Der Weg zum klaren Klang

Wenn ein Konzert besser klingt, ein Gesprächspartner am Handy besser zu verstehen ist oder ein Auto angenehmere Geräusche macht, ist dafür meist ein Akustiker verantwortlich.

Eine gelungene Aufnahme braucht einen guten Toningenieur. Akustiker haben aber noch viele weitere Aufgaben.
Eine gelungene Aufnahme braucht einen guten Toningenieur. Akustiker haben aber noch viele weitere Aufgaben.
Eine gelungene Aufnahme braucht einen guten Toningenieur. Akustiker haben aber noch viele weitere Aufgaben. – (c) Pixabay

Akustik ist als mechanisches Phänomen ein Teilgebiet der Physik“, sagt Pjotr Majdak vom Institut für Schallforschung der Akademie der Wissenschaften und Präsident der Audio Engineering Society Austria (AES). Entsprechend werde Akustik oft als Spezialisierung im Rahmen eines Physikstudiums gelehrt. Hier habe es vor allem in der numerischen Simulation große Fortschritte gegeben. Allerdings fehle in der Physik der Fokus auf die Wahrnehmung. So seien etwa Dezibel ein gutes Maß für gleichbleibenden Lärm, die subjektive Wirkung von veränderlichen Geräuschen sei aber komplexer. Auch Aspekte wie Sprachverständlichkeit oder räumliche Wahrnehmung spielen bei Anwendungen wie Handys, Hörgeräten oder Virtual Reality eine große Rolle. Neben Erkenntnissen zur Sprachverständlichkeit, die langsam in die Praxis einfließen, sei es etwa heute Standard, Hörgeräte für beide Ohren nicht isoliert, sondern jeweils aufeinander abgestimmt anzupassen.

 

Sprache besser verstehen

Die Sprachverständlichkeit ist auch ein Schwerpunkt des Studiums Toningenieur-Elektrotechnik, das als Bachelor- und Masterstudium in einer Kooperation der TU Graz mit der Kunstuni Graz angeboten wird. Das Studium sei recht umfassend angelegt, sagt Alois Sontacchi, Curriculumsleiter und Professor für Akustik und Audiotechnik an der Kunstuni Graz. Im Masterstudium gibt es vier Vertiefungen, zu denen jeweils im Bachelorstudium die Grundlagen gelehrt werden. Neben „Signalverarbeitung und Sprachkommunikation“ ist vor allem die Vertiefung „Embedded Audio“ aktuell und laut Sontacchi verstärkt gefragt. Hier geht es um Mikrofone und Lautsprecher, wie man sie in Handys, Autos und – nicht zuletzt aufgrund des Vormarsches der Sprachassistenten – in vielen weiteren Alltagsprodukten findet. Auch wenn die elektronische Signalverarbeitung einen wesentlichen Beitrag leiste und die Bauteile immer besser würden, seien auch die richtige Platzierung und genügend Raum für Mikrofone entscheidend. „Akustik braucht Platz“, weiß der Experte. Oft ginge es aber auch um einfache Dinge – etwa Freisprech-Mikrofone im Auto nicht bei den Ventilatoren einzubauen. Angesichts der Anforderungen nach hoher Qualität trotz Miniaturisierung seien die Absolventen jedenfalls sehr gefragt und würden „von der Industrie aufgesogen“.

Die Vertiefung „Akustik und Aufnahmetechnik“ entspreche am ehesten dem klassischen Bild eines Toningenieurs. Hier geht es unter anderem um Veranstaltungsräume, wobei sowohl physikalische als auch elektronische Maßnahmen eingesetzt werden. Zunehmend an Bedeutung gewinnen die Themen 3-D und Augmented Reality. „Es geht um das Gefühl, vor Ort zu sein“, sagt Sontacchi. Die Vertiefung „Computermusik und Multimedia“ schließlich sei die künstlerischste Schwerpunktsetzung. Auch hier „schreitet die Technik irrsinnig fort“, sagt Sontacchi. Themen sind etwa algorithmische Kompositionen oder Musikinformatik.

Neben dem letztlich technischen Diplomingenieursstudium mit der TU Graz kooperiert die Kunstuni Graz auch mit der FH Joanneum. Gemeinsam wird seit 2015 ein berufsbegleitender Master of Arts in Sound Design angeboten. Auch hier gibt es vier Schwerpunkte, nämlich Games, Bewegtbild und Ton, Produktklangdesign und akustisches Datendisplay. Beim Produktklangdesign geht es laut Sontacchi darum, dass neben Optik und Haptik auch die Akustik – etwa das Betriebsgeräusch oder der Klang beim Schließen einer Autotür – einen Eindruck über die Qualität des Produkts vermittelt. Beim akustischen Datendisplay sollen Töne intuitiv Informationen liefern. „Ein einfaches Beispiel sind die Systemtöne bei Windows“, erklärt Sontacchi. Eine aktuelle Anwendung sei das Motorgeräusch bei E-Mobilen, das dem Fahrer besser als Displays ein Gefühl für Geschwindigkeit und Leistungsreserven vermittelt. „Man kann über die Akustik einiges mitbekommen“, erklärt der Experte.

Als positiven Aspekt sieht Sontacchi die unterschiedlichen Herangehensweisen von technischer und künstlerischer Seite. Wie auch beim Master an der TU Graz sei aber beim Master Sound Design die Herausforderung, die Bachelorabsolventen aus verschiedenen Studien auf einen einheitlichen Wissensstand zu bringen.

 

Innen- und öffentliche Räume

Vor allem mit der baulichen Seite der Akustik befasst sich der zweisemestrige, berufsbegleitende Lehrgang Akustik & Design der New Design University (NDU) in St. Pölten. Thema ist nicht nur Lärmschutz, sondern generell die Schaffung einer akustisch angenehmen Umgebung, sei es im öffentlichen Raum oder in Innenräumen, von Veranstaltungshallen über Bildungseinrichtungen bis zu Privaträumen. Dabei wird auf die Gestaltung Wert gelegt, wie Studiengangsleiter Helmut Kienast betont. „Wir wollen Akustik entkoppeln vom langweiligen Image und Design in den Mittelpunkt stellen.“ Zudem verweist Kienast auf die wirtschaftlichen Aspekte von Akustik, etwa in (Großraum-)Büros. Vermittelt werden die Inhalte praxisorientiert anhand von „Best Case/Worst Case“-Beispielen. Besondere Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Zielgruppe des Lehrgangs sind Architekten, Bauingenieure, Stadtplaner sowie Tontechniker und Produktdesigner. Entsprechend heterogen sind laut Kienast die Teilnehmer.

INFORMATION

Hörgeräteakustiker. Die Anpassung von Hörgeräten inklusive der entsprechenden Beratung ist das Tätigkeitsfeld des Hörgeräteakustikers, einem Lehrberuf mit dreijähriger Lehrzeit. Im zweiten Bildungsweg kann man sich innerhalb von 18 Monaten zum Hörgeräteakustiker ausbilden lassen. Entsprechende Kurse werden etwa vom Wifi Tirol, der „Optometrie & Hörakustik Initiative“ (OHI) oder auch von großen Herstellern angeboten.

www.tirol.wifi.at, www.ohi.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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