In der Arktis brennt es seit Wochen

Am Polarkreis wüten - bedingt durch den Klimawandel - ungewöhnlich viele und schwere Brände, warnt die UNO. Allein im Juni hätten diese eine Menge CO2 abgegeben, die den jährlichen Gesamtemissionen Schwedens entspricht.

In Alaska entzündet sich täglich neue Feuer.
In Alaska entzündet sich täglich neue Feuer.
In Alaska entzündet sich täglich neue Feuer. – REUTERS

Seit Wochen toben heftige Brände in der Arktis. Laut der Weltorganisation für Meteorologie der UNO (WMO) sind derartige Feuer in der nördlichen Hemisphäre zwischen Mai und Oktober zwar nicht ungewöhnlich, in diesem Ausmaß aber beispiellos.

Die ungewöhnlich heißen und trockenen Bedingungen in Teilen der Nordhalbkugel führen zu Bränden vom Mittelmeer bis in die Arktis. Aufgrund steigender Temperaturen und veränderter Niederschlagsmuster erhöht der Klimawandel das Risiko für Waldbrände. Deren Intensität und Dauer seien aber besonders ungewöhnlich, betonte Mark Parrington, Experte für Waldbrände beim Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS). Seit Anfang Juni seien mehr als 100 Waldbrände am Polarkreis registriert worden. Allein im Juni hätten diese Brände 50 Megatonnen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre abgegeben, was den jährlichen Gesamtemissionen Schwedens entspricht.

Am schlimmsten seien die Feuer in Alaska und Sibirien, schrieb die WMO in einer Aussendung. Einige der Brände wüten auf Flächen im Ausmaß von 100.000 Fußballfeldern. Alleine in Alaska wurden heuer fast 400 Waldbrände registriert, und jeden Tag entzünden sich neue Feuer.

Brände wie seit 10.000 Jahren nicht mehr

Die durchschnittliche Juni-Temperatur in den Teilen Sibiriens, in denen Waldbrände toben, war fast zehn Grad höher als der Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Die Temperaturen in Alaska erreichten am 4. Juli Rekordhöchstwerte von bis zu 32 Grad. Dadurch entzündeten sich unter anderem entlang des Yukon entlang des Polarkreises Waldbrände. Die Hitzewelle in Europa Ende Juni löste auch Waldbrände in einer Reihe von Ländern aus, darunter Deutschland, Griechenland und Spanien.

Der nördliche Teil der Welt erwärme sich schneller als der gesamte Planet, hob die WMO hervor. Diese Hitze trocknet Wälder aus und macht sie anfälliger für Waldbrände. Einer kürzlich durchgeführten Studie zufolge brennen die borealen Wälder der Erde derzeit mit einer Geschwindigkeit, die es seit mindestens 10.000 Jahren noch nicht gegeben habe.

Zur Gefährlichkeit der direkten Brandgefahr kommen die durch die Verbrennung freigesetzten Schadstoffe - darunter Partikel und giftige Gase wie Kohlenmonoxid oder Stickoxide, die die Luftqualität noch in weit entfernten Regionen beeinträchtigen können. Waldbrände setzen Kohlendioxid in die Atmosphäre frei und tragen wiederum zur globalen Erwärmung bei.

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Brände könnten Auftauen des Permafrostes beschleunigen

Die arktische Umwelt sei besonders fragil und erwärme sich schneller als die meisten anderen Regionen. Landen Rauchpartikel auf Schnee oder Eis, absorbiert der Untergrund das Sonnenlicht, das es sonst eigentlich reflektieren würde, wodurch die Erwärmung in der Arktis beschleunigt wird. Brennen dort große Flächen, erhöht sich auch das Risiko eines weiteren Auftauens des Permafrostbodens, wobei Methan freigesetzt wird.

Je wärmer und trockener die Arktis ist, schrieb dazu das Fachmagazin "Spektrum der Wissenschaft", desto höher sei außerdem die Chance, dass die Torfschichten auf dem Permafrostboden selbst zu brennen beginnen und dabei ihren gespeicherten Kohlenstoff freisetzen. Allein der Torf der Arktis enthalte je nach Schätzungen zwischen 40 und 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff.

(APA)

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