„Drogen so verfügbar wie Alkohol machen“

Drogenexperte Wood erläutert Wiener Erklärung, die er mit 31 weiteren Aids- und Drogenexperten verfasst hat.

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(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

WIEN(zoe). Die internationale Aids-Konferenz schließt mit der „Wiener Erklärung“, die der kanadische Mediziner Evan Wood gemeinsam mit 31 weiteren Aids- und Drogenexperten verfasst hat. Wood leitet das „Internationale Zentrum für Wissenschaft in der Drogenpolitik“ und ist Professor an der University British Columbia.

„Die Presse“: Worum geht es in der Wiener Erklärung?

Evan Wood: Beim Thema Drogen – und ein großer Teil der HIV-Positiven sind Süchtige – besteht eine Diskrepanz zwischen dem, was die Wissenschaft belegt, und dem, was die Politik macht. Weltweit kriminalisieren Regierungen Drogensüchtige. Die Wiener Erklärung ist ein Versuch, die Haltung zu ändern, dass ein Krieg gegen Abhängige geführt werden müsse. Illegale Drogen sind heute freier denn je erhältlich, sind reiner und werden immer billiger. Die Erklärung ist eine Forderung, das Geld anstatt für eine restriktive Drogenpolitik dafür auszugeben, die Abhängigkeit an den Wurzeln zu bekämpfen.

 

Soll mit der Wiener Erklärung der Weg für eine Legalisierung von Drogen geebnet werden?

Wood: Grundsätzlich sollten Drogen genauso leicht verfügbar sein wie Alkohol und Tabak. Das derzeit praktizierte Modell der Kriminalisierung funktioniert nicht. Organisierte Banden verkaufen Drogen auf den Schulhöfen. Das sollten wir regulieren. Der Terminus ist also nicht die „Legalisierung“, sondern die „Regulierung“ des Drogenmarkts.

 

Wie könnte diese aussehen?

Wood: Niemand will Heroin in einem Automaten auf der Straße anbieten. Jede Droge müsste individuell betrachtet werden. Stark Heroinabhängige etwa sollten Heroin oder Ersatzdrogen in einem kontrollierten Umfeld bekommen. So kann das organisierte Verbrechen ausgeschaltet werden. Drogen müssen endlich als Thema des öffentlichen Gesundheitswesens gesehen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2010)

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