Adoption für Homosexuelle: Schon jetzt möglich

Homosexuelle Paare in Österreich können schon jetzt ein Kind adoptieren – aber nur, wenn die Adoption im Ausland passiert und das fremde Land es akzeptiert.

Vater mit Kleinkind
Vater mit Kleinkind
Symbolbild: Vater mit Kleinkind – www.BilderBox.com

Den Wunsch, die eigenen Gene weiterzugeben, hatte Benedikt Hanger eigentlich nie, aber er wusste, dass er ein Kind versorgen wollte. Seine Liebe weitergeben, wie Männer und Frauen das so oft wollen, sagt er. Allerdings: Hanger lebt offen homosexuell. Und damit hat er in Österreich kaum Chancen auf ein Adoptivkind.

Hierzulande dürfen homosexuelle Frauen und Männer als Einzelperson ein Kind adoptieren. Allerdings ist dieses Recht de facto Theorie, denn Singles – auch heterosexuelle – kommen bei Adoptionen kaum zum Zug. Was auch die Debatte, die ÖVP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter vor einigen Wochen angestoßen hat, so brisant macht: Rupprechter tritt dafür ein, dass homosexuelle Paare gemeinsam ein Kind adoptieren dürfen. Dies ist derzeit verboten. Würde es erlaubt, hätten Homosexuelle – vor allem als eingetragenes Paar – viel bessere Chancen, jedenfalls bessere als heterosexuelle Singles. Wobei man die Konkurrenz positiv betrachten kann: Für die Kinder gäbe es noch mehr Auswahl.

Wenn es um Pflegeeltern geht, macht man sich den Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare ja bereits zu nutze: Wien wirbt offensiv um sie, und inzwischen ist es in ganz Österreich erlaubt – nun auch in Niederösterreich. Aus Niederösterreich ist zwar noch der Fall eines lesbischen Paares beim Verwaltungsgerichtshof anhängig, dem die Eintragung in die Vormerkliste für Pflegeeltern verweigert wurde. Mit dem neuen niederösterreichischen Kinder- und Jugendhilfegesetz (seit Dezember 2013) wurde die Rechtslage aber geändert. „Nun ist festgehalten, dass zwischen den pflegenden Personen und dem Kind eine Beziehung entstehen muss, die dem Verhältnis von Eltern und Kind nahekommt. Das bedeutet, dass ein gleichgeschlechtliches Paar nicht ausgeschlossen wird“, sagt der zuständige SPÖ-Landesrat Maurice Androsch.

Bei der Geburt dabei. Tatsächlich geht aber auch noch mehr. Schon jetzt kann ein homosexuelles Paar gemeinsam ein Kind adoptieren – einerseits über die inzwischen erlaubte Stiefkindadoption (ein Partner adoptiert das Kind des anderen), andererseits durch eine Auslandsadoption. Wenn nämlich die dortigen Gesetze homosexuellen Paaren eine Adoption erlaubt, ist für Rechtsexperten die Wahrscheinlichkeit groß, dass die hiesigen Behörden die Genehmigung der ausländischen automatisch anerkennen. „Zwar kann das hiesige Gericht im Einzelfall immer noch prüfen, ob diese Adoption dem Kindeswohl widerspricht, aber die Chancen stehen gut, dass es anerkannt wird“, sagt Astrid Deixler-Hübner, Familienrechtsexpertin an der Uni Graz. Was dafür spricht: Der Verfassungsgerichtshof hat sogar entschieden, dass in den USA behördlich abgesegnete Leihmutterschaftsverträge in Österreich ihre rechtliche Wirkung entfalten – obwohl Leihmutterschaft in Österreich verboten ist.

Die Auslandsadoption homosexueller Paare „kommt nicht oft vor, aber es gibt solche Fälle“, sagt der Verein „Eltern für Kinder Österreich“, der für Wien Auslandsadoptionen begleitet. Benedikt Hanger, der in Wahrheit nicht so heißt, ist so ein Fall. Er war selbst überrascht, dass es geklappt hat. Die Behörden – sowohl in Österreich als auch in den USA – seien sogar sehr hilfreich gewesen. Die leibliche Mutter des Kindes hat ihn und seinen Partner explizit ausgesucht, was in den USA geht. Hanger war letztlich sogar bei der Geburt dabei: „Der schönste Moment meines Lebens.“

„In den USA wird mit dem Thema Adoption ganz anders umgegangen“, sagt Hanger auch. Der Richter im Adoptionsverfahren habe ihm dafür gedankt, „dass Sie einem Kind ermöglichen, in Liebe aufzuwachsen“ – und ihm und seinem Partner die ,Green Card‘ (die zeitlich uneingeschränkte Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung in den USA) als Draufgabe erteilt.

Zurück in Österreich war dann „normaler Alltag“ angesagt: Schlafentzug, Windelwechseln, Kinderkrankheiten. „Ich sehe nicht, dass wir andere Probleme hätten als heterosexuelle Paare“, sagt Hanger. Papa und Vati nennt der kleine Bub die beiden mittlerweile. Bald kommt er in den Kindergarten. Vorurteile oder negative Kommentare im Umfeld hat es bisher kaum gegeben, aber Angst hat Hanger dennoch, dass der Sohn verspottet werden könnte. Wobei er sich mehr vor den Eltern der Kinder, als vor letzteren fürchtet. Ein Gespräch mit der Kindergartenleiterin hat ihn aber vorerst beruhigt.

Rechtliche Absicherung. Bei Efkö steht man sowohl homosexuellen Pflege- als auch Adoptiveltern positiv gegenüber. „Es hat sich gezeigt, dass homosexuelle Paare sehr viel Verständnis für die spezielle Situation von Adoptivkindern haben, weil sie selbst lernen mussten mit schwierigen Situationen umzugehen“, sagt Efkö-Geschäftsführerin Helena Planicka. Für Hanger ist die Tatsache, dass sein Sohn – auch rechtlich – zwei Elternteile hat, wichtig: „Es gibt für einen Vater nichts Schlimmeres, als nicht zu wissen, was mit seinem Kind passiert, sollte ihm selbst etwas zustoßen“, sagt er.

Fakten

Adoptieren dürfen Schwule und Lesben als Einzelpersonen, nicht als Paar. Allerdings klappt es über den Umweg der Auslandsadoption. Erlaubt ist Homosexuellen aber die Stiefkindadoption (das Kind des Partners). Heuer hat der Verfassungsgerichtshof auch entschieden, dass lesbische Paare den Zugang zur künstlichen Befruchtung erhalten sollen.

Als Pflegeeltern sind Homosexuelle inzwischen in ganz Österreich zugelassen. Im Dezember 2013 hat auch Niederösterreich nachgezogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2014)

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