Giftfund: Tunesier plante "sehr wahrscheinlich" Terroranschlag in Köln

Der deutschen Verfassungsschutzpräsident geht davon aus, dass der mit hochgiftigem Rizin gefasste Tunesier einen Gift-Terroranschlag in der deutschen Stadt geplant hatte.

Sonderpolizei und Giftexperten durchsuchten die Wohnung des Tunesiers im nördlichen Kölner Bezirk Chorweiler
Sonderpolizei und Giftexperten durchsuchten die Wohnung des Tunesiers im nördlichen Kölner Bezirk Chorweiler
Sonderpolizei und Giftexperten durchsuchten die Wohnung des Tunesiers im nördlichen Kölner Bezirk Chorweiler – (c) imago/Eibner (Benjamin Horn/ Eibner-Pressefoto)

Der in Köln mit hochgiftigem Rizin gefasste Tunesier hat nach Einschätzung des deutschen Verfassungsschutzpräsidenten "sehr wahrscheinlich" einen Gift-Terroranschlag geplant.

Die Auswertungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, "allerdings ist es in der Gesamtschau der bislang vorliegenden Hinweise sehr wahrscheinlich, dass hier ein terroristischer Anschlag vereitelt werden konnte", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen der "Rheinischen Post" (Freitag).

Nach Informationen der Zeitung hätte die gefundene Menge zur Herstellung von hochgiftigem Rizin für 250 bis 1.000 toxische Dosen, je nach Ausbringungsmethode auch für mehr gereicht.

Keine Mittäter bekannt

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul hatte am Donnerstag schon gesagt: "Das Gefahrenpotenzial, was von ihm ausging, war schon relativ hoch." Nach Ansicht des Düsseldorfer Toxikologen Gerhard Fritz ist die geringste Dosis Rizin schon tödlich. "Es gibt kaum etwas, was gefährlicher wäre."

Der 29-Jährige soll bereits seit mehreren Wochen biologische Waffen in seiner Wohnung hergestellt haben und bei der Produktion seines tödlichen Gifts weit fortgeschritten sein. Das Material zur Herstellung des hochgiftigen Rizin hatte der Tunesier sich nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Internet gekauft und seit Anfang Juni zusammengemischt. Es bestehe deswegen dringender Tatverdacht, hatte die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe mitgeteilt. Mittäter soll der Mann nach bisherigen Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nicht gehabt haben.

1000 Rizinus-Samen im Internet bestellt

Der 29-jährige Tunesier hatte den Verdacht der Sicherheitsbehörden geweckt, weil er auffällig im Internet eingekauft hatte. Unter anderem hatte Sief Allah H. bei einem Online-Versandhändler 1.000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft. "Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her", teilte die Bundesanwaltschaft mit. "Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden."

Der Bundesgerichtshof hatte bereits am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-Jährigen erlassen. Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert und am Dienstagabend festgenommen wurde. Spezialkräfte stürmten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus.

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