Papst prüft Einsatz von verheirateten Priestern

Laut Vatikan stehen beim großen Bischofstreffen im Herbst ausdrücklich Beratungen über einen amtlichen Dienst für Frauen in der Kirche auf der Tagesordnung.

Papst Franziskus besuchte am Wochenende das von einem Erdbeben zerstörte Camerino in Italien.
Papst Franziskus besuchte am Wochenende das von einem Erdbeben zerstörte Camerino in Italien.
Papst Franziskus besuchte am Wochenende das von einem Erdbeben zerstörte Camerino in Italien. – APA/AFP/VATICAN MEDIA/HANDOUT

Nächster Schritt am Weg zur Lockerung der Bedingungen zur Priesterweihe. Im Arbeitspapier des Vatikans für die Amazonien-Synode im Herbst findet sich genau das, was der österreichische Altbischof Erwin Kräutler, der bis 2015 Brasiliens größte Diözese geleitet hat, vor Jahren prophezeit hat: Die Weihe verheirateter Männer soll diskutiert werden.

Konkret heißt es laut Kathpress im 45 Seiten umfassenden Papier: Die Synode solle die Möglichkeit prüfen, in entlegenen Gegenden ältere und angesehene Familienväter („Viri probati“, „bewährte Männer") zur Priesterweihe zuzulassen, um eine sakramentale Versorgung zu gewährleisten. Die Feier der Eucharistie (Messe) ist Priestern genauso vorbehalten wie die Beichte. Laut Zweitem Vatikanischem Konzil ist aber die Eucharistie, die wegen Priestermangels in manchen Gegenden nur ein, zwei Mal pro Jahr gültig gefeiert werden kann, Quelle und Zentrum des christlichen Lebens.

Diakoninnen in Diskussion

Und auch ein anderes für die katholische Kirche bisher besonders schwieriges Thema wird auf die Agenda des Treffens der Bischöfe vom 6. bis 27. Oktober in Rom gesetzt: das sogenannte Frauenthema. Das Arbeitspapier für die Synode fordert nun eine Diskussion über einen amtlichen Dienst von Frauen in der katholischen Kirche. Zuletzt wurden Hoffnungen, der Papst könnte die Weihe von Frauen zu Diakoninnen erlauben, einmal befeuert und dann wieder zerstreut. Ein Diakon kann taufen, in Messen das Evangelium lesen, predigen, trauen und Begräbnisse leiten. Es könnte aber auch sein, dass das Bischofstreffen dem Papst vorschlägt ein neues Amt zu „erfinden“, das es kirchenrechtlich möglich macht, Frauen auch ohne Weihe zu Gemeindeleiterinnen zu machen. Damit würde im Grunde nur das nachvollzogen werden, was sehr fern von Rom ohnedies in der Praxis vielfach existiert.

Weitere Synodenthemen: Raubbau, Bedrohung indigener Völker, Korruption und „ökologische Bekehrung“.[PK0KU]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2019)

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