Tote nach Schüssen nahe Weihnachtsmarkt in Straßburg - Täter flüchtig

Bei einer Schießerei in der Innenstadt von Straßburg wurden mindestens drei Menschen getötet und mehrere Personen verletzt. Der Schütze ist der Polizei bekannt und auf der Flucht. Auf ein terroristisches Motiv wollen sich die Ermittler nicht festlegen.

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FRANCE-ASSAULT-AGRESSION-POLICE – (c) APA/AFP/FREDERICK FLORIN (FREDERICK FLORIN)

Ein Mann hat am Dienstagabend auf dem Weihnachtsmarkt der französischen Stadt Straßburg das Feuer eröffnet und nach Angaben der französischen Behörden drei Menschen getötet, darunter einen thailändischen Urlauber. 14 Menschen wurden verletzt, davon sieben schwer. Österreicher sind nach bisherigen Erkenntnissen keine unter den Opfern.

Der Täter ist flüchtig. Bei der Verfolgung des Verdächtigen sei es zu einem Feuergefecht gekommen, teilte die Polizei mit. Soldaten haben den mutmaßlichen Schützen offenbar angeschossen, ihn aber nicht an der Flucht hindern können. Er habe sich "verschanzt", hieß es. Laut ORF-Korrespondent Peter Fritz, der Zeuge der Gewalttat wurde und gemeinsam mit anderen versuchte, eines der Opfer zu reanimieren, werde vermutet, dass der Täter mit dem Taxi in einen Vorort der Stadt geflüchtet sei.

Obwohl Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen haben, will sich das französische Innenministerium nicht auf ein terroristisches Motiv des 29-jährigen Täters mit nordafrikanischer Abstammung festlegen. Der mutmaßliche Täter sei zwar polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Er sei mehrfach im Gefängnis gewesen und dort sei auch eine Radikalisierung festgestellt worden, "allerdings nur in der religiösen Praxis". Über ihn wurde ein sogenanntes "Fiche S" geführt, einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein.

Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich

Der Täter soll laut Informationen der Deutschen Presseagentur in der Vergangenheit auch in Deutschland verurteilt worden sein und war dort zeitweise in Haft. Nach dem Verbüßen der Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben.

Die französische Regierung hat die höchste Terrorwarnstufe für das Land ausgerufen. Auf allen französischen Weihnachtsmärkten würden die Sicherheitskontrollen verschärft, um Nachahmungstaten zu verhindern, sagte Castaner. Auch die Grenzkontrollen sollen verstärkt werden. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sich der Täter nach Deutschland abgesetzt hat. Außerdem würden die Soldatenpatrouillen in Frankreich ausgeweitet.

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APA/AFP/FREDERICK FLORIN

Staatschef Emmanuel Macron sicherte den Opfern des Angriffs die Solidarität Frankreichs zu. "Solidarität der gesamten Nation mit Straßburg, unseren Opfern und ihren Familien", schrieb Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Ausnahmesituation im EU-Parlament

Augenzeugen berichteten, dass gegen 20 Uhr mehrere Schüsse zu hören gewesen seien. Die Menschen in den Gassen hätten die Flucht ergriffen. "Wir haben mehrere Schüsse gehört, vielleicht drei, und dann haben wir Leute rennen sehen", sagte eine Augenzeugin zur Nachrichtenagentur AFP. "Eine von ihnen ist gestürzt - ich weiß nicht, ob sie gestolpert ist oder getroffen wurde."

Der tödliche Anschlag hat auch die Abgeordneten des EU-Parlaments in eine Ausnahmesituation gebracht. Über Stunden hinweg saßen die Volksvertreter in dem Parlamentsgebäude in der Stadt im Elsass fest. Am frühen Mittwochmorgen teilte Parlamentspräsident Antonio Tajani seinen im Plenarsaal versammelten Kollegen dann mit, sie dürften das Parlamentsgebäude abseits des Stadtzentrums verlassen - allerdings nur auf eigenes Risiko. Wer ins Stadtzentrum hinein wolle, dürfe dies ausschließlich in einem von der Polizei gesicherten Konvoi, betonte Tajani.

Facebook aktivierte indes den "Safety Check" für die Stadt Straßburg, bei dem Facebook-User angeben können, in Sicherheit zu sein.

Weihnachtsmarkt schon einmal Ziel einer Terrorattacke

Der Weihnachtsmarkt am Place Kléber in der elsässischen Großstadt ist weltbekannt. Er wird seit 1570 veranstaltet und jährlich von etwa zwei Millionen Menschen besucht. Der Markt war schon einmal Ziel einer vereitelten Terrorattacke. Im Jahr 2000 planten Islamisten hier einen Sprengstoffanschlag. Knapp vor der Tat verhaftete die Polizei vier algerische Mitglieder der sogenannten "Frankfurter Zelle".

Die Behörden waren sich der Terrorgefahr für den Weihnachtsmarkt bewusst: Täglich sind rund 300 Polizisten und 160 private Wachleute auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt im Einsatz. Die Zufahrt für Autos ist drastisch eingeschränkt, Betonblöcke sollen Auto-Attentäter abhalten.

Frankreich in höchster Alarmbereitschaft

In Frankreich herrscht nach einer Reihe von islamistisch motivierten Terroranschlägen seit 2015 hohe Alarmbereitschaft. Im Jahr 2016 fuhr in Nizza ein Lastwagen am französischen Nationalfeiertag in eine Gruppe von Menschen und tötete mehr als 80 Menschen. Koordinierte Terroranschläge im November 2015 auf die Konzerthalle Bataclan und andere Orte in Paris forderten 130 Menschenleben. Weitere Anschläge wurden auf einen Polizeibeamten in Paris, die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und ein jüdisches Geschäft verübt.

Für Frankreich galt bereits ein "erhöhtes Sicherheitsrisiko". Demnach wird Reisenden wegen der erhöhten Terrorgefahr "empfohlen, sich im gesamten Land umsichtig zu bewegen und sich über Medien zur Sicherheitslage zu informieren. Insbesondere auf Flughäfen, Bahnhöfen und in den Transportmitteln ist mit Personen- und Gepäckskontrollen zu rechnen. Bei der Reiseplanung werden großzügige Zeitreserven empfohlen, Gepäckstücke sollten niemals unbeaufsichtigt bleiben und fremde Gepäckstücke niemals in Aufbewahrung genommen werden. Reisende sollten Verdächtiges sofort melden und die Sicherheitskräfte verständigen."

(red./APA/Reuters)

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