Virginias Gouverneur in Ku-Klux-Kutte und "Blackface"

Widersprüchliche Erklärungen für Bilder aus seiner Studentenzeit bringen den Demokraten Ralph Northam in Bedrängnis. Er lieferte widersprüchliche Erklärungen Seine Partei fordert seinen Rücktritt.

Virginia Governor Ralph Northam
Virginia Governor Ralph Northam
Ralph Northam am Samstag bei einer Pressekonferenz. Im Hintergrund: seine Frau Pamela Northam – REUTERS

Der demokratische Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia ist wegen eines rassistischen Fotos aus seiner Studentenzeit in Bedrängnis geraten. Das Foto zeigt eine Person in der weißen Kutte des rassistischen Ku-Klux-Klans und eine zweite mit schwarz geschminktem Gesicht. Es erschien 1984 auf Ralph Northams Seite im Jahrbuch seiner medizinischen Hochschule.

Die Demokratische Partei forderte am Samstag Northams Rücktritt. Der Gouverneur lehnte dies ab. Zu dem Foto lieferte er widersprüchliche Erklärungen.

Am Freitag bestätigte der Gouverneur zunächst, dass er einer der Kostümierten auf dem Foto sei und entschuldigte sich dafür: Die Verkleidung sei "eindeutig rassistisch und beleidigend". Am Samstag folgte jedoch eine Kehrtwende: Northam zog seine Erklärung zurück und bestritt, auf dem Foto abgebildet zu sein. "Seit meiner Erklärung von gestern habe ich mich mit meiner Familie und meinen Kommilitonen von damals zurückerinnert und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht die Person auf dem Foto bin", sagte Northam am Samstag auf einer Pressekonferenz. Er wisse nicht, wie das Bild auf seine Seite in dem Jahrbuch gelangen konnte. "Ich habe dieses Foto gestern Abend zum ersten Mal gesehen, es war schockierend und erschreckend."

"Jahrhunderte der Wut, Qualen und rassistischer Gewalt"

Die Parteiführungen der Demokraten im Bundesstaat Virginia und in Washington, D. C. forderten Northam zum Rücktritt auf. Der rassistische Inhalt des Fotos widerspreche klar den Grundwerten der Partei. Auch mehrere Präsidentschaftsaspiranten der Partei gingen sofort auf Distanz. "Das Schandmal des Rassismus sollte keinen Platz in den Hallen der Regierung haben", erklärte die afroamerikanische Senatorin Kamala Harris, die sich um das Präsidentschaftsticket der Demokraten bewirbt.

Der demokratische Präsidentschaftsaspirant Cory Booker erklärte, das Foto habe "jegliches Vertrauen in die Führungsfähigkeit von Gouverneur Northam zerstört". Das Bild lasse "Jahrhunderte der Wut, Qualen und rassistischer Gewalt" wach werden.

Auch die Senatoren Tim Kaine und Mark Warner - einst selbst Gouverneure von Virginia - erklärten nach der Pressekonferenz ihres Parteifreunds, Northam sei nicht länger tragbar und müsse zurücktreten.

Trump kritisiert republikanischen Gegner Northams

Der republikanische Präsident Donald Trump kritisierte das Foto via Twitter als "unverzeihlich". Außerdem ließ er eine Spitze gegen das Wahlkampfteam des Republikaners Ed Gillespie los, der Northam bei den Gouverneurswahlen 2017 unterlegen gewesen war: Gillespie sollte seine damaligen Helfer wegen "Pflichtversäumnis" zur Rechenschaft ziehen, schrieb Trump. "Wenn sie dieses schreckliche Bild vor der Wahl entdeckt hätten, hätte er mit 20 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen!"

Das Foto aus dem Uni-Jahrbuch von 1984 war zunächst von einer Website ins Netz gestellt und dann von mehreren US-Medien übernommen worden. Die typische Kapuzenrobe des Ku-Klux-Klans erinnert an dessen grausame Lynchmorde an Afroamerikanern vor allem in den US-Südstaaten - auch in Virginia.

Umstritten ist auch das sogenannte Blackfacing - die Methode, dunkel-geschminkte weiße Schauspieler die Rollen von Schwarzen auf der Bühne oder der Leinwand übernehmen zu lassen. Sie knüpft an rassistische Stereotypen an.

Titelseiten der wichtigsten Zeitung Virginias, der "Richmond Times-Dispatch", zur Causa Northam:

(APA/AFP/dpa)

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