Warum Trumps Löschtipp für Notre Dame fatal gewesen wäre

Vielleicht könnten Löschflugzeuge eingesetzt werden, um den Brand zu bekämpfen, empfahl der US-Präsident auf Twitter. Allerdings wäre eine Umsetzung seines Tipps fatal gewesen.

(c) imago images / Le Pictorium (Julien Mattia / Le Pictorium via www.imago-images.de)

US-Präsident Donald Trump hält sich mit Ratschlägen auf Twitter nie zurück. In einem seiner ersten Tweets am Montagvormittag (Ortszeit) riet der Präsident dem Flugzeugbauer Boeing, den Mittelstreckenjet 737 Max, der nach zwei verheerenden Flugzeugabstürzen mit einem weltweiten Startverbot belegt ist, doch einfach umzubenennen. "Wenn ich Boeing wäre, würde ich die Boeing 737 Max in Ordnung bringen, ein paar großartige Eigenschaften hinzufügen und dem Flugzeug einen neuen Namen verpassen", schrieb Trump da.

Am Montagnachmittag (Ortszeit) reagierte Trump dann auf den großen Brand in der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris. Die Bilder der verheerenden Flammen waren auch in den USA auf vielen Fernsehsendern zu sehen. Von Bord des Regierungsfliegers Air Force One - auf dem Weg zu einem Besuch im US-Bundesstaat Minnesota - schrieb Trump dazu auf Twitter, es sei furchtbar, das gewaltige Feuer in der Kathedrale zu sehen. Vielleicht könnten Löschflugzeuge eingesetzt werden, um den Brand zu bekämpfen, empfahl er. Dazu der mahnende Hinweis: "Es muss schnell gehandelt werden!"

Allerdings wäre Trumps Tipp fatal gewesen. Die Reaktion der französischen Fachleute ließ daher nicht lange auf sich warten: Von einem Flugzeug Wasser auf ein solches Gebäude abzuwerfen, könne zum Einsturz des gesamten Gebäudes führen, schrieb der französische Zivilschutz auf Twitter.

"Für einen Laien kaum vorstellbar"

Auch der Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, Christian Feiler, wies am Montagabend darauf hin, dass ein Löscheinsatz aus der Luft in jedem Fall fatal für die Kirche wäre. "Auch bei geöffnetem Dach. Das Gewicht des Wassers würde auf das Kirchengewölbe drücken", erläuterte Feiler. Das Gewölbe trage zumindest teilweise das Dach, eine Beschädigung hätte unabsehbare Folgen. "Das Dach ist so konstruiert, dass Regenwasser abgehalten wird." Erst wenn das Dach geöffnet wäre, könnte man darüber überhaupt nachdenken. Und bei Löscheinsätzen per Flugzeug oder Helikopter geht es oft um zwei bis drei Tonnen Gewicht des Löschwassers, da oft 2000 bis 3000 Liter Wasser auf einmal aufgebracht werden können.

"Die Schwierigkeiten bei der Brandbekämpfung sind für einen Laien kaum vorstellbar: Im Dachstuhl solcher Kirchen befinden sich Unmengen von altem, historischem Holz." Dieses brenne sehr gut. Noch dazu gebe es keine Brandabsaugung. Das bedeute eine enorme Hitzeentwicklung.

Überhaupt wäre das Aufbringen von kaltem Wasser auf den sehr stark erhitzten Sand- oder Naturstein fatal, weil es das Gemäuer zum Springen und im Extremfall zumindest schwere Schäden, wenn nicht den Kollaps des Gebäudes, auslösen könnte. "Das bedeutet, ich muss sehr treffsicher löschen", sagte Feiler. Allerdings wisse man oft nicht genau, wo zu löschen ist. Es würde wohl Sinn machen, dass man Teilbereiche des Gebäudes aufgebe und andere zu halten versuche.

(APA/Red.)

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