Flop für Star aus „Sex and the City“

Bei den Vorwahlen der Demokraten für das Gouverneursamt erlitt Polit-Newcomerin Cynthia Nixon alias Miranda eine schwere Niederlage gegen den Amtsinhaber, Andrew Cuomo.

Cynthia Nixon zeigte sich nach schmutzigem Wahlkampf dennoch inspiriert.
Cynthia Nixon zeigte sich nach schmutzigem Wahlkampf dennoch inspiriert.
Cynthia Nixon zeigte sich nach schmutzigem Wahlkampf dennoch inspiriert. – APA/AFP/GETTY IMAGES/SPENCER PLA

Wien/New York. Die ganz große Sensation bei den Vorwahlen der Demokraten in New York ist ausgeblieben. Hollywood-Star Cynthia Nixon, die große Außenseiterin, wird nicht von der New Yorker Upper West Side in den Amtssitz des Gouverneurs in Albany, der Hauptstadt des „Empire State“, ziehen. Stattdessen wird wohl Andrew Cuomo weiter im Amt bleiben und somit in eine dritte Amtszeit gehen – wie sein Vater, Mario Cuomo. Im November muss der 60-Jährige in dem Bundesstaat, einer Hochburg der Demokraten, noch den republikanischen Kandidaten, Marcus Molinaro, aus dem Feld schlagen – wohl eine Routineangelegenheit.

Andrew Cuomo verfolgte den Wahlabend mit seinem Stab entspannt beim Dinner im Amtssitz. Cynthia Nixon (52), berühmt geworden als resolute, zynische Anwältin Miranda – einer der vier Stars aus der Kultserie „Sex and the City“ –, gratulierte ihm von ihrem Wahlkampfhauptquartier im New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo sie eine aufmunternde Rede hielt und sich inspiriert zeigte. Nach einem schmutzigen und zunehmend bitteren Wahlkampf war das Rennen schon nach einer halben Stunde gelaufen. Cuomo wehrte den Angriff der einzigen Herausforderin, die sich ihm bei den Demokraten entgegengestellt hatte, souverän ab. Auf den Gouverneur entfielen rund zwei Drittel der Stimmen.

 

„Pinke Revolution“

Der Favorit schmetterte die „pinke Revolution“ ab, den Aufstand progressiver Kandidatinnen. Die 52-jährige Nixon bezeichnet sich als „demokratische Sozialistin“ und sieht sich in der Tradition des Senators und Ex-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders oder von Alexandria Ocasio-Cortez, dem 28-jährigen Shootingstar der Demokraten aus der Bronx, dem einst berüchtigten New Yorker Stadtteil. Ocasio-Cortez hat die Erfolgswelle von Newcomer-Frauen bei den demokratischen Primaries für die November-Wahlen eingeleitet, bei denen mehrere Langzeit-Abgeordnete auf der Strecke geblieben sind. Sie steht für einen prononcierten Linkskurs der Partei.

Nixon war ohne politische Erfahrung ins Rennen gegangen und hoffte darauf, mit Kleinspenden und einem linksliberalen Programm gegen Cuomo zu reüssieren, der die Parteielite und die Großspender auf seiner Seite hatte. Ihre Ehefrau, Christine Marinoni, leitete de facto ihren Wahlkampf, Schauspielkollegin Rosie O'Donnell und viele Aktivisten der homosexuellen Community unterstützten ihre Kandidatur. Ein Mitarbeiter Cuomos tat die Promi-Kandidatin Nixon prompt als „unqualifizierte Lesbe“ ab. Nixon versuchte Cuomo wiederum als Teil der korrupten Elite zu denunzieren.

Hitziger Höhepunkt des Wahlkampfs war ein TV-Duell, in dem Nixon ihrem Gegner ständig ins Wort fiel: „Können Sie endlich aufhören zu lügen?“ Das brachte Cuomo jedoch kaum aus der Ruhe. Seine Mitarbeiter unterstellten Nixon indessen, Antisemitismus zu tolerieren – ein Untergriff, um die jüdische Stammklientel zu mobilisieren. Nixon besucht eine Synagoge und erzieht ihre Kinder aus erster Ehe im jüdischen Glauben.

 

Hollywood gegen Politadel

Cuomo entstammt dem demokratischen Politadel. Sein Vater, Mario, war oft als Präsidentschaftskandidat im Gespräch, und Bill Clinton fürchtete 1992 niemanden mehr als den italoamerikanischen Gouverneur. Nach langem Zögern verzichtete Mario Cuomo. Clinton holte indessen dessen Sohn Andrew als Bauminister in die Regierung, der damals mit Kerry, einer Tochter Robert Kennedys, verheiratet war.

Andrew Cuomo wurden stets Präsidentschaftsambitionen nachgesagt. Er schloss jetzt aber aus, im Vorwahlkampf der Demokraten mitzumischen. Nur der Tod könne verhindern, dass er bis 2022 als Gouverneur im Amt bleibt, lautete sein Dementi. Sein Bruder Chris steht derweil im peitschenden Regen – als CNN-Reporter im Hurrikan-Einsatz in North Carolina.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2018)

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