Karmasin: Mehrarbeit von Frauen "nicht akzeptieren"

Pro Woche werden Frauen laut einer Statistik der Familienministerin 18,7 Stunden Arbeit bezahlt, 27 Stunden dagegen nicht. Bei Männern beläuft sich die unbezahlte Arbeit auf nur elf Stunden.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP)
Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP)
Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) – (c) Clemens Fabry

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) ruft den morgigen Frauentag zum "Tag der Partnerschaftlichkeit" aus. Ziel müsse es sein, Gleichberechtigung tatsächlich zu realisieren, erklärte Karmasin am Montag bei der Präsentation einer Studie zur geschlechtsspezifischen Rollenverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. In Österreich ist diese weiterhin sehr traditionell.

Statistisch gesehen arbeiten Frauen laut Karmasin 45,7 Stunden pro Woche - bezahlte Arbeit beläuft sich dabei auf 18,7 Stunden, unbezahlte auf 27 Stunden. Bei Männern sind es insgesamt 41,7 Stunden, wobei die bezahlte Arbeit 30,7 Stunden ausmacht, unbezahlte nur elf. Bis zum Frauentag am morgigen 8. März leisten Frauen somit bereits 40 Stunden Mehrarbeit, so die Ministerin: "Das ist ein Phänomen, das wir so nicht akzeptieren wollen." Ziel zum "Tag der Partnerschaftlichkeit" sei es daher, den Unterschied in ein gleiches Verhältnis zu bringen.

Österreich hat bei Väterbeteiligung Aufholbedarf

Als Empfehlungen für eine faire Verteilung nannte die Ministerin dann etwa den Ausbau der Kinderbetreuung sowohl quantitativ als auch qualitativ, gendersensible Elementarpädagogik oder das Pensionssplitting. Weiters verwies sie auf die geplante Kindergeldreform zur Förderung der Väterkarenz. Derzeit zählt Österreich bei der Väterbeteiligung noch zu den Schlusslichtern, erklärte die Ressortchefin. Sie zeigte sich jedoch optimistisch für die Zukunft: "Der gesellschaftliche Wandel ist zumindest in den Köpfen schon fortgeschritten."

Das Österreichische Institut für Familienforschung hat die Situation in Frankreich, Schweden und Österreich analysiert. Was die geleistete Haushalts- und Betreuungsarbeit in Stunden pro Woche betrifft, weist Österreich das "ungleichste Verhältnis" auf, so Karmasin. Während Männer in Schweden 17 Stunden und Frauen 22 Stunden für diese Tätigkeiten aufwenden, sind es in Österreich elf bzw. 27 Stunden.

Die Erwerbsrate von Frauen ist in den vergangenen Jahren in Österreich stark angestiegen, laut Karmasin ist das allerdings auf die im Vergleich zu anderen Ländern hohe Teilzeitquote zurückzuführen. Dies zeigt sich auch bei der Erwerbstätigkeit in Paarfamilien mit Kindern unter 15 Jahren. In Schweden arbeiten bei 41 Prozent in dieser Gruppe beide in Vollzeit, in Österreich sind es nur 21 Prozent. In Schweden ist bei weiteren 36 Prozent dieser Gruppe ein Elternteil in Vollzeit, der zweite in Teilzeit beschäftigt, in Österreich sind es hingegen 44 Prozent. Bei 15 Prozent arbeitet in Schweden ein Elternteil Vollzeit und der zweite ist nicht erwerbstätig, während es in Österreich 28 Prozent sind.

ÖGB gegen "gläserne Decke und Wände" 

Die Frauensprecherinnen der Parteien setzten am Montag mit Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) ein gemeinsames Zeichen gegen Gewalt. "Gewalt gegen Frauen - in welcher Form sie auch immer auftritt - ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Menschenrechtsverletzung. Sie muss auf das entschiedenste verurteilt und bekämpft werden - immer und überall", sagte Bures in einer Aussendung. Ziel der  Aktion mit den Frauensprecherinnen (außer dem Team Stronach) war es, gegen sexualisierte Gewalt aufzutreten und Respekt für Frauen einzufordern.

Mehr Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt forderte ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Renate Anderl. Frauen werden von der "gläsernen Decke" an Karriere und beruflichem Aufstieg gehindert; es gebe aber auch die "gläsernen Wände", die Frauen von bestimmten Berufen fernhalten. "Frauen sind überrepräsentiert in Berufen mit niedrigen Einkommen, das ist einer der Hauptgründe für den Gender Pay Gap", erklärte Luca Visentini, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes.

(APA)

Kommentar zu Artikel:

Karmasin: Mehrarbeit von Frauen "nicht akzeptieren"

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen