Minus 28,9 Grad: Tannheim in Tirol als Kältepol

In Österreich sind Temperaturen unter minus 20 Grad seit Tagen verbreitet. In der Schweiz hatte es in einem Wohngebiet minus 35 Grad, in ganz Europa fordert die Kälte viele Tote. Die Prognose: Es bleibt eisig.

Minus Grad Gefriertruhe Tannheim
Minus Grad Gefriertruhe Tannheim
(c) EPA (ROBERT GHEMENT)

Wer sich derzeit in Österreich auf die Suche nach einem Ort begibt, an dem es Plusgrade hat, wird kläglich scheitern. Am Montagvormittag war Frohnleiten in der Steiermark der "Hotspot" - mit minus 8,9 Grad. Laut ZAMG hatte es in den Nachtstunden an insgesamt 67 Orten minus 20 Grad und darunter. "Gefriertruhe" des Landes war Tannheim in Tirol mit minus 28,9 Grad. Die Prognose für die kommenden Tage: Es bleibt eisig.

Eine überaus seltene, weil ungewöhnlich hartnäckige Frostperiode sorgt im Moment in weiten Teilen Europas für Rekordtiefstwerte. Auch in Österreich sind Temperaturen unter minus 20 Grad seit Tagen weit verbreitet - und zwar flächendeckend.

Hier einige Tiefstwerte aus den Bundesländern:

  • Schoppernau in Vorarlberg: minus 26,1
  • Litschau im Waldviertel (NÖ): minus 21,7
  • Rax (NÖ): minus 20,9
  • Salzburger Flughafen: minus 17,1
  • Bad Bleiberg in Kärnten: minus 17,0
  • Freistadt im Mühlviertel (OÖ): minus 17,3
  • Mattersburg im Burgenland: minus 13,2
  • Jubiläumswarte in Wien: minus 15,8

Prognose: Sonnig aber bitterkalt

Geht es nach den Meteorologen, dann wird sich in den kommenden Tagen auch nichts daran ändern. Strenger Frost mit Spitzenwerten unter minus 20 Grad werden Österreich weiterhin mit Polarfeeling beglücken. Dabei wird es zumindest sonnig sein, es ist aber auch mit ein wenig Neuschnee zu rechnen, vor allem im Süden und Osten. Am Donnerstag und am Freitag kann es vor allem in der Westhälfte Österreichs schneien.

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Schweiz: Minus 35 Grad in Wohngebiet

Die Kältewelle lässt auch einige Rekorde purzeln: In der Schweiz wurde in der Nacht auf Montag die tiefste jemals gemessene Temperatur auf bewohntem Gebiet gemessen. Minus 35,1 Grad zeigten die Thermometer in Samedan (Kanton Graubünden). Auf der Glattalp (Kanton Schwyz) wurden gar minus 45 Grad registriert.

Kältewelle: Eisige Uferlandschaft am Genfer See

Bereits über 300 Kältetote in Europa

Der hartnäckige Frost fordert in ganz Europa immer mehr Todesopfer. Seit Beginn der Kältewelle vor elf Tagen sind - vor allem in Osteuropa - bereits mehr als 300 Menschen erfroren.

Trauriger Spitzenreiter bei den Kältetoten bleibt weiterhin die Ukraine, wo offiziellen Angaben zufolge 135 Menschen erfroren sind. In Polen erfroren in den vergangenen 24 Stunden neun Menschen, zumeist betrunkene Obdachlose, die Gesamtopferzahl erhöhte sich damit auf 62. Wegen des unsachgemäßen Einsatzes von Öfen kam es vermehrt zu Bränden und Vergiftungen mit Kohlenmonoxid. Von Freitag bis Sonntag wurden landesweit über 1500 Brände gemeldet, die 15 Menschenleben forderten.

39 Kältetote in Rumänien, 23 in Litauen, 18 in Tschechien, 21 in Italien, zwölf in Ungarn allein am vergangenen Wochenende, 17 am Balkan, 64 in Russland. Und mit einer Entspannung der Situation ist Meteorologen zufolge nicht zu rechnen. Im tschechischen Kvilda im Böhmerwald, nahe der Grenze zu Bayern, wurden am Montag minus 39,4 Grad gemessen.

Kälte und Schnee auch am Mittelmeer

Selbst im Mittelmeerraum wurde ungewöhnliche Kälte registriert. Im Nordosten Tunesiens sank die Temperatur auf minus vier Grad, während mehrere Dörfer nach Schneefällen abgeschnitten waren. Auf der spanischen Urlauberinsel Mallorca waren bei minus 5,7 Grad die Badestrände von einer Schneeschicht bedeckt.

Ungewöhnlich weiß präsentierten sich auch die Hügel rund um die sizilianische Metropole Palermo. In Italien und Frankreich stieg der Stromverbrauch in schwindelerregende Höhen. In Serbien und Kroatien waren 70.000 Menschen in ihren Dörfern von der Außenwelt abgeschnitten.

Türkei: Bebenopfer bei minus 16 Grad in Zelten

Wesentlich prekärer ist die Situation im Osten der Türkei. Dort müssen nach dem verheerenden Erdbeben im Oktober trotz Temperaturen bis zu minus 16 Grad rund 7500 Menschen noch immer in Zelten ausharren. Der Gouverneur von Van, Münir Karaoglu, erklärte, bisher seien 28.500 Container aufgestellt worden. Bei dem schweren Erdbeben im Oktober waren in Van mehr als 600 Menschen ums Leben gekommen.

(Ag./Red.)

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