Iran: "Auge-um-Auge"-Bestrafung nur verschoben

Die nach einem Säure-Attentat entstellte Iranerin Ameneh Bahrami wird ihrem Peiniger "definitiv unter ärztlicher Aufsicht" das Augenlicht nehmen, sagt Teherans Staatsanwalt.

Ameneh Bahrami
Ameneh Bahrami
(c) REUTERS (Stringer/iran)

Trotz der internationalen Kritik soll die geplante Blendung eines Säure-Attentäters im Iran stattfinden. Die Bestrafung nach dem Auge-um-Auge-Prinzip wurde nur verschoben und nicht aufgehoben. Das bestätigte der Generalstaatsanwalt von Teheran, Abbas Jafari Dolatabadi, am Sonntag.

Die von dem Mann mit Säure übergossene 32-jährige Ameneh Bahrami soll dabei ihrem Peiniger selbst eine ätzende Flüssigkeit in die Augen träufeln. Die Frau ist seit dem Attentat blind.

Die Prozedur werde "definitiv" unter ärztlicher Aufsicht ausgeführt, sagt der Staatsanwalt der Nachrichtenagentur Isna.

Verzicht für zwei Millionen Euro?

Bahrami hatte allerdings zuvor zwei iranischen Zeitungen gesagt, dass sie vielleicht bereit sei, für zwei Millionen Euro auf die Vergeltung zu verzichten. Beobachter glauben deshalb, dass die Staatsanwaltschaft in Teheran darauf wartet, dass die Familie des Täters das Geld doch noch aufbringen kann.

Der verurteilte Majid Mowahedi hatte Bahrami 2004 Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, weil sie seine Heiratsanträge abgelehnt hatte. Nach islamischem Recht erlaubt das Auge-um-Auge-Prinzip Opfern, dem Täter gleiches Leid zuzufügen.

Bahrami bekam 2008 deshalb in einem Gerichtsurteil das Recht zugesprochen, den Täter unter Betäubung mit Säure zu blenden. Er sitzt noch eine Gefängnisstrafe ab.

(APA)

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