Rund 60 Flüchtlinge angeblich an Filmset in Malta misshandelt

Das Team für den Film „Tolo Tolo“ wollte die Szenen realistischer wirken lassen. "Sie lassen diese Flüchtlinge noch einmal erleben, was sie durchgemacht haben“, sagt ein ehemaliges Crew-Mitglied.

Am Set eines italienischen Films in Malta sind laut einem Zeitungsbericht etwa 60 Flüchtlinge offenbar misshandelt worden, um die Szenen realistischer erscheinen zu lassen. Die ursprünglich aus Afrika stammenden Migranten seien als Statisten für den Film "Tolo Tolo" angeheuert worden, berichtete die "Times of Malta" am Mittwoch.

Die Szenen mit ihnen hätten durch die Misshandlung realistischer wirken sollen. Unter den Betroffenen waren demnach vier Kinder. Die Zeitung berief sich auf Mitglieder der Filmcrew, die berichteten, die Flüchtlinge hätten sechs Stunden lang ohne Trinkwasser in der prallen Sonne auf einem Boot ausharren müssen. Der Gang zur Toilette wurde ihnen demnach verwehrt. Bei den meisten Betroffenen habe es sich um Nichtschwimmer gehandelt. Eine schwangere Frau sei in Panik geraten, woraufhin sie von den Filmemachern an Land gebracht worden sei, schrieb die Zeitung.

Mindestens vier Mitglieder der Filmcrew hätten nach dem Zwischenfall gekündigt, hieß es in dem Zeitungsbericht. "Sie lassen diese Flüchtlinge noch einmal erleben, was sie durchgemacht haben, und das ohne jegliche Sensibilität oder Betreuung", sagte einer der ehemaligen Mitarbeiter.

Die maltesische Produktionsfirma Halo Pictures, die die Aufnahmen auf Malta betreut, wies die Vorwürfe zurück und betonte, nicht gegen örtliche Gesetze verstoßen zu haben. Alle notwendigen Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen seien getroffen worden. Firmenchef Engelbert Grech sagte, die Anschuldigungen seien ein Sabotageakt eines verärgerten ehemaligen Mitarbeiters. Die italienischen Produzenten des Films sagten laut "Times of Malta", die Anschuldigungen seien "aus dem Nichts gekommen".

Die maltesische Filmkommission, die sich dafür einsetzt, dass Filme auf der Mittelmeerinsel gedreht werden, hat nach eigenen Angaben eine Untersuchung zu den Vorwürfen eingeleitet.

(APA/DPA)

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