Slowakei: „Massive Baumängel“ beim AKW Mochovce

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 fordert den Stopp der für 2019 geplanten Inbetriebnahme des Atomkraftwerks an der Grenze zu Österreich.

Die Atommeiler von Mochovce, nur 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.
Die Atommeiler von Mochovce, nur 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.
Die Atommeiler von Mochovce, nur 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. – (c) AFP (VLADIMIR SIMICEK)

Bratislava/Wien. Im kommenden Jahr soll der erste der beiden neuen Meiler des umstrittenen slowakischen Atomkraftwerks Mochovce in Betrieb gehen. Doch Insider und Umweltschützer sprechen erneut von „massiven Sicherheitsmängel“ an den seit Jahrzehnten in Bau befindlichen Reaktoren und warnen davor, die technisch veralteten Blöcke in Betrieb zu nehmen.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 spricht von Pfusch am Bau und bezeichnet das AKW als „tickende Zeitbombe in Mitteleuropa“. Die Organisation, die seit langem gegen die Inbetriebnahme der beiden neuen Meiler nur 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt kämpft, hat nun – im Zuge des Behördenverfahrens zur Inbetriebnahme – die offiziellen Unterlagen zur Erfüllung der technischen Auflagen geprüft. Dabei werden laut Global 2000 mehrere Problembereiche ignoriert: Die Umweltverträglichkeitsprüfung stammt aus dem Jahr 2008. Seither hat sich aber einiges getan: Aufgrund der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima (2011) seien die Sicherheitsanforderungen völlig überholt.

Weiters seien die Reaktoren nicht auf den möglichen Absturz eines Flugzeuges ausgelegt worden. Pläne, das Kühlwasser aus dem Stausee Velké Kozmálovce zu entnehmen, seien ebenfalls veraltet: Durch die Klimaerwärmung könnte das Wasser die für die Kühlfähigkeit der Anlage kritischen Werte möglicherweise überschreiten. Global 2000 fordert die Erstellung einer neue Umweltverträglichkeitsprüfung sowie den Abbruch des Inbetriebnahmeverfahrens.

Block 1 und 2 des AKW Mochovce gingen vor rund 20 Jahren ans Netz. Die Bauarbeiten an Block 3 und 4 mussten aus Geldmangel in den 1990er-Jahren vorübergehend eingestellt, die Inbetriebnahme immer wieder verschoben werden. Kurzzeitig war der italienische Stromkonzern Enel eingestiegen, 2015 wurden die Anteile der Italiener durch die tschechische Industrieholding EPH übernommen. Erst vor wenigen Wochen erklärte der AKW-Betreiber, die ersten Tests zur Inbetriebnahme des dritten Meilers seien erfolgreich gelaufen. Ans Netz soll dieser im

zweiten Quartal nächsten Jahres gehen, Block 4 ein Jahr später.

Schlampereien mit Konsequenzen

Schwere Vorwürfe gegen AKW-Betreiber erhebt auch ein italienischer Maschinenbauingenieur, der am Bau in Mochovce beschäftigt war, 2017 aber entlassen wurde. Mario Zadra spricht in einem Interview mit der slowakischen Zeitung „Sme“ davon, dass unqualifizierte Arbeiter Schweißarbeiten durchführten und teils Genehmigungen fehlten. Laut Zadra wurde von oben Druck ausgeübt, die Anlage so schnell wie möglich fertigzustellen, egal, ob alles funktioniere oder nicht. Die Schlampereien hätten „ernsthafte Konsequenzen für die Sicherheit des Kraftwerks“.

Die Betreiber wüssten davon, würden aber nichts unternehmen. Die Verantwortlichen verhielten sich wie „Schulkinder, die hoffen, dass jemand anderer das Problem für sie löst“. (ag/zoe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2018)

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