500.000 Münzen: Schatz aus Wrack gehört Spanien

Die US-Schatzsuchfirma barg 2007 einen gewaltigen Schatz von einer 1804 gesunkenen spanischen Fregatte und brachte ihn heimlich nach Florida. Das war illegal, so die Richter.

(c) Wikipedia

Atlanta/Madrid/Wien. Das US-Schatzsuchunternehmen „Odyssey Marine Exploration“ muss den wohl größten Silber- und Goldschatz, der je aus einem Schiffswrack geborgen wurde, Spanien übergeben – das entschied in der Nacht auf Donnerstag ein Berufungsgericht in Atlanta (US-Staat Georgia) und bestätigte das Urteil eines Gerichts in Florida von 2009.

Der Schatz umfasst 17 Tonnen Silber- und Goldmünzen (etwa 500.000 Stück) und andere Dinge, die ein Odyssey-Team 2007 vor Südportugal, ca. 60 Kilometer westlich des spanischen Hafens Cádiz, aus dem Wrack der spanischen Fregatte „Nuestra Señora de las Mercedes“ („Unsere gnadenreiche Muttergottes“) geholt hatte; es lag in 500 Meter Tiefe. Das Schiff kam aus Südamerika und wurde 1804 von Engländern versenkt. Der Wert des Schatzes könnte über den des Metalls hinaus bis zu 500 Millionen Dollar (ca. 370 Mio. Euro) betragen.

 

Lug und Trug der Amerikaner

Die Schatzsuche ist bis heute geheimnisumwittert, es wurde dabei viel gelogen. An sich wollte die Firma aus Florida ein anderes Schiff suchen, oder behauptete das zumindest. Im Mai 2007 ließ sie die Funde nach Florida fliegen, ohne den genauen Fundort und die Identität des Wracks bekannt zu geben. Spanien wurde nicht informiert. Die Regierung dort vermutete sofort, dass es ein spanisches Kriegsschiff war: Dann würde nach spanischem Recht und Völkerrecht das Wrack samt allem Zubehör Spanien gehören. Madrid klagte in den USA auf Herausgabe – und beide Instanzen bestätigten, dass das Wrack der Mercedes als Staatsschiff „souveräne Immunität“ genieße und nicht kommerziell genutzt werden dürfe. Spaniens Botschaft in Washington begrüßte das Urteil, Odyssey will weiter prozessieren.

Die Fregatte mit 300 Mann Besatzung und 36 Kanonen war eines von vier Schatzschiffen, die unter Konteradmiral José de Bustamante y Guerra im August 1804 Montevideo (Uruguay) mit Ziel Cádiz verließen. Sie beförderten über vier Millionen Dolares in Silber und Gold, 150.000 Goldbarren sowie Zinn, Kupfer, Wolle und Zimt. Da die Mercedes zuvor in Lima (Vizekönigreich Perú) beladen worden war, hatte sich übrigens auch Peru in den Prozess eingemischt und die Herausgabe der Münzen verlangt, was aber abgelehnt wurde.

 

Angriff mitten im Frieden

1804 waren Spanien und England im Frieden, Madrid aber hatte einen Geheimpakt mit Napoleon, der den Kriegseintritt Spaniens gegen die Briten verlangte. Als diese das erfuhren, wurden vier Fregatten unter Vizeadmiral Graham Moore entsandt, die Spanier abzufangen. Die ahnungslosen Spanier trafen am Morgen des 5. Oktober 1804 in Sichtweite Portugals auf die Briten, die zunächst einen Offizier auf das Flaggschiff „Medea“ sandten, um die Übergabe der Schiffe zu fordern. Bustamante lehnte ab.

Als ein englisches Schiff einen Warnschuss abgab, brach ein Gefecht aus. Eine Granate schlug in die Mercedes und traf ihr Pulvermagazin, worauf sie explodierte. Rund 250 Seeleute starben. Die anderen spanischen Schiffe wurden gekapert, ihre Fracht beschlagnahmt. Es war die letzte spanische Schatzflotte. Im Dezember 1804 erklärte Madrid London den Krieg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2011)

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