbach zeigte Verständnis für die Entscheidung der Essener Tafel. Er plädierte in einem Interview mit der "Welt" für mehr Verständnis für die schwierige Arbeit der ehrenamtlichen Mitstreiter.

Am Dienstag tagt der Vorstand der Essener Tafel in einer Krisensitzung. Auch Chef Jörg Sartor steht zur Diskussion. Nach Nazi-Schmierereien aur Türen und Fahrzeuge des Vereins hatte er gedroht, seine Funktion abzugeben. Kritik gab es auch vom Bundesverband der Tafeln. "Den Essener Weg können wir so nicht nachvollziehen", hatte der Vorsitzende des Dachverbands, Jochen Brühl, gesagt. "Für Tafeln zählt die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft".

"Politik mehrfach darauf hingewiesen"

Der Chef des Landesverbands der Tafeln, Wolfgang Weilerswist, versteht die Sorgen der Essener Kollegen. Er wisse genau, dass Sartor die Politik in Essen „mehrfach darauf hingewiesen hat, dass es an allen Ecken und Kanten fehlt. Und es brennt.“ Das Essener Rathaus war laut eines Dezernenten seit Januar informiert.

Tafeln sind von Bürgern organisierte Hilfsangebote in vielen Städten, die Bedürftige mit Essen versorgen. Die Essener Tafel hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil sie (schon vor Weihnachten) einen Aufnahme-Stopp für ausländische Besucher beschlossen hatte.

Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Montag kritisch geäußert. "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut", sagte die CDU-Chefin am Montag im RTL-Interview. "Aber es zeigt auch den Druck, den es gibt", hatte sie hinzugefügt. "Deshalb hoffe ich, dass man da auch gute Lösungen findet."

(Reuters/red.)

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