Lebensmitteldesign: Wurstsemmel nach Norm

Welche Ansprüche Lebensmittel erfüllen müssen und mit welchen Tricks die Industrie nachhilft.

(c) Stanislav Kogiku

Wien. Wenn wir auf Chips beißen, müssen sie knusprig sein, aber vor allem so tönen. Denn tönt ein Chip knusprig, so signalisiert das unserem Gehirn Frische. Bis hin zur Konsistenz und dem Bisswiderstand ist jedes kleinste Detail eines Erfolgsprodukts durchstrukturiert und perfekt auf den Kundenwunsch angepasst. Damit das auch gelingt, hat jedes größere Lebensmittelunternehmen eine eigene Food-Design- und Marketing-Abteilung, die einiges zu tun hat.

Doch welche Tricks verwendet die Lebensmittelindustrie, damit ihre Produkte in den Einkaufswagen landen? Wie müssen Lebensmittel designt sein, damit sie für den Kunden ansprechend sind? Das erklärte die Designspezialistin Katrin Kober rund 20 Jugendlichen in einem Workshop.

Zuerst geht es um eine ansprechende Optik. Ein perfektes Foto von einem stundenlang hergerichteten Produkt wird mit Photoshop bearbeitet und an der Verpackung aufgebracht. Bei Obst und Gemüse sorgt die Farbe der Lichtquelle für einen frischen Look und bei Fleisch für eine tiefrote Farbe. Hat es das Produkt (dank dieser Tricks) zu uns nach Hause geschafft, so muss es sich schon den nächsten Anforderungen stellen. Diese beginnen beim Auspacken. Wie einfach ist die Verpackung zu öffnen, wie geschickt ist das Produkt portioniert? Sieht es noch immer so aus wie auf dem Bild? Auch der Geruch spielt dabei natürlich keine unwesentliche Rolle. Er beeinflusst maßgeblich, wie appetitanregend das Lebensmittel auf uns wirkt.

Doch das nützt alles nichts, wenn das Lebensmittel die Normen nicht erfüllt und es somit gar nicht in das Supermarktregal schafft. Normen haben natürlich mitunter den Sinn, dass die genormte Aufschnittwurst genau in die genormte Semmel passt. Aber nicht nur die Größe ist durch sie festgelegt, auch die Bezeichnung des Produkts unterliegt oftmals Normen. Milch darf sich beispielsweise nur mit unter 0,5 Prozent Fettgehalt Magermilch nennen. Und um überhaupt in den Handel zu gelangen, muss das Produkt Qualitätskriterien wie Keimzahl und Mindesthaltbarkeitsdatum erfüllen.

 

Eine Praline für zwei Personen

Die Normen spielten im Workshop keine Rolle. Dort designten die Elf- bis Zwölfjährigen Pralinenduos, also eine Schokolade, die zum Teilen gedacht ist. Hierbei konnten sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen, Formen erstellen und mit Schokolade ausfüllen. Und sie konnten sich so kurz in die Arbeit eines Food-Designers hineinversetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2018)

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