Arztprozess in Dubai: Tauziehen um Heimreise

Die Behörden suchen eine Möglichkeit, wie der wegen Mordes angeklagte Mediziner zu seiner kranken Frau reisen darf. Der Oberösterreicher wäre beinahe auf einen falschen Anwalt reingefallen.

Scheich Maktum bin Mohammed bin Rashid al Maktum ist über den Fall des Oberösterreichers gut informiert.
Scheich Maktum bin Mohammed bin Rashid al Maktum ist über den Fall des Oberösterreichers gut informiert.
(c) EPA (ALI HAIDER)

Das Außenministerium kämpft weiterhin darum, dass der in Dubai wegen Mordes angeklagte Mediziner Eugen A. zu seiner schwer kranken Ehefrau nach Oberösterreich ausreisen darf. Scheich Maktum bin Mohammed bin Rashid al Maktum, einer der wichtigsten Politiker des Emirats, war bei den Gesprächen mit dem österreichischen Expertenteam über den Fall Eugen A. gut informiert, sagte Außenministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal.

Der Sohn des Emirs zeigte Verständnis für die humanitäre Situation der Familie des Oberösterreichers und für die Rechtslage in Österreich. Die Justizbehörde in Dubai hatte im Vorfeld eine Bürgschaft von Österreich verlangt, um Eugen A. für seinen Prozess wieder auszuliefern. Das konnte aus rechtlichen Gründen nicht garantiert werden, weil Österreich keine Staatsbürger ausliefern darf.

Obwohl der Mediziner schriftlich versprochen hatte, wieder zurückzukehren, wurde ihm die Ausreise zu seiner Frau nicht erlaubt. Eine Möglichkeit, wie die Heimreise des Bad Ischler Arztes umgesetzt werden kann, wird derzeit von den Behörden im Wüstenstaat geprüft. Details dazu wollte man aus taktischen Gründen nicht nennen, hieß es aus dem Außenministerium in Wien.

Ermittlungen gegen Konsul in Abu Dhabi

Der oberösterreichische Arzt wäre dabei fast auf einen Hochstapler reingefallen. Eugen A. hatte durch einen deutschen Freund Kontakt zum Syrer Mohamadziad Naim Al Kawadri, der sich laut "Kurier" als Vertrauensanwalt der österreichischen Botschaft in Abu Dhabi ausgegeben hatte. Dem Arzt sei rasch bewusst geworden, dass die Angaben des Syrers so nicht stimmen können, sagte Launsky-Tieffenthal.

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt mittlerweile auch gegen den Konsul in Abu Dhabi, Gerhard Dedic, wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und Veruntreuung. Er habe möglicherweise mit Kawadri gemeinsame Sache gemacht. Der "Kurier" hatte berichtet, dass der Syrer eine Schlüsselfigur bei illegalem Visahandel und Schlepperei sein soll. Der Syrer sei von dem österreichischen Konsul als Anwalt empfohlen worden, so der "Kurier" unter Berufung auf Betroffene. "Als wir von Unregelmäßigkeiten hörten, haben wir den Kontakt zu ihm abgebrochen", sagte Außenamts-Sprecher Launsky-Tieffenthal.

Wegen Mordes angeklagt

Eugen A. wird gemeinsam mit einem indischen Kollegen der Tod eines querschnittgelähmten Patienten durch Unterlassung von Hilfeleistung und die Gabe einer hohen Dosis Opiate im Februar 2009 im Rashid Hospital in dem arabischen Emirat vorgeworfen. Der Oberösterreicher soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Der indische Kollege war der diensthabende Arzt, als der Patient einen Herzinfarkt erlitt.

Laut Eugen A. war der Inder zu diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Patienten beschäftigt und hatte daher keine Zeit, den gelähmten Patienten zu reanimieren. Der Bad Ischler sei zum Zeitpunkt des Todes bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus gewesen. Der Prozess in Dubai wird am 25. September fortgesetzt.

(APA)

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