Vertrieben, vergewaltigt, versklavt

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Weltweit sind mehr als 68 Millionen Menschen auf der Flucht vor extremer Gewalt, Naturkatastrophen, Hunger. Doch eine Gruppe Flüchtlinge wird zuerst für Sex oder Kinderarbeit verkauft, als Kriegswerkzeuge missbraucht, verliert zuerst ihre Kindheit: die 17 Millionen rund um den Globus vertriebenen Mädchen. Sie leiden am meisten unter Flüchtlingskrisen, schreibt die Hilfsorganisation Care in einem Bericht anlässlich des heutigen Weltmädchentags, den die UNO 2012 ausgerufen hat. Besonderer Bedrohung sind sie in 13 Staaten ausgesetzt.

(me)

Care/Abdulhakim Ansi
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Syrien

2,8 Millionen Mädchen aus dem Bürgerkriegsland Syrien sind auf der Flucht. Um ihre Töchter zu schützen, verheiraten Eltern ihre Sprösslinge oft sehr früh. Doch durch Kinderheirat müssen viele syrische Mädchen den Klassenzimmern fern bleiben. Um sich weit weg von der Heimat einen Lebensunterhalt zu sichern, lassen viele Familien ihre Töchter lieber Geld verdienen als zur Schule gehen. Nach Ausbruch eines Konfliktes können Mädchen 2,5 Mal so häufig nicht den Unterricht besuchen wie in friedlichen Ländern, heißt es laut UNO. Insgesamt können in Syrien drei Millionen Kinder nicht zur Schule gehen. (Im Bild: Walaa aus Syrien)

Care/Carey Wagner
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Horn von Afrika

Als sie nicht zur Schule ging, erzählt die 12-Jährige Hamdi (im Bild), hatte ihr Leben seinen Sinn verloren. Sie ist eine von 1,3 Millionen vertriebenen Mädchen am Horn von Afrika (Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Somalia). Seit einem Vierteljahrhundert plagen die Region Krieg, wiederkehrende Dürren, Hungersnöte und ein Leben in extremer Armut. Viele Menschen leben nur von einem Dollar pro Tag. Geld für Bildung bleibt da nicht. So wie Hamdi, die mit sechs Jahren von ihren Eltern ausgesetzt wurde, hatten viele Mädchen keine Chance zu überleben, wenn sie nicht arbeiteten. In Somalia etwa gehen nur 40 Prozent der Mädchen zur Schule.

Peter Caton/CARE USA (Peter Caton/CARE USA)
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Afghanistan

650.000 Mädchen sind aus Afghanistan geflohen, 450.000 innerhalb der Landesgrenzen auf der Flucht. Entführungen und Säureattacken auf dem Weg in die Schule, die aufflammende Gewalt durch die radikalislamischen Taliban, Kinderheirat und die Bevorzugung der Ausbildung von Buben - all das hält Mädchen in Afghanistan von den Klassenzimmern fern. Zwar hat das Land in den vergangenen zehn Jahren, was die Einschulung betrifft, extreme Fortschritte gemacht. Doch noch immer gehen 3,7 Millionen Kinder nicht zur Schule. In manchen Provinzen sind 85 Prozent davon Mädchen.

2017/CARE
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Südsudan

819.241 Mädchen aus dem Südsudan wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Auf ihrer Flucht vor Gewalt werden sie zu Zielscheiben sexueller Gewalt. Selbst in den Flüchtlingslagern, auf dem Weg zum Wasserholen oder Feuerholzsammeln sind sie nicht sicher. Laut Care haben mehr als zwei Drittel der Frauen und Mädchen in den Konfliktgebieten im Südsudan sexualisierte oder körperliche Gewalt erlebt - eine der höchsten Raten der Welt. (Im Bild: Lillian, Viola und Scobia)

Peter Caton/CARE USA (Peter Caton/CARE USA)
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Tschadsee-Region

Armut, Hunger und die Islamistengruppe Boko Haram haben in Nigeria, Niger, Kamerun und dem Tschad 2,4 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Dort, in der Region um den Tschadsee am südlichen Rand der Sahara, entfaltet sich eine der größten humanitären Katastrophen der Welt. 777,855 Mädchen sind auf der Flucht. Für sie stellen die Terroristen von Boko Haram eine besondere Bedrohung dar: Die Gruppe hat so viele Mädchen und Frauen als menschliche Bomben eingesetzt, wie keine andere Terrorgruppe zuvor. Im Nordosten Nigerias ist das Risiko für Mädchen sogar viermal so hoch wie für Jungen.

CARE/Sebastian Wells (CARE/Sebastian Wells)
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Sudan

Vier Millionen Menschen, etwa ein Drittel der Bevölkerung, schlug der blutige Konflikt zwischen dem Sudan und dem Südsudan in die Flucht. Im Sudan sind derzeit 672,256 Mädchen vertrieben. Auch sie sind besonders gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden.

Josh Estey/CARE (Josh Estey/CARE)
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Demokratische Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo wurden Tausende Kinder von bewaffneten Milizen als Kindersoldaten rekrutiert. Sind sie Mädchen werden sie höchstwahrscheinlich vergewaltigt werden, müssen für die Männer Sklavenarbeiten im Haushalt erledigen und werden mit ihren Peinigern verheiratet. Doch nicht nur Kindersoldaten müssen solche Übergriffe erleiden. Pema wurde mit 14 Jahren nach einer Vergewaltigung schwanger. Ihre Familie verstieß sie und verheiratete sie mit dem Mann. Von ihm bekam sie weitere zehn Kinder. In der Demokratischen Republik Kongo sind 618,461 Mädchen auf der Flucht.

REUTERS (Therese Di Campo)
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Irak

Durch jahrzehntelange Kämpfe, jahrelange Wirtschaftssanktionen und dadurch zerrüttete Infrastruktur haben viele Menschen im Irak keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Für Mädchen und junge Frauen stellt das ein besonderes Problem dar: Mangelnde Privatsphäre und fehlende Möglichkeiten, sich das Blut abzuwaschen, halten sie während der Menstruation vom Schulunterricht ab. Im Irak wurden 573,0036 Mädchen in die Flucht getrieben.

Care/ Emily Kinskey
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Jemen

Seit der Eskalation zwischen den vom Iran unterstützten schiitischen Houthi-Rebellen und den von Saudiarabien finanzierten Gruppen im Jahr 2015 wurden im Jemen mehr als 10.000 Menschen getötet und zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Derzeit sind 551,104 Mädchen aus dem Jemen auf der Flucht. Seit Kriegsbeginn nahm die Kinderheirat in dem Land drastisch zu - Eltern erhoffen sich davon, ihre Töchter besser beschützen zu können: Inzwischen sind mehr als zwei Drittel der jemenitischen Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Sie laufen damit erhöhte Gefahr, an Sexualkrankheiten wie HIV zu erkranken, Opfer häuslicher Gewalt zu werden oder bei der Geburt Komplikationen zu erfahren.

Holly Frew/CARE
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Ukraine

Eine halbe Million Mädchen sind innerhalb der Ukraine vertrieben worden. Seit 2014 dauert der bewaffnete Konflikt im Osten des Landes zwischen prorussischen Separatisten und der Regierung an, der eigentlich mit einem proeuropäischen Volkstaufstand begann. Heute ist die Region eines der am meisten mit Landminen kontaminierte Kriegsgebiet weltweit. Für Kinder sind die Sprengsätze besonders gefährlich: Aufgrund ihrer Größe treffen die Explosionen die lebenswichtigen Organe mit voller Wucht. Oft sind es Mädchen, die für die Familie Feuerholz sammeln gehen und auf dem Weg die Minen übersehen.

REUTERS (Gleb Garanich)
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Venezuela

Salam ist eine von 343.000 Mädchen, die vor der galoppierenden Inflation, vor einer Armutsrate von 90 Prozent, vor einem akuten Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten aus dem einst reichen Ölstaat Venezuela geflohen ist. Bevor die Siebenjährige in den Nachbarstaat Kolumbien reiste, lebte sie monatelang nur von einer Schüssel Reis pro Tag. Sie kann von Glück reden, dass sie die Flucht heil überlebte: Oft fangen bewaffente Gruppen Mädchen an der Grenze ab und verkaufen sie weiter in andere südamerikanische Staaten.

Care/PADDY DOWLING
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Zentralafrikanische Republik

Seit Anfang der 2000er-Jahre tobt – mit ein paar Jahren Unterbrechung – in der Zentralafrikanischen Republik ein besonders brutaler Bürgerkrieg. Ein Viertel der Bevölkerung floh vor dem Konflikt, darunter 330,686 Mädchen. Um gegen Hunger und Armut ankämpfen zu können, haben viele keine andere Wahl als ihren Körper zu verkaufen. Oft werden sie sogar von ihren Eltern zum „Überlebenssex“ gedrängt. Für 50 Cent verkaufen sich Mädchen, die nicht älter als 13 Jahre sind.

REUTERS (Baz Ratner)
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Myanmar

Die 12-jährige Noor hat es vergleichsweise gut erwischt: Nicht so wie viele der 312,120 Rohingya-Mädchen, die vor dem Genozid in Myanmar nach Bangladesch fliehen mussten, hat sie noch beide Eltern und kann zur Schule gehen.

>>> Zum Care-Bericht: "Far From Home".

Care/Nancy Farese
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