Lehrerprotest: "Nicht lustig? Aber spektakulär!"

Lokalaugenschein im BG Kundmanngasse: „Es gibt in dem Gesetzesentwurf einfach nichts, was die Qualität der Schule steigert“, sagt die Direktorin.

(c) Stanislav Jenis

Die Streikbereitschaft ist am BG Kundmanngasse im dritten Wiener Gemeindebezirk zu hundert Prozent da. „Es geht darum, dass dieser 17. Dezember nicht passiert“, sagt Schulleiterin Marion Waldmann. Dieser 17. Dezember: Das ist der Tag, an dem die Regierung das neue Lehrerdienstrecht durchs Parlament schicken will. Und das wollen die Pädagogen unbedingt verhindern. Wie in allen allgemeinbildenden höheren (AHS) und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) österreichweit haben auch die Lehrer in der Kundmannstraße am Donnerstag mit einer Dienststellenversammlung gegen das geplante Dienstrecht protestiert.

„Der Absturz ist vorprogrammiert“, steht auf einem knallroten Plakat, darauf ein abstürzendes Flugzeug. „Stop Dienstrecht“, steht auf dem nächsten Plakat. „Bildungs-Talfahrt durch neues Lehrerdienstrecht“ auf dem dritten. „Es gibt in dem Gesetzesentwurf einfach nichts, was die Qualität der Schule steigert“, sagt Direktorin Waldmann.

"Die gehen mit Burn-out raus"

Die zentralen Kritikpunkte sind bekannt: Da ist einerseits die Arbeitszeit. Dass jeder Pädagoge laut dem neuen Dienstrecht grundsätzlich 24 Stunden pro Woche unterrichten soll – egal, ob Turnen oder Mathematik – sei inakzeptabel. Dass Junglehrer, die derzeit mit sechs bis acht Wochenstunden Unterrichtspraktikum einsteigen, von Anfang an voll unterrichten sollen, sei sogar gefährlich: „Die gehen da ja mit einem Burn-out wieder raus“, sagt eine Lehrerin.

Dann ist da noch die Frage nach dem Master. Und das fachfremde Unterrichten, das laut Reform künftig auch an AHS möglich sein soll, sprich: Dass Pädagogen Fächer lehren, die sie gar nicht studiert haben. Hier setzt eine der Maßnahmen an, die im gut gefüllten Konferenzzimmer in der Kundmanngasse diskutiert wird: Man könne doch einfach eine Zeitlang, zwei Tage vielleicht, fachfremd zu unterrichten. Der Mathematiklehrer Deutsch, der Sprachlehrer Physik. „Das wird nicht lustig“, wirft eine Kollegin ein. „Aber umso spektakulärer“, gibt ein Lehrer zurück.

"Denke an die Zukunft Österreichs"


Das Ziel: Die Lehrer wollen vor allem die ihrer Meinung nach falsch informierte Öffentlichkeit auf ihre Seite ziehen. Der Tenor im Konferenzzimmer: Es geht um viel mehr als bloß um einen Arbeitskampf. Es geht um die Schule. Das zeige sich schon alleine daran, dass sie bereit seien, für jemand anderen zu streiken, erklärt ein Lehrer. Erst jene Lehrer, die im Herbst 2019 beginnen zu unterrichten, werden verpflichtend nach dem neuen Modell angestellt. „Es geht nicht um mich persönlich“, sagt ein Kollege. „Ich denke an die Zukunft des ganzen Landes.“

„Noch ist die Hoffnung da, dass der heutige Tag etwas bewirkt“, sagt Direktorin Marion Waldmann. Und was, wenn nicht? „Es wird nicht hingenommen werden“, sagt eine Lehrerin. „Wenn notwendig, wird es über Monate hinweg Maßnahmen geben, oder länger.“ Denn, so der Tenor: Auch mit einem Beschluss im Parlament sei die Sache noch längst nicht zu Ende. Immerhin dauere es noch mehr als fünf Jahre, bis das neue Dienstrecht tatsächlich im großen Stil starten wird.

(beba)

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