"Khat"-Verbot: Ein Kampf um die Lieblingsdroge

Vor allem bei somalischen Zuwanderern löst das Verbot der "Khat"-Pflanze in den Niederlanden heftige Reaktionen aus.

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(c) EPA (KOEN VAN WEEL)

Ein somalischer Mann läuft Khat kauend auf der Straße in Den Haag. Eine Einheimische sieht das. Wohl nicht wissend, warum der Mann sich die grünen Blätter ständig in den Mund steckt und darauf herumkaut, geht sie auf ihn zu und sagt: „Hier haben sie zwei Euro. Kaufen sie sich ein Brot dafür.“

Die Dame dachte wohl, dass der Mann hungere, kein Geld habe und deshalb Blätter esse. Doch es waren besondere grüne Blätter: jene von Khat. Das ist ein Strauch, der vor allem in Ostafrika und im Süden Arabiens wächst. Das Kauen der Blätter macht high: Sie enthalten Stoffe, die leicht anregen, etwa wie schwache Amphetamine, sie führen ein leicht rauschartiges Wohlgefühl herbei, größere Mengen aber Benommenheit.

Khat (auch „Qat“) wird vor allem von Jemeniten, Äthiopiern und Somali konsumiert, diese Nationalitäten, vor allem Somali, sind auch in den Niederlanden beheimatet. Vor Kurzem nun hat die Haager Regierung die Blätterdroge auf die Liste der verbotenen Betäubungsmittel gesetzt. In Europa ist damit der Handel mit bzw. der Konsum der lorbeerartigen Blätter des Strauchs nur noch in Großbritannien erlaubt.

 

„Khat behindert die Integration“

Integrationsminister Geert Leers begründete das Verbot damit, dass Khat die Integration der Somali in die Gesellschaft behindere und immer mehr Khat-Konsumenten regelrecht süchtig würden. Die Drogenklinik „Trimbos-Institut“ fand heraus, dass von den etwa 27.000 in den Niederlanden ansässigen Somali elf Prozent ein ernstes Drogenproblem haben, weil sie regelmäßig und zu viel Khat konsumieren – was längerfristig Nebenwirkungen wie Schlafstörungen und aggressives Verhalten zeitigt.

Mohammed, ein regelmäßiger Khat-Konsument, protestiert: „Ich fühle mich diskriminiert. Wir sind mit Khat aufgewachsen. Jetzt wird es uns einfach weggenommen. Wir sind keine Kriminellen“, sagt der 40-jährige Somali. Ahmed Abdulwahab, Vorsitzender der somalisch-niederländischen Organisation „Dalmar“, ist differenzierter: „Khat ist jetzt illegal. Aber was geschieht mit den Männern, die seit 20 Jahren oder mehr Khat kauen? Sie brauchen jetzt Hilfe“, fordert er in der Zeitung „De Volkskrant“.

Erleichtert ist dagegen Dagmar Oudshorn, Bürgermeisterin der Amsterdamer Vorstadt Uithoorn. Diese war bisher das Khat-Handelszentrum für Nordwest-Europa, weil die Gemeinde nah am Flughafen Schiphol liegt. Hunderte Autos, ja Lieferwagen fuhren hier ständig auf und ab, um Khat einzukaufen, das in Uithoorn in einer großen Lagerhalle gehandelt wurde, nachdem aus Kenia kommende Flugzeuge es in Schiphol angeliefert hatten. Denn Eile beim Khat-Handel ist geboten: Die Blätter wirken nämlich nur, wenn sie ganz frisch sind. Sind sie älter als drei Tage, ist ihre Wirkung „verraucht“.

 

„Werden Verbot durchsetzen“

„Wir haben uns seit Jahren für ein Verbot eingesetzt“, sagt Bürgermeisterin Oudshoorn. „Jetzt geht es darum, dass es eingehalten und durchgesetzt wird.“ Im Innenministerium lässt man daran keinen Zweifel. „Handel und Besitz von Khat sind strafbar. Das werden wir auch durchsetzen“, sagt Frank Wassenaar, Sprecher des Innenministeriums. „Die gesundheitlichen, sozialen und gesellschaftlichen Schäden des Khatkonsums waren der Grund, dass wir diese Droge jetzt verboten haben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2012)

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