UNO-Prognose: Weltbevölkerung wächst, aber Balkanstaaten schrumpfen

Von derzeit 7,7 Milliarden Menschen wird die Weltbevölkerung laut einem Bericht der Vereinten Nationen bis 2050 auf 9,7 Milliarden zunehmen. In manchen europäischen Staaten wird sich die Bevölkerung bis dahin halbiert haben.

Die Zahl der Erdenbürger wird größer und größer.
Die Zahl der Erdenbürger wird größer und größer.
Die Zahl der Erdenbürger wird größer und größer. – (c) REUTERS (Marcos Brindicci)

Belgrad. Die Zahl der Erdenbürger wird größer und größer. Um weitere zwei Milliarden Menschen wird die Weltbevölkerung nach den jüngsten Prognosen der UNO bis 2050 zulegen. In den Staaten Südosteuropas hingegen geht die Angst vor dem allmählichen Aussterben um: Bis zum Ende dieses Jahrhunderts dürften sich Nationen wie Bulgarien, Kroatien oder Bosnien und Herzegowina halbieren.

Zwar schwächt sich das Wachstum der Weltbevölkerung etwas ab, aber sie wächst weiter. Von derzeit 7,7 Milliarden Menschen wird sich die Weltbevölkerung laut einem jüngsten UN-Bericht bis 2050 auf 9,7 Milliarden Menschen vermehren. Indien wird dabei bereits 2027 die erstmals leicht schrumpfende Volksrepublik China als bevölkerungsreichstes Land der Welt ablösen. Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, wird die USA vom dritten Rang verdrängen.

Ganz andere Sorgen löst das dürre Zahlenwerk hingegen im Osten und Südosten Europas aus: Bis zum Ende des Jahrhunderts dürften einige Länder auf die Hälfte der derzeitigen Bevölkerung schrumpfen.

Neben dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien und den von Naturkatastrophen heimgesuchten Pazifikinseln sowie den drei baltischen Republiken wiesen die Staaten Südosteuropas schon im vergangenen Jahrzehnt den höchsten Bevölkerungsschwund auf. Die Liste der 55 Staaten, die bis 2050 laut den Vereinten Nationen mit einem jährlichen Bevölkerungsschwund von mindestens einem Prozent zu rechnen haben, führt Bulgarien gemeinsam mit der Baltenrepublik Litauen an – mit Serbien, Bosnien, Kroatien, Moldawien, Rumänien und Albanien im nahen Verfolgerfeld.

 

Triebfedern der Veränderung

Von einem „katastrophalen demografischen Bild“ spricht angesichts der sich mehrenden Zahl entvölkerter Dörfer die Zeitung „Euro Blic“ im bosnischen Banja Luka. „Das wahre Aussterben Kroatiens wird erst kommen“, titelt düster das kroatische Webportal Index.hr: „Wir werden uns halbieren.“ Während das Wachstum der Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten weiter vor allem von sogenannten Entwicklungsländern wie Kongo, Ägypten, Äthiopien, Indien, Indonesien, Nigeria und Pakistan getragen wird, ist bei den Staaten im Osten und Südosten Europas ein völlig anderer Trend zu beobachten: Gerade die ärmsten Staaten in der EU und jene im Wartesaal der EU weisen den größten Bevölkerungsschwund auf.

Die Geburten- und Sterblichkeitsraten sowie die internationale Migration macht der UNO-Bericht als demografische Triebfedern der Veränderungen in den Bevölkerungszahlen aus: Um alle Faktoren ist es in den meisten Staaten Südosteuropas schlecht bestellt. Während die Zuwanderung in einigen Ländern wie Deutschland, Italien oder Russland sinkende Geburtenraten im letzten Jahrzehnt kompensieren konnte, hat die verstärkte Auswanderung den Bevölkerungsschwund in Südosteuropa noch verstärkt.

Jenseits der entleerten Schluchten des Balkans wird die Welt hingegen noch voller – und auch älter. Weltweit wird sich die durchschnittliche Lebenserwartung bis 2050 laut den UN-Prognosen von derzeit 72,6 auf 77,1 Jahre erhöhen, in den ärmsten Entwicklungsländern aber weiterhin 7,4 Jahre unter dem Mittel liegen: Statt wie bisher jeder elfte wird 2050 jeder sechste Erdenbürger mehr als 65 alt sein.

 

10,9 Milliarden bis zum Jahr 2100

Bis zum Ende des Jahrhunderts soll die Weltbevölkerung laut UNO rund 10,9 Milliarden Menschen umfassen, während beispielsweise Bulgarien von derzeit knapp sieben auf 3,7 Millionen Einwohner geschrumpft sein dürfte. Den geplagten Demografen bleibt zumindest langfristig ein kleiner Trost. Während die Weltbevölkerung zur Jahrhundertwende ihren Zenit erreicht und danach leicht schwinden dürfte, sollen sich die rückläufigen Bevölkerungszahlen in den meisten Staaten Südosteuropas nach 2100 stabilisieren – oder gar leicht zulegen.

Zusammenfassung des UN-Berichts: https://population.un.org/wpp/Publications/Files/WPP2019 Highlights.pdf Text.

Siehe auch die Kolumne „Gedankenlese“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      UNO-Prognose: Weltbevölkerung wächst, aber Balkanstaaten schrumpfen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.