Väter sehen Karenz als persönliche Weiterentwicklung

Wie bekommen Mütter für Erziehungs- und Hausarbeit mehr Anerkennung? Indem auch Männer sie verrichten. Eine Soziologin untersuchte die Praxis und Auswirkungen der Väterkarenz.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Arbeit einer Mutter und Hausfrau ist wichtig und sollte geschätzt werden. Diese Forderung unterstützen mittlerweile fast alle Politiker. Verwirklichen lässt sie sich offenbar durch einen Rollentausch.

"Nähmen sich mehr Väter öfter mal eine Pause vom Berufsleben, hätte dies viele positive Effekte", sagt die Soziologin Michaela Prutsch-Kalchschmied. Sie widmete ihre von der Uni Grazausgezeichnete Diplomarbeit der Väterkarenz. Dabei fand sie viele Vorteile des Tauschs der klassischen Rollen. So könnte eine verstärkt genutzte Väterkarenz Familien- und Hausarbeit aufwerten - und zwar innerfamiliär und gesellschaftlich.

Karenz als persönlichen Weiterentwicklung


Laut Familienministerium sind nur 3,4 Prozent aller Kindergeldbezieher in der Steiermark männlich, so der Stand im Dezember 2008. Prutsch-Kalchschmied sprach mit solch "seltenen Exemplaren". Insgesamt wurde die Väterkarenz von allen Interviewpartnern als sehr positive Erfahrung bewertet. "Sowohl auf der Beziehungsebene zwischen Mann und Frau als auch auf der zwischen Vater und Kind kommt es zu einer eindeutigen Verbesserung".

"Die meisten Väter erleben die Karenz als eine Zeit der persönlichen Weiterentwicklung," sagt die Soziologin. Grundlegende Geschlechterdifferenzen würden aber, trotz der stärkeren Einbindungen des Mannes in Familie und Haushalt, dennoch bestehen bleiben, so die Akademikerin. "Väter in Karenz werden weder zu Hausmännern noch zu Müttern. Doch betrachten sie die neuen Anforderungen und Aufgaben meist als positive Herausforderung."

Wenn Mütter kontrollieren


Der bewusste "Rollentausch" von Vater und Mutter kann zum Vor-, aber auch zum Nachteil werden. Je mehr der Vater seit jeher in die Kinderbetreuung und die Haushaltsführung eingebunden war, umso reibungsloser verläuft der Alltag. Neue Handlungsroutinen stellen sich ein und Väter entwickeln gewissermaßen ihre eigene Handschrift. Wo aber bis dato eine traditionelle Arbeitsteilung praktiziert wurde, fehlt es mitunter am Vertrauen in die Fähigkeit des Vaters. Ein bezahlter "Papa-Monat" könnte dieses Problem beheben, meint die Soziologin.

(ros)

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