Nach dem Notre-Dame-Brand rückt der Blei-Putztrupp in Paris aus

Beim Brand der Kathedrale vor vier Monaten war tonnenweise Blei geschmolzen. Anrainer werfen den Behörden vor, das Risiko der Bleibelastung heruntergespielt zu haben.

Im Dach der Kathedrale war viel Blei, das sich durch den Brand auch auf der Île de la Cité verteilte.
Im Dach der Kathedrale war viel Blei, das sich durch den Brand auch auf der Île de la Cité verteilte.
Im Dach der Kathedrale war viel Blei, das sich durch den Brand auch auf der Île de la Cité verteilte. – APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN

In Paris haben am Montagabend die Reinigungsarbeiten im Umkreis der Kathedrale Notre-Dame auf der Île de la Cité begonnen, wo infolge des Brandes eine hohe Bleibelastung festgestellt worden war. Absperrungen wurden aufgebaut und Lastwagen lieferten Rohre und Pumpen für die Reinigung des Platzes vor dem mittelalterlichen Gotteshaus.

Tests hatten eine gefährlich hohe Bleibelastung auf dem Platz ergeben, ebenso wie in einigen nahegelegenen Schulen und anderen Gebäuden. Bei dem Brand der Kathedrale am 15. April waren das Dach und der Spitzturm der gotischen Kathedrale zerstört worden. Hunderte Tonnen hochgiftiges Blei, die dort verbaut worden waren, waren in der Hitze geschmolzen. Vor allem in der Dachkonstruktion und der Turmabdeckung der Kirche befand sich viel Blei. Der Wind blies die Partikel weit über das Kirchengelände hinaus.

Zehn Tage Großputz

Ein Gebiet von 10.200 Quadratmetern soll nun mittels verschiedener Säuberungstechniken gereinigt werden. Die Arbeiten sollen bis zum 23. August dauern. Der Prozess beinhaltet das Absaugen des Pflasters, welches dann geschrubbt und schließlich mit einem Hochdruckschlauch abgespült werden soll. Für einige Steine, Bänke und Laternen wird ein spezielles Gel eingesetzt, das drei Tage härten muss, bevor es samt schädlicher Teilchen entfernt wird. Auch abgestorbene Blätter sollen eingesammelt werden, berichtete der Sender BFMTV. Am Ende der Arbeiten werden erneut Proben entnommen.

Anrainer werfen den Pariser Behörden vor, das von der Bleibelastung ausgehende Risiko herunterzuspielen. Nachdem die Gefahr einer Bleivergiftung wochenlang zurückgewiesen wurde, gaben die Behörden Ende Juli zu, dass die Säuberungsmaßnahmen unzureichend gewesen seien. Zwei Schulen nahe der Kathedrale wurden geschlossen, nachdem ein gefährliches Kontaminationsniveau gemessen wurde.

Aufgrund der Gesundheitsbedenken wurden auch die Arbeiten an Notre-Dame vorübergehend eingestellt. Sie sollen am 19. August wiederaufgenommen werden. Neue Sicherheitsvorschriften und zusätzliche Ausstattung zur Dekontaminierung der Kleidung soll die Arbeiter auf der Baustelle dann schützen.

Die Pariser Staatsanwaltschaft teilte im Juni mit, eine Zigarette oder ein Kurzschluss könnten das Feuer ausgelöst haben. Ermittlungen wegen strafbarer Fahrlässigkeit wurden eingeleitet, ohne mögliche Verdächtige zu nennen.

(APA/dpa/AFP)

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