Ein Franzose durchschwimmt den Pazifik

Benoît Lecomte (51) startete nahe Tokio und will in sechs bis acht Monaten nach gut 8800 Kilometern in San Franciso sein. Ihm geht es auch ums Thema Plastikmüll im Meer.

Benoît Lecomte
Benoît Lecomte
Benoît Lecomte – APA/AFP/MARTIN BUREAU

Paris/Tokio/San Francisco. Der Pazifik ist mit seinen Nebenmeeren, etwa dem Beringmeer im kalten Norden und dem Korallenmeer vor dem warmen Nordosten Australiens, die größte Wasserfläche der Welt – eingebettet zwischen Amerika, nördlich der Antarktis, Australien, der Inselwelt von Ozeanien und Südostasien, sowie von Ostasien und Sibirien.

Mittelmeer und Atlantik haben Extremsportler schon durchschwommen. Nun versucht sich ein gebürtiger Franzose am „Mar Pacifico“, dem „friedlichen Meer“, wie es der für Spanien arbeitende portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan 1520 nach der Fahrt durch die Magellanstraße im südlichen Südamerika angesichts einer unüblich langen Flaute irrig genannt hatte. Benoît Lecomte (51), der aus dem Raum Paris stammt und seit langem in den USA lebt, ist vor Tagen nahe Tokio zu einem laut seinen Angaben rund 8800 Kilometer langen Schwimmabenteuer nach San Francisco, Kalifornien, aufgebrochen (in exakt direkt gemessener Linie sind es indes etwa 8200 km). Mit der Aktion will er auch auf die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll aufmerksam machen.

 

Täglich acht Stunden

„Das ist sehr bewegend für viele Leute hier“, sagte Lecomte, bevor er sich in die kühle Flut stürzte. Am Strand der Ortschaft Chōshi, rund zwei Autostunden östlich von Tokio, hatten sich rund 70 Freunde, Angehörige und Behördenvertreter versammelt, um den Abenteurer zu verabschieden. Sein Sohn (11) und seine Tochter (17) schwammen die ersten hundert Meter mit hinaus aufs Meer, kehrten dann aber zum Strand zurück.

Lecomte will täglich acht Stunden schwimmen und wird vom 20 Meter langen Segelschiff „Discoverer“, Wissenschaftlern und Helfern begleitet, darunter zwei Ärzte. Das Schiff hat 2,8 Tonnen Lebensmittel und ein Schlauchboot geladen. Zwischen den Schwimmphasen isst und ruht der Abenteurer auf dem Schiff, das derweil an Ort und Stelle bleibt, sodass am nächsten Morgen die Schwimmphase wieder nahtlos ansetzen kann.

 

Mit Quallen, Haien und Müll

In sechs bis acht Monaten will Lecomte San Franciso erreichen. Das ist zwar nicht die längste Strecke, über die sich das Riesenmeer spannt (bis zur legendären chilenischen Hafenstadt Valparaíso etwa könnte Lecomte rund 17.000 km schwimmen, es gäbe auch noch größere Distanzen), aber egal. Jedenfalls wird der Mann Unwettern, Riesenwellen, Quallen und Haien trotzen müssen – er trägt zur Sicherheit ein Gerät, das ein starkes Magnetfeld erzeugt, um Haie zu verwirren und abzuschrecken.

Am härtesten sei es aber, jeden Morgen zurück ins kalte Wasser zu springen, so Lecomte. Und nach vier bis sechs Stunden im Wasser gebe es meist einen toten Punkt.

Lecomte hatte 1998 als erster Mensch ohne Schwimmhilfe den Atlantik von der Bretagne nach Massachusetts durchschwommen, in 73 Tagen, allerdings mit einer Woche Pause auf den Azoren. Das virulente Problem von (Plastik)Abfall im Meer will er jetzt bekannter machen. Dabei wird er zwischen Hawaii und Kalifornien die sogenannte „Müllinsel“ bzw. den „Plastikkontinent“ queren, wo sich riesige Mengen Müll auf einer Fläche angesammelt haben, die drei Mal so groß ist wie Frankreich. Zudem wird man im Meer treibende Plastikobjekte mit Sendern versehen, damit die Wege des Mülls besser studiert werden können. (ag./wg)

Web: http://thelongestswim.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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