Kritiker hinterfragen Ergebnisse der PISA-Studien

Im Mittelpunkt der PISA-Studie 2006 standen die Naturwissenschaften. Hauptsächlich werden zwei Punkte kritisiert: Das Rankingwesen und methodische Detailfragen.

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(c) Clemens Fabry

Alle drei Jahre sorgen die Ergebnisse der PISA-Tests für Aufsehen. Am 4. Dezember ist es wieder soweit: Die Auswertungen der neuesten Studie werden präsentiert.

Das "Programme for International Student Assessment" (PISA) misst alltagsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schüler. Bei der im April und Mai 2006 durchgeführten PISA-Studie standen die Naturwissenschaften im Mittelpunkt. Mehr als 50 Prozent aller Testaufgaben umfassten dieses Gebiet. Ein Sechstel erfasste das Leseverständnis und rund ein Drittel die Mathematik-Kompetenz.

Die Testaufgaben waren in mehrere Blöcke der verschiedenen Gebiete zu je 30 Minuten Arbeitszeit organisiert. Jeder getestete Schüler erhielt vier Blöcke, wobei nicht unbedingt einer aus jedem Gebiet dabei sein musste. Insgesamt ergab sich also eine Arbeitszeit von zwei Stunden.

Der Test beinhaltete Multiple-Choice-Aufgaben, kurze offene Fragen und komplexe offene Aufgaben. Im Anschluss an den eigentlichen Test, der anonym durchgeführt wurde, wurde eine 45-minütige Erhebung durchgeführt, die unter anderem demographische Daten, sozioökonomischen Hintergrund, Schullaufbahn, sowie Einstellung zu und Interesse an naturwissenschaftlichen Themen erhob.

Kritik an PISA-Studie

Das mediale Echo auf die beiden vorhergehenden PISA-Studien hat auch Kritiker der Schüler-Leistungstests hervorgerufen. Dabei gibt es zwei Kritik-Linien: Einerseits wird das Rankingwesen und die Auswahl der abgetesteten Kompetenzen in Frage gestellt, andererseits geht es um methodische Detailfragen.

Den „Wahn der Rangliste“ sehen Kritiker wie der Philosoph Paul Liessmann hinter PISA. Außerdem steht zur Diskussion, ob die abgefragten Bereiche des PISA-Tests überhaupt zu den Hauptlernzielen der österreichischen und deutschen Schulen zählen.

Verkauf im Vordergrund - Bildung steht hinten an

Ebenfalls Opfer der Kritik ist die Wirtschaftsorganisation OECD als Studienveranstalter. Da das Studiendesign von privaten Organisationen erstellt wurde, soll man mittlerweile von einer „Testindustrie“ sprechen können. Kritiker unterstellen, der Verkauf in möglichst viele Länder steht im Vordergrund und nicht Fragen der Bildung.

Mangelnde Vergleichbarkeit der Ergebnisse

Österreichische Statistiker haben auf die mangelnde Vergleichbarkeit der Studienergebnisse der Jahre 2000 und 2003 hingewiesen:

2000 waren die schlechter lesenden und rechnenden männlichen Berufsschüler in der Stichprobe unterrepräsentiert, was zu einem besseren Gesamt-Ergebnis führte. Außerdem wurden die Werte jener Schüler, die nicht Aufgaben aller Testgebiete lösen mussten, nach einer anderen statistischen Methode ermittelt.

Obwohl die letzten beiden Studien Kritikpunkte aufwarfen, sehen die Statistiker die Tests und deren Auswertung insgesamt "auf extrem hohem Niveau". Die Grundaussagen treffen durchaus zu und Rankings sind ohnehin immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Am 4. Dezember wird sich zeigen, wie österreichische Schüler dieses Jahr bei der PISA-Studie abgeschnitten haben.

(Ag./Red.)

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