Lehrer sollen zurück ins Gymnasium

Jene AHS- und BHS-Lehrer, die an Neuen Mittelschulen unterrichten, sollen wieder an ihre Stammschule, fordert das Ministerium – und sägt damit an einem Grundpfeiler.

Symbolbild.
Symbolbild.
Symbolbild. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Es war einst einer der Grundpfeiler der Neuen Mittelschule – doch nun ist es ein Auslaufmodell. Die Rede ist vom schultypenübergreifenden Lehrereinsatz. Ausgebildete Hauptschullehrer sollten zumindest ein paar Stunden gemeinsam mit AHS- bzw. BHS-Lehrern unterrichten. Das wird nicht mehr lange so sein. „Dieses Modell wird stufenweise auslaufen“, sagt Martin Netzer, Generalsekretär im Bildungsministerium, zur „Presse“.

Derzeit unterrichten laut Zahlen des Ministeriums 1506 AHS- bzw. BHS-Lehrer an Mittelschulen. „Diese sollen mittelfristig an die Stammschulen zurückgeführt werden“, sagt Netzer. Das würde aber wohl noch „vier, fünf oder mehr Jahre“ dauern. Grundsätzlich will das Ministerium das „komplizierte und schwerfällige“ System beenden. „Wir brauchen es nicht mehr. Es geht auch billiger“, so der Generalsekretär.

Das sah in der Geburtsstunde der Neuen Mittelschule noch ganz anders aus. Damals war es Pflicht in den Teamteachingstunden, also beim gemeinsamen Unterricht zweier Lehrer, einen Lehrer aus der NMS und einen aus der AHS bzw. BHS einzusetzen. Als die Mittelschule zur Regelschule wurde, wurde diese Vorschrift gelockert. Es war nämlich stets schwierig, Lehrer dafür zu finden.

 

Eine Million Euro Reisekosten

Der Unterricht von AHS- und BHS-Lehrern an Mittelschulen habe eines hohen administrativen Aufwands bedurft. Und auch viele finanzielle Ressourcen gebunden, argumentiert das Bildungsministerium. Durch den Einsatz von AHS- bzw. BHS-Lehrern an Mittelschulen seien alleine in den letzten drei Jahren mehr als eine Million Euro an Reisekosten angefallen. Für das Pendeln von Schule A zu Schule B. Das soll eingespart werden und den Bildungsdirektionen für Sachaufwand zur Verfügung stehen.

Es soll keine Lehrperson gekündigt werden. Das Bildungsressort setzt auf Pensionierungen und auf freiwillige Wechsel des Dienstgebers. Die AHS- und BHS-Lehrer, die bereits an Mittelschulen tätig sind und weiter dort bleiben wollen, sollen von Bundeslehrern zu Landeslehrern werden. Inklusive Gehaltseinbußen.

Für die Mittelschulen könnte diese Maßnahme zum personellen Problem werden. Sie verlieren 1500 Lehrer. Die arbeiten zwar meist nicht Vollzeit an den NMS, leisten aber dennoch 16.000 Wochenstunden, die kompensiert werden müssen. Verschärft wird das Personalproblem durch die neue Lehrerausbildung. Unis und Pädagogische Hochschulen bilden die künftigen Lehrer gemeinsam aus. Das befähigt alle Absolventen, sowohl an einer Mittelschule als auch an einem Gymnasium zu unterrichten. Kritiker befürchten, dass das den Mittelschulen schadet.

Sowohl durch die neue Lehrerausbildung als auch durch das neue (ebenso einheitliche) Dienstrecht fällt die Trennung zwischen den Lehrertypen ohnehin. Langfristig wird es also schon alleine deshalb keine AHS- bzw. BHS-Lehrer mehr an den Mittelschulen geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2019)

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