25 Menschen in Flüchtlingsboot erstickt

Auf der Überfahrt von Libyen nach Lampedusa waren Abgase in ihr Quartier eingedrungen. Das völlig überfüllte Boot hatte drei Tage zuvor mit 271 Insassen an Bord in Libyen Richtung Italien abgelegt.

(c) EPA (ELIO DESIDERIO)

Lampedusa/Wien/Fm/Ag. Die italienische Küstenwache hat am Montag bei einem Rettungseinsatz vor der Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien 25 Flüchtlinge aus Afrika im Laderaum eines Flüchtlingsbootes tot aufgefunden. Sie waren dort an Motorabgasen erstickt.

Das völlig überfüllte Boot hatte drei Tage zuvor mit 271 Insassen (nach anderen Angaben 296) an Bord in Libyen Richtung Italien abgelegt und war vor Lampedusa in Seenot geraten. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa handelte es sich bei den Toten allesamt um junge Männer, die in einem Laderaum untergebracht waren.

Mitreisende verhinderten Flucht

In diesen waren schon seit der Abfahrt Abgase des Motors eingeströmt, doch weil das Boot so überfüllt war, verhinderten die anderen Flüchtlinge an Bord, dass die Männer im Laderaum ins Freie gelangen konnten. Wegen der Hitze setzte der Verwesungsprozess dann rasch ein, Beamte der Küstenwache berichteten von „unerträglichem Gestank“.

Auf dem gefährlichen Seeweg von Nordafrika nach Italien, vor allem nach Lampedusa, ereignen sich immer wieder erschütternde Flüchtlingstragödien. Die kleine Mittelmeerinsel ist eine zentrale Anlaufstelle für den Flüchtlingsstrom, der seit den Revolten im arabisch-nordafrikanischen Raum noch stark zunahm. Allein seit Jahresbeginn dürften zwischen 35.000 und 42.000 Menschen nach Lampedusa gekommen sein, davon etwa 11.000 aus Libyen. Im ersten Halbjahr 2011 starben auf der Überfahrt mindestens 1650 Personen.

Auf dem 20 Quadratkilometer großen Inselchen mit rund 4500 Einwohnern betreibt Italien seit Jahren ein Auffanglager. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat sowohl Rom als auch die europäischen Staaten dazu aufgerufen, die Überbelegung des Lagers zu senken, etwa durch Überstellung von Flüchtlingen aufs Festland.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2011)

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