Drogenboss "El Chapo" in New York schuldig gesprochen

Das Gerichtsverfahren gegen Joaquin "El Chapo" Guzmán endet mit einem Schuldspruch in allen Anklagepunkten. Der Mexikaner bleibt sein restliches Leben im Gefängnis.

Archivbild von Joaquin "El Chapo" Guzman.
Archivbild von Joaquin "El Chapo" Guzman.
Archivbild von Joaquin "El Chapo" Guzman. – REUTERS

Der mexikanische Drogenboss Joaquin "El Chapo" Guzman ist in seinem Strafprozess schuldig gesprochen worden und muss für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Die Jury sah die Schuld des 61-Jährigen in allen zehn Anklagepunkten als erwiesen an, wie Richter Brian Cogan am Dienstag in New York verkündete.

Richter Brian Cogan muss das Strafmaß offiziell noch verkünden. Aber der Schuldspruch für Guzmans "Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung" schreibt lebenslange Haft vor, einen Antrag auf vorzeitige Entlassung kann er nicht stellen. Ein Gefängnisausbruch, wie er Guzman 2001 und erneut 2015 in Mexiko gelang, würde in den USA an ein Wunder grenzen.

Die nach US-Bundesgesetz zulässige Todesstrafe war in dem Verfahren nach einer Einigung zwischen den USA und Mexiko, die Guzman nach seiner Festnahme ausgeliefert hatten, ausgeschlossen. Die weiteren der insgesamt zehn Anklagepunkte drehten sich um die Herstellung und internationale Verbreitung von Kokain, Heroin, Metamphetamin und Marihuana sowie den Gebrauch von Schusswaffen und Geldwäsche.

Rund 35 Stunden über sechs Tage hatten die zwölfköpfige Jury aus acht Frauen und vier Männern über Guzmans Schuld oder Unschuld diskutiert. Auch eine Verurteilung in nur einem oder einigen der Anklagepunkte hätte für Guzman mit ebenfalls eine jahrelange oder lebenslange Haftstrafe bedeutet. Ein Freispruch schien angesichts der teils erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich.

Strategie der Verteidiger ging nicht auf

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess über zweieinhalb Monate massenhaft Beweismaterial vorgelegt und mehr als 50 Zeugen aufgerufen. Guzmans Anwälte riefen dagegen nur einen einzigen Zeugen auf und beendeten ihre Verteidigung des Falls innerhalb von 30 Minuten. Ihre Strategie bestand im Wesentlichen darin, die Zeugen der US-Regierung als Lügner darzustellen, die durch Aussagen gegen Guzman lediglich eigene Haftstrafen verringern wollten. Guzman selbst hatte darauf verzichtet auszusagen.

Staatsanwalt Richard Donoghue sagte, Guzmáns "blutige Herrschaft an der Spitze des Sinaloa-Kartells ist beendet, und der Mythos, dass er nicht zur Rechenschaft gezogen werden könne, ist widerlegt". Unter anderem lobten auch Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen und die Spitzen der Drogenbekämpfungsbehörde DEA und der Bundespolizei FBI das Urteil.

Guzman ist derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan eingesperrt. Offen ist, ob er seine Strafe dort absitzen soll oder in eine andere Haftanstalt verlegt wird. In Mexiko gelang es Guzman bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten.

Justizminister: "Welle der Korruption"

Das Urteil zeige die "herausragende Reichweite der US-Regierung", teilte der interimistisch amtierende US-Justizminister Matthew Whitaker nach dem Urteil am Dienstag mit. Guzmáns "kriminelles Unternehmen flutete die Straßen der Vereinigten Staaten mit Hunderten Tonnen Kokain sowie enormen Mengen anderer gefährlicher Drogen wie Heroin und Methamphetamin", hieß es in der Stellungnahme.

Guzmán habe unaufhörlich versucht, den Einfluss des von ihm geführten Sinaloa-Kartells auszubauen und an Macht zu gewinnen, erklärte der US-Präsident Donald Trump nahe stehende Whitaker. Das habe zu einer "Welle der Korruption und Gewalt" in Mexiko sowie in den USA geführt.

Das Urteil sei in dem Kampf gegen Drogenschmuggel eine "unwiderlegbare Botschaft an die in Mexiko verbleibenden Hauptakteure, dass sie letztlich festgenommen und verurteilt werden". Die USA und Mexiko würden weiter mit allen Mitteln gegen Drogenschmuggler und deren Organisationen kämpfen.

(APA/dpa)

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