Indonesien: Tausende auf Sulawesi vermisst

Die Suche nach Todesopfern der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe auf der Insel Sulawesi soll am Donnerstag eingestellt werden. 5000 Menschen gelten als vermisst.

(c) REUTERS (JORGE SILVA)

Palu/Wien. Für die Helfer auf der indonesischen Insel Sulawesi hat der Wettlauf gegen die Zeit nun tatsächlich begonnen: Ab Donnerstag, knapp 14 Tage nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe, wird die Suche nach Opfern eingestellt. Aus Angst vor Seuchen und Krankheiten soll nicht weiter nach Toten gesucht werden, heißt es seitens der nationalen Katastrophenschutzbehörde.

Noch immer gelten rund 5000 Menschen als vermisst. Sie werden unter den Schlammmassen und unter Trümmern der zerstörten Küstenstadt Palu und der umliegenden Dörfer vermutet. Bis Donnerstag will die Katastrophenschutzbehörde die Suche intensivieren. Doch dann sollen alle noch Vermissten für tot erklärt werden. Die meisten Opfer wurden in Palu gefunden. Allein dort starben mehr als 1500 Menschen. Die meisten wurden vom Tsunami überrascht, der nach dem Erdbeben der Stärke 7,4 mit drei bis sechs Meter hohen Wellen die Küste der 300.000-Einwohner-Stadt getroffen hatte.

Doch auch ganze Straßenzüge und Dörfer wurden beim Beben vom Erdboden verschluckt: Grund dafür ist die Verflüssigung des Bodens (Liquefaktion), ein Phänomen, das durch starke Erschütterungen in überwiegend sandigen Bodenschichten ausgelöst wird. Der Boden verhält sich wie Wasser, Häuser können im Schlamm versinken. Rund 1000 Gebäude wurden so in Palu zerstört, Bäume bis zu 700 Meter verschoben.

 

Baustopp für betroffene Gebiete

Das Küstengebiet um Palu mit sandigen Schwemmböden gilt als besonders gefährdet. Das geht aus einer nationalen geologischen Untersuchung aus dem Jahr 2012 hervor. Dennoch habe die Stadt privaten Immobilienentwicklern erlaubt, in und nahe solchen Zonen zu bauen, erklärte der Sprecher der nationalen Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho. Die Behörde fordert nun, keine Baugenehmigungen mehr für Gebiete zu erteilen, die von Bodenverflüssigung betroffen sein können.

Erdbeben sind in Indonesien alles andere als eine Seltenheit: Der Inselstaat liegt in der Region mit der stärksten tektonischen Aktivität weltweit. Geht es nach der nationalen Katastrophenschutzbehörde, soll künftig in solchen Gebieten, wo im Falle eines Erdbebens Bodenverflüssigung auftreten kann, nicht mehr gebaut werden dürfen. In den zerstörten Gebieten sollen langfristig Parks, Sportflächen und Gedenkstätten entstehen.

Geschäfte, Schulen und Behörden – so weit intakt – sind nun wieder geöffnet. Neun Schulen wurden komplett zerstört, für die Kinder begann der Unterricht in Zelten. Doch am Dienstagmorgen erschütterte erneut ein Erdbeben die Insel: Fünf Sekunden lang war das Beben der Stärke 5,2 deutlich zu spüren. Eine Tsunamiwarnung blieb aus. In der schwer zerstörten Stadt Palu liefen verängstigte Bewohner in der Früh auf die Straße. Zu neuen Schäden kam es nicht.

 

Ausländische Helfer müssen raus

Trotz der großen Zerstörung und der damit verbundenen Mammutaufgaben hat Indonesien am Dienstag bekannt gegeben, dass alle internationalen Helfer die Katastrophenzone verlassen müssen, die ohne indonesische Partnerorganisationen arbeiten. Schon in der Vergangenheit war Indonesien immer wieder restriktiv gewesen, was die Arbeit ausländischer Nichtregierungsorganisationen im Land betrifft: Nach dem starken Erdbeben, das Anfang August die Insel Lombok erschüttert und 480 Todesoper gefordert hat, schlug die Regierung die Angebote internationaler Hilfe aus. Als Grund dafür wird immer wieder angeführt, dass sich die Führung nicht der Kritik der Opposition aussetzen will und eine Beschneidung der Souveränität fürchtet.

Dieses Mal bat Präsident Joko Widodo allerdings am dritten Tag nach der Katastrophe um Unterstützung. Helfer aus rund 20 Staaten trafen in Indonesien ein. Viele arbeiten aber ohnehin mit Organisationen vor Ort zusammen oder operieren von außerhalb der direkt betroffenen Zonen. (zoe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2018)

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