Chemnitzer Polizei warnt: Dritter Verdächtiger vielleicht bewaffnet

Die Polizei hat mehrere Hinweise auf einen weiteren mutmaßlichen Täter, es könnte sich um einen 22-jährigen irakischen Asylwerber handeln. Angela Merkel kündigt einen Besuch in Chemnitz an.

Die Polizei bewacht während des #wirsindmehr-Konzerts den Gedenkort, an dem ein Mann vor mehr als einer Woche in Chemnitz erstochen wurde.
Die Polizei bewacht während des #wirsindmehr-Konzerts den Gedenkort, an dem ein Mann vor mehr als einer Woche in Chemnitz erstochen wurde.
Die Polizei bewacht während des #wirsindmehr-Konzerts den Gedenkort, an dem ein Mann vor mehr als einer Woche in Chemnitz erstochen wurde. – APA/dpa/Sebastian Willnow

Mehr als eine Woche nach der Tötung eines 35-jährigen Mannes in Chemnitz wird nach einem dritten Tatverdächtigen gefahndet. Das Amtsgericht Chemnitz erließ am Dienstag Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Mittäter und beschloss eine Öffentlichkeitsfahndung, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Gesucht werde nach einem mutmaßlich 22-jährigen irakischen Asylbewerber. Die Polizei hat außerdem zur Vorsicht aufgerufen. Der Mann könnte bewaffnet sein. Er hat der Polizei zufolge sein gewohntes Umfeld verlassen.

"Das Amtsgericht Chemnitz hat heute Vormittag diesen Haftbefehl erlassen", sagte der sächsische Generalstaatsanwalt Hans Strobl am Dienstag im sächsischen Landtag. Schon seit rund einer Woche sitzen ein 22- und ein 23-Jähriger wegen der Tat in Untersuchungshaft. Bisher hatten die Behörden die Männer als Iraker und Syrer bezeichnet. Das ist nun aber nicht mit Sicherheit geklärt.

Sie sind wie der dritte Mann dringend verdächtig, am vorvergangenen Wochenende einen 35-jährigen Deutschen am Rande des Stadtfestes erstochen zu haben. Alle drei stehen wegen gemeinschaftlichen Totschlags unter Verdacht.

Ausweise stellten sich als "Totalfälschung" heraus

Das deutsche Innenministerium teilte am Dienstag mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 "im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt" worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. "im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens" zu verifizieren, hieß es.

Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als "Totalfälschungen" entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt, die Ablehnung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Die Hinweise auf den nun Gesuchten hätten sich durch Aussagen von Zeugen und eines der anderen Tatverdächtigen ergeben. Zunächst habe der Name des dritten Tatverdächtigen überprüft werden müssen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch hätten die Ermittler versucht, den Aufenthaltsort des Mannes abzuklären, hätten ihn aber nicht ausfindig machen können. Deshalb werde nun nach ihm öffentlich gefahndet. Wo der Mann zuletzt gemeldet war, sagte die Sprecherin nicht.

Nach der Tat war es in Chemnitz wiederholt zu Demonstrationen auch rechter Gruppierungen gekommen. Dabei dürfte es auch zu Angriffen auf Ausländer gekommen sein. Am Montagabend fand ein Konzert in Chemnitz unter dem Motto "#wirsindmehr" statt, bei denen über 60.000 Menschen gegen die Gewal ein Zeichen setzen wollten.

#wirsindmehr: Singen und Rappen gegen Nazis in Chemnitz

Kanzlerin kommt doch nach Chemnitz

Und auch hohen Besuch aus Berlin wird es geben. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe dies in einem Telefonat mit der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) angeboten, teilte die Pressestelle der Stadt am Dienstag mit. Ludwig nehme "das Angebot gern an" und habe Merkel auch eingeladen. Einen Termin gebe es noch nicht. Ursprünglich hatte es geheißen, es werde keine weiteren Besuche von Regierungsmitgliedern in Chemnitz geben.

 

(APA/dpa/AFP)

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