Supertaifun wütet in Südchina

Südostasien. Ein heftiger Taifun hat am Wochenende die dicht besiedelte Südküste von China heimgesucht. Die meisten Opfer gab es vorerst in den armen Bergregionen der Philippinen.

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Taifun Mangkhut erreichte am Sonntag Hongkong und hinterließ eine Spur der Verwüstung – (c) APA/AFP/PHILIP FONG

Peking. Die Region rund um das Südchinesische Meer ist heftige Tropenstürme zwar gewöhnt. Jedes Jahr in den Sommermonaten rasen dutzende Taifune über das subtropische Gebiet und hinterlassen umgeknickte Bäume, überflutete Straßen und überschwemmte Ackerflächen. Doch was Taifun Mangkhut am Sonntag auf den Philippinen, in Hongkong, Macau und Chinas bevölkerungsreichster Provinz Guangdong an Zerstörungskraft entfaltete, hat es in der Region seit Aufzeichnung der Wetterdaten noch nicht gegeben.

Mit Windstärken von bis zu 242 Stundenkilometern fegte der Megataifun am Sonntagnachmittag über die Finanzmetropole Hongkong und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Ganze Stadtteile der Finanzmetropole Hongkong waren überschwemmt, Wolkenkratzer schwankten, zerbrochene Fensterscheiben flogen durch die Luft. In einem Hongkonger Stadtteil stürzte ein rund 200 Meter hoher Kran ein. Bürger in Hongkong stellten Videos in das Netz, auf denen zu sehen ist, wie Tiefgaragen und ganze Straßenzüge komplett überfluteten.

Da der Sturm mehrere Stromleitungen abriss, waren zwischenzeitlich Zehntausende ohne Strom. Bis zum Abend berichtete die Hongkonger Polizei von mindestens 120 Verletzten. Hongkongs Behörden sprachen vom „schlimmsten Taifun seit Aufzeichnung der Wetterdaten“. Auch der Sachschaden ist enorm. Über 900 Flüge mussten allein am Internationalen Flughafen von Hongkong abgesagt werden. Die in Hongkong erscheinende „South China Morning Post“ zitiert Versicherungsgesellschaften, die in ersten Schätzungen von Schäden in Höhe von umgerechnet 600 Millionen Euro ausgehen.

 

Verkehr komplett gestoppt

Der Taifun raste am frühen Sonntagabend weiter über die südchinesische Provinz Guangdong und schwächte sich nur allmählich ab. Angesichts der Regenmassen musste auch dort der komplette Verkehr gestoppt werden: Tausende Flüge wurden abgesagt, Hochgeschwindigkeitszüge und reguläre Bahnverbindungen mussten gestoppt werden. Die chinesische Regierung hat vorsorglich fast eine halbe Million von den besonders küstennahen Orten evakuieren lassen. Über größere Schäden und Opferzahlen auf chinesischer Festlandseite war bis zum Abend noch nichts bekannt.

Das Perlflussdelta von Guangdong mit den chinesischen Sonderverwaltungszonen Macau und Hongkong gilt wegen seiner Dichte an Fabriken und Hochtechnologiezentren als „Werkbank der Welt“. Mehr als 60 Millionen Menschen leben in dem Delta.

Die nach bisherigem Kenntnisstand meisten Opfer hat der Taifun jedoch zuvor auf den Philippinen gekostet. Dort war der Orkan am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 285 Kilometern pro Stunde auf die dicht besiedelte philippinische Insel Luzon gestoßen, auf der sich auch die Millionenhauptstadt Manila befindet. Ein Polizeisprecher gab die Zahl der Todesopfer dort mit mindestens 49 an. Die meisten kamen bei Erdrutschen in den armen Bergregionen ums Leben. In einem Dorf in der Gebirgsregion Cordillera sollen nach Angaben der Polizei rund 40 Minenarbeiter in ihrer Unterkunft von einem Erdrutsch verschüttet worden sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2018)

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