Päpstliche Schweizergarde wird aufgestockt und bekommt Helme aus 3-Drucker

Die Truppenstärke der Schweizergarde wird auf 135 erhöht. Außerdem erhalten die Männer neuartige Helme im 3D-Druck-Verfahren.

NO FRANCE NO SWITZERLAND May 04 2018 Christoph Graf Commander of the Pontifical Swiss Guards
NO FRANCE NO SWITZERLAND May 04 2018 Christoph Graf Commander of the Pontifical Swiss Guards
So schauen die neuen Helme aus – imago/Independent Photo Agency I

Die Truppenstärke der päpstlichen Schweizergarde im Vatikan wird von 110 auf 135 erhöht. Gardekommandant Christoph Graf begründete die Aufstockung mit einem gestiegenen Einsatzbedarf. Die zusätzlichen Stellen zu besetzen, werde aber einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte er bei einer Pressekonferenz zur Vereidigung neuer Gardisten, wie Kathpress am Samstag meldete. An diesem Sonntag legen 32 Rekruten ihren feierlichen Schwur ab. Die 1506 gegründete Schweizergarde ist für Wach- und Ehrendienste im Vatikan, aber auch für den Personenschutz des Papstes zuständig.

Der Sprecher der Schweizergarde, Urs Breitenmoser, erklärte auf Nachfrage, man habe eine personelle Verstärkung bereits seit einigen Jahren angestrebt. Er verwies auf gewachsene Aufgaben im Innen- und Außendienst, aber auch gestiegene Sicherheitsanforderungen. Unter anderem gebe es seit eineinhalb Jahren eine rund um die Uhr besetzte Einsatzzentrale und eine erweiterte Kooperation mit der Gendarmerie, dem vatikanischen Polizeikorps, sagte Breitenmoser der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zuletzt wurde die Truppenstärke im Jahr 2000 von 100 auf 110 Mann heraufgesetzt.

Die gestiegenen Anforderungen an die Schweizergarde hängen nach Darstellung Breitenmosers auch mit Veränderungen unter Papst Franziskus zusammen. Dazu gehöre der Wachdienst in der neuen Papstresidenz Santa Marta. Auch habe Franziskus eine stärkere Beteiligung der Schweizer bei Auslandsreisen gewünscht.

Helme im 3D-Druckverfahren

Und noch eine Nachricht aus dem Vatikan: Die Schweizergarde erhält neuartige Helme im 3D-Druck-Verfahren. Grundlage ist ein dreidimensionaler Scan des traditionellen frühbarocken Modells aus dem 16. Jahrhundert, wie Kathpress am Samstag meldete.

Anhand der Daten baut ein Spezialdrucker die Helmschale in einem Stück aus schlagzähem und witterungsbeständigem Kunststoff auf. Schutz vor Schussverletzungen bietet der neue Helm ebenso wenig wie sein Vorgänger aus Stahlblech, wie Gardekommandant Graf bei der Vorstellung am Freitag im Vatikan betonte. Allerdings werden die Helme auch nur bei Wach- und Ehrendiensten als Teil der historischen Uniform getragen.

Gefertigt werden die Helme durch eine Stanser Firma für additive Fertigungstechnik. Gegenüber einem geschmiedeten Stück verkürzt sich die Herstellungsdauer von rund 100 auf 14 Stunden. Die Kosten für ein gedrucktes Exemplar liegen nach Gardeangaben bei 800 bis 900 Euro. Finanziert wurde eine erste Serie von 40 Helmen von privaten Sponsoren, hauptsächlich Einzelpersonen. Spenden für rund weitere 60 Stück sollen eingeworben werden.

Die Initiative zur Fertigung des traditionellen Helms mit innovativer Technik ging von dem Stanser Bauingenieur Peter Portmann aus. Er verwies bei der Präsentation des ersten Kunststoffexemplars auch auf den höheren Tragekomfort durch die Gewichteinsparung und bessere Hitzeeigenschaften. Bei den schwarzlackierten Metallhelmen hatten Gardisten an sonnenintensiven Tagen teils über Brandwunden geklagt. Das Kunststoffmodell absorbiert nicht nur weniger Hitze; in die Helmschale sind auch Belüftungskanäle integriert, die die Stauwärme in den Kamm des Helms ableiten.

"Wir müssen mit der Zeit gehen"

Als Traditionsbruch wertete Kommandant Graf die neue Technik nicht. "Wir müssen mit der Zeit gehen", sagte er. Allerdings machte er deutlich, dass die Innovation sich durch einen konkreten Nutzen rechtfertigen müsse. "Eine Hellebarde würden wir nicht aus Kunststoff machen", so Graf. Eine technische Aufrüstung anderer Uniformteile, etwa der Einsatz atmungsaktiver und wasserdichter Stoffe für die Bekleidung, sei auch eine Kostenfrage.

Der sogenannte weiße Helm der Schweizergarde, der zusammen mit dem Brustpanzer hohen Anlässen vorbehalten ist, wird weiterhin von Grund auf aus Eisenblech gearbeitet. Erst vergangene Woche lieferte ein österreichischer Schmiedebetrieb vier solche Gala-Helme in den Vatikan; der Preis pro Stück beträgt laut Garde rund 5.000 Euro.

 

(APA)

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