Stundenlang Explosionen bei Brand in ukrainischem Munitionsdepot

Geheimdienst und Armee sprechen von möglicher "Sabotage", wollen den Fall aber noch untersuchen. Veraltete sowjetische Munition ist nicht das erste Mal in ukrainischen Depots in Brand geraten.

Rauch und Feuerbälle am Himmel über Druschba.
Rauch und Feuerbälle am Himmel über Druschba.
Geheimdienst und Armee sprechen von möglicher "Sabotage", wollen den Fall aber noch untersuchen. Veraltete sowjetische Munition ist nicht das erste Mal in ukrainischen Depots in Brand geraten. – APA/AFP/GENYA SAVILOV

Wegen eines Brands und der stundenlangen Abfolge von Explosionen in einem Munitionslager in der Ukraine haben mehr als 12.000 Menschen die Gefahrenzone verlassen. Mehr als 60 Menschen benötigten nach dem Zwischenfall am Dienstag in den Depots der ukrainischen Armee medizinische Hilfe, wie die Behörden mitteilten.

Gegen Mittag waren immer noch minütlich Explosionen in der Anlage rund 135 Kilometer nördlich von Kiew zu hören. Der Geheimdienst SBU ermittelt wegen "möglicher Sabotage".

Sabotage oder Fahrlässigkeit?

Das Feuer und die Explosionen begannen den Einsatzkräften zufolge gegen 3.30 Uhr in einem der Depots in der Nähe des nordukrainischen Dorfes Druschba. Nach vier weiteren Detonationen in unterschiedlichen Teilen der Anlage sei ein Feuer ausgebrochen, sagte der Vize-Chef des ukrainischen Generalstabs, Rodion Tymoschenko. Auch er sprach von möglicher "Sabotage". Die Staatsanwaltschaft leitete zunächst allerdings Ermittlungen wegen "Fahrlässigkeit" ein.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wüteten die Flammen insgesamt auf insgesamt fünf Lagerflächen. Dies entspreche rund zehn Prozent des 680 Hektar großen Areals. Mehr als hundert Feuerwehrleute waren im Eisatz, das Verteidigungsministerium entsandte einen Löschpanzer.

Wie viel Munition in den Depots lagerte, ist laut Tymoschenko geheim. Mehr als die Hälfte der Bestände seien jedoch noch vor dem Ausbruch des Feuers unbeschadet entfernt worden.

Die Behörden verhängten nach eigenen Angaben ein Flugverbot in einem Umkreis von 30 Kilometern um das Munitionslager. Auch der Zug- und Autoverkehr wurde demnach gestoppt. Die Behörden schnitten die umliegenden Orte von der Strom- und Gasversorgung ab.

Immer wieder Detonationen

Bis 11.00 Uhr nahm die "Intensität der Explosionen" laut Tymoschenko ab. Kurze Zeit später waren noch in rund zehn Kilometern Entfernung alle ein bis zwei Minuten Detonationen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Wolken aus grauem und weißem Rauch stiegen in den Himmel. 63 Menschen atmeten nach Angaben der Behörden Rauch ein und mussten deswegen behandelt werden.

Staatschef Petro Poroschenko berief eine Sitzung der Spitzen der Sicherheitskräfte ein. Er sicherte den Anrainern rund um die Munitionsdepots Unterstützung zu, wie Poroschenkos Sprecher im Onlinedienst Facebook mitteilte.

Premierministerin sichert Bewohnern Hilfe zu

Regierungschef Wladimir Groisman machte sich an Ort und Stelle ein Bild von der Lage. Es sei die Hauptsache, das Leben der Menschen zu schützen, schrieb er bei Facebook. "Was auch immer zerstört wurde, wir werden es wieder aufbauen."

Es handelt sich um den sechsten Großbrand in Depots der ukrainischen Armee innerhalb von drei Jahren. Ein Grund dafür sind die veraltete Munitionsbestände aus Sowjetzeiten. Im März 2017 wurden bei einem verheerenden Feuer und Explosionen in einem Munitionslager der Region Charkiw ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt.

(APA/AFP)

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