Kinderbetreuung: Wiener Horte vor dem Aus?

Weniger Pädagogen, kürzere Ausbildung: Eltern kritisieren Schulpolitik. Im Büro von Vize-Bürgermeisterin Laska werden die Vorwürfe zurückgewiesen.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

WIEN. In der Volksschule Bendagasse in Wien-Mauer (Liesing) herrscht Verärgerung. Der Hort der Schule soll nämlich ab kommendem Herbst aufgelöst und die Nachmittagsbetreuung dann von einem Verein durchgeführt werden. „Wir fürchten, dass sich damit die Betreuungsqualität drastisch verschlechtert“, sagt einer der Elternvertreter, Matthias Zislavsky. „Ich verstehe nicht, warum die Stadt eine funktionierende Einrichtung, mit der die Eltern zufrieden sind, zerschlägt.“

Demnach soll ab dem Schuljahr 2009/2010 in der Bendagasse die Nachmittagsbetreuung vom Verein „Wiener Kinder- und Jugendbetreuung“ durchgeführt werden. Während aber Hortpädagogen mindestens fünf Jahre Ausbildung vorweisen, würden die Mitarbeiter dieses Vereins in Viermonatskursen ausgebildet. Damit werde die Qualität der Pädagogen schlechter, außerdem würde der Betreuungsschlüssel geändert: Während derzeit ein Hortpädagoge im Schnitt sechs Kinder betreut, würden dies in Hinkunft dreimal mehr sein, so die Elternvertreter, die sich auch darüber ärgern, dass sie relativ kurzfristig vom Vorhaben der Stadt informiert wurden.

 

Umschichtung zum Kindergarten

Die zwei Volksschulen in der Bendagasse und zwei weitere in Liesing sollen ab diesem Herbst umgestellt werden, im Jahr darauf folgen weitere Volksschulen. Die Bildungssprecherin der Grünen, Claudia Smolik, glaubt, dass durch den Ausbau der Kindergärten dort der Personalmangel immer größer wird und daher Pädagogen von den Horten abgezogen werden müssen. Zugleich spare die Stadt Geld, weil die Mitarbeiter des Vereins weniger kosten. Interessantes Detail am Rande: Geschäftsführerin des Vereins Wiener Kinder- und Jugendbetreuung ist Brigitte Kopietz, die Frau des Wiener Landtagspräsidenten.

Die Nachmittagsbetreuung in Wien wird derzeit in Horten, in Ganztags- oder offenen Schulen durchgeführt. Smolik fürchtet, dass in Wien in den nächsten Jahren Horte, die an Schulen angeschlossen sind geschlossen werden. Die Schulen würden dann zu offenen Schulen, in denen es nach dem Unterricht Mittagessen gibt, dann Lernzeit und danach Freizeit am Schulgelände.

Im Büro von Vizebürgermeisterin Laska werden die Vorwürfe zurückgewiesen. Für die Bendagasse sei noch keine Entscheidung gefallen, und es sei auch falsch, dass alle Horte geschlossen würden. Außerdem sei der Vorwurf der schlechten Ausbildung falsch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2009)

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