Kunst- und Kulturmanagement: Kunstvolle Kassaführung

Nüchterne Lerninhalte für die erfolgreiche Vermarktung des Erhabenen. Künstler wollen ihre Werke verkaufen, Museen Besucher anlocken, Theater ihre Säle füllen.

(c) APA (MORITZ SCHELL)

Künstler wollen ihre Werke verkaufen, Museen Besucher anlocken, Theater ihre Säle füllen. Kunst- und Kulturschaffende sind gut beraten, mit Kulturmanagern und PR-Experten zusammenzuarbeiten, um ihre Produkte gemeinsam an den Konsumenten zu bringen. Inzwischen hat sich dazu auch eine Palette an postgradualen Ausbildungen etabliert. Die Studierenden kommen aus den verschiedensten Fachbereichen – ein guter Teil davon auch aus dem Kulturbetrieb.

Kultur und Wirtschaft in Kontakt

An der Uni für angewandte Kunst in Wien wird im MAS-Lehrgang „Art & Economy“ versucht, den Kunstsektor mit der Wirtschaftswelt in Kontakt zu bringen. Die zweijährige Ausbildung richtet sich sowohl an Wirtschaftsabsolventen als auch an Personen aus dem Kulturbetrieb, betont Lehrgangsleiterin Silke Petsch. „Art & Economy ist eine Zusammenschau von Kunst und Wirtschaft. Wir decken nicht nur die wirtschaftliche Komponente bis hin zur Businessplanung ab, sondern versuchen die Anknüpfungspunkte von Kunst und Wirtschaft genauer zu untersuchen und darzustellen.“ Der Lehrgang startet jährlich mit 20 Plätzen, die Nachfrage ist allerdings weitaus höher: „Wir erhalten rund 250 Anfragen europaweit pro Jahr“, so Petsch.

Ebenfalls an der Angewandten angesiedelt ist der alle zwei Jahre startende Masterlehrgang für Ausstellungspraxis und Theorie „ecm – educating curating managing“. Dieses berufsbegleitende Studium widmet sich der Entwicklung, dem Ausstellen und der Vermittlung von Wissen in den Bereichen Kunst- und Kulturgeschichte, Gegenwartskunst, Technik, Natur und Wissenschaft. Auch dieser Lehrgang schließt mit dem akademischen Grad „Master of Advanced Studies“ (MAS) ab.

Die Uni für darstellende Kunst wiederum bietet das MAS-Studium „Kulturmanagement“ an. Dabei wird „ein interdisziplinärer Ansatz mit generalistischer Ausrichtung“ angestrebt, so Katharina Pfennigstorf, die die operative Leitung des Studiengangs innehat. Auf die Spezialisierung auf eine Kunstsparte wird also verzichtet. „Unsere Absolventen werden auf Führungsrollen im Kulturbetrieb vorbereitet. Außerdem legen wir einen besonderen Fokus auf den österreichischen Kulturbetrieb“, so Pfennigstorf. An der Uni für darstellende Kunst kann man in diesem Bereich auch bereits auf viel Erfahrung zurückblicken. Seit 1975 gibt es diese Ausbildung, wenn auch in anderer Organisationsform.

„Kultur & Organisation“ nennt sich ein ähnliches Studienangebot, das vom Institut für Kulturkonzepte in Kooperation mit der Universität Wien veranstaltet wird. Auf dem Lehrplan des einjährigen Lehrgangs, der mit einem Postgraduate-Diplom der Uni Wien abschließt, stehen u. a. Projektmanagement, Marketing und Teamführung. Ein Schwerpunkt wird dabei auf interkulturelle Kompetenzen und Netzwerkarbeit gesetzt. Aufgenommen werden vorrangig Personen, die bereits seit drei Jahren oder länger im Kulturbetrieb tätig sind – ohne Einschränkung auf spezielle Kunst- beziehungsweise Kultursparten.

Das Institut für Kulturkonzepte bietet zudem auch die beiden Zertifikatskurse „Kulturmanagement“ sowie „Kunst- und Kulturvermittlung“ an. Während der Lehrgang 14 Module umfasst, sind im Rahmen der beiden Zertifikatskurse nur jeweils sieben Seminare zu besuchen. Kurse im Bereich Kulturmanagement können auch während der jährlichen Sommerakademie des Instituts belegt werden.

 

Kultur überschreitet Grenzen

Der Studiengang „Interkulturelle Kompetenzen“ an der Donau-Universität Krems geht von einem Managementkonzept aus, das an kulturübergreifenden Aktivitäten ansetzt. Ein wesentliches Ziel dieses Studiengangs sei die Kenntnis von Lebenswelten, Werten und kulturellen Selbstverständlichkeiten von Angehörigen anderer Kulturen, sagt Lehrgangsleiterin Christiane Hartnack. Der viersemestrige postgraduale Lehrgang schließt mit dem „Master of Arts“ (MA) ab. Die Teilnehmer lernen darin den Umgang mit kulturellen Besonderheiten von Personen, die sowohl im Inland (etwa Migranten) als auch im Ausland (etwa Geschäftspartner) leben. In das Studium fließen Ethnologie, Psychologie und Geschichte ebenso wie Politik- oder Wirtschaftswissenschaften ein.

AUF EINEN BLICK

Postgraduale Ausbildungen und Lehrgänge für Kunst- und Kulturmanagement sind zumeist vom Ansatz her interdisziplinär angelegt, verfolgen aber oft eine generalistische Ausrichtung.

Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Fachbereichen, ein Gutteil arbeitet bereits im Kulturbetrieb. Die Nachfrage ist übergroß: Ein Lehrgang verzeichnet etwa zehnmal mehr Bewerbungen als Studienplätze.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2009)

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