Klima-Demo: „Fehlstunden verkraftet man“

Mehr als 10.000 Schüler gingen am Freitag in Wien auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

WIEN: KLIMA-DEMO - 'FRIDAYSFORFUTURE'
WIEN: KLIMA-DEMO - 'FRIDAYSFORFUTURE'
„Wir streiken, bis ihr handelt“: Mehr als 10.000 Schüler und Studenten versammelten sich am Freitag in der Wiener Innenstadt mit der klaren Botschaft an die Politik, sich stärker für den Klimaschutz einzusetzen. – APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Die Botschaft, die Tabea auf ihr Plakat geschrieben hat, ist simpel: „Rettet unser Klima“, steht in Weiß auf Rot auf dem Schild der 14-Jährigen, die mit ihrem blonden Zöpfen ihrem großen Vorbild Greta Thunberg verblüffend ähnlich sieht. Wie die 16-jährige Schwedin, die die weltweiten Schülerdemos gegen den Klimawandel ins Rollen gebracht hat, hat Tabea das Asperger-Syndrom. Was sie aber nur noch mehr bestärkt habe, an diesem Freitag für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Ob sich etwas ändern werde? „So viele Leute kann man nicht ignorieren“, meint Tabea hoffnungsvoll mit Blick über den prall gefüllten Heldenplatz.

Mehr als 10.000 Schüler und Studenten nahmen der Polizei zufolge in Wien an den Protesten unter dem Motto „Fridays for Future“ teil, die Veranstalter sprachen gar von 25.000 Personen. Aus fünf verschiedenen Richtungen waren die Jugendlichen zur ersten Großkundgebung auf dem Heldenplatz gezogen. Dort vermochten die Redner die Menge zunächst nicht so recht anzuheizen. Das taten die Jugendlichen schon selbst, indem sie mit auf den Rücken geschnallten Boxen zu Liedern wie „Hey, wir wollen die Eisbären sehen“ und „Wir singen im Atomschutzbunker, hurra, diese Welt geht unter“ tanzten. Kreativ waren auch die Plakate, fast jeder der Schüler hatte eines mitgebracht.

Schülerdemo fürs Klima:: ''Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel nicht''

Der 15-jährige Simon hatte seines – eine im kochenden Wasser schwimmende Erde – sogar in der Schule gemalt, mitgekommen sei der Lehrer aber nicht. „Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel nicht“, spielt ein anderes Schild auf die Diskussionen an, ob Schüler trotz Schulpflicht demonstrieren dürften. Am Freitag gingen Schulen in Wien dann unterschiedlich mit der Teilnahme der Kinder und Jugendlichen um. Ganze Volksschulklassen samt Lehrern waren mit von der Partie, viele ältere Schüler dagegen zumeist mit Klassenkameraden unterwegs.

Ein AHS-Lehrer erzählte, er habe die Demo als Exkursion angemeldet. Kombiniert mit einer Schulstunde in politischer Bildung sei dies von der Direktorin genehmigt worden. An anderen AHS wurde signalisiert, dass ein Mitgehen bei der Demo zwar streng genommen keinen Entschuldigungsgrund für ein Fernbleiben von der Schule darstelle, es aber auch keine Konsequenzen gebe. Laut Schulpflichtgesetz sind bei wenigen Fehlstunden allenfalls Zurechtweisungen, Gespräche mit den Eltern oder etwa das Nachholen von Versäumtem vorgesehen. Im Vorfeld war teilweise auch die Rede von Auswirkungen auf die Betragensnote. Unterstützung bekamen die Schüler von vielen Eltern, die vor allem die jüngeren Kinder begleiteten, aber auch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Ihr jungen Leute gebt mir Hoffnung“, schrieb er auf Twitter.

Demos auch in Innsbruck, Salzburg

Hinter einer großen, zehnmal so schnell tickenden Wiener Würfeluhr zog die Menge in Wien vom Heldenplatz zum Bundeskanzleramt, wo es noch einmal richtig laut wurde. „Bruder Basti, schläfst du noch?“, wurde angestimmt, bevor die Menge bis zum Verkehrsministerium zog. Große Demos gab es auch in den Landeshauptstädten, die meisten Schüler kamen in Innsbruck, wo 4000 Jugendliche teilnahmen, und in Linz, wo mit 3000 deutlich mehr als erwartet teilnahmen. Ebenfalls demonstriert wurde in Salzburg, Graz, Klagenfurt, Bregenz und Eisenstadt. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt.

Dank der großen Zahl hoffen die Organisatoren, bezüglich mehr Klimaschutz politisch Druck machen zu können. Am Montag treffen sie Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), deren Tür für die Anliegen der Schüler „jederzeit offen“ stehe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2019)

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