Osterinsel: Warum die Statuen stehen, wo sie stehen

Die Moai, die riesigen Steinfiguren auf der isolierten Insel, umgeben viele Geheimnisse. Eines wollen New Yorker Forscher nun gelüftet haben.

FILE PHOTO: A VIEW OF 'MOAI' STATUES ON EASTER ISLAND
FILE PHOTO: A VIEW OF 'MOAI' STATUES ON EASTER ISLAND
Die Statuen auf der Osterinsel zeigten womöglich Trinkwasserquellen an. – REUTERS

Über 800 kolossale Steinstatuen (Moai), die meist auf Plattformen (Ahu) stehen, zeugen auf der Osterinsel von einer hohen, vor 150 Jahren untergegangenen Kultur. Der deutsche Seefahrer Carl Friedrich Behrens, der die mittlerweile zu Chile gehörende Insel im Südostpazifik 1722 als erster Europäer betrat, nannte die Moai „Götzenbilder“, die die Osterinsulaner angebetet hätten. Was diese in den Statuen wirklich sahen, wissen wir bis heute nicht. Viele glauben: vergötterte Ahnen.

Wir wissen auch nicht, was die Plätze auszeichnet, an denen sie aufgestellt wurden. Das Geheimnis ihrer Standorte wollen Forscher der Binghamton University in New York nun gelüftet haben: Ihren Untersuchungen zufolge wurden Moai und Ahu stets in der Nähe von Süßwasserquellen errichtet.

Statuen könnten Tradition des Teilens beschwört haben

Schon lange rätseln Forscher, warum die Statuen gerade dort stehen, wo sie stehen - vor allem, da ihre Konstruktion einiges an Aufwand und Kraft gekostet haben muss. Ein Team um den Anthropologen Carl Lipo hat nun die Zusammenhänge zwischen den Standorten und natürlichen Ressourcen untersucht und ein erstaunlich konsistentes Muster entdeckt: "Je mehr wir angeschaut haben, desto beständiger war das Muster, das wir sahen. An Orten ohne Ahu/Moai gab es kein Süßwasser", sagte Lipo, dessen Erkenntnisse im Journal PloS One (10. 1.) publiziert wurden. Die Statuen könnten demnach aufgezeigt haben, wo auf der ansonsten trockenen Insel Trinkwasserquellen zu finden waren. Das Team will nun erforschen, ob die Größe der Statuen mit der Qualität der Wasserquelle zu tun haben könnte.

Süßwasser sei eine knappe Ressource gewesen, die geteilt werden musste, meint Terry Hunt (University of Arizona). Die Statuen würden die – in den großen Ahnen personifizierte – Tradition des Teilens beschwören. Nur sie hätte der Zivilisation auf dieser einsamen Insel erlaubt, so lang zu überdauern. Sie sei schließlich den Eroberern zum Opfer gefallen, meint er. Das sehen andere Forscher anders. Jared Diamond etwa sah Raubbau an der Umwelt als Ursache des Niedergangs. 

Statuen wurden umgeworfen

Die Statuen wurden mehrheitlich zwischen 1250 und 1500 n. Chr. errichtet. Ab 1722 wurden sie alle umgeworfen - die Gründe dafür sind umstritten. Ab den 1950er Jahren wurden einige Plattformen wieder aufgebaut.

(tk/Red.)

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